Meniskusriss

Im Kniegelenk gibt es nicht nur die beiden Knorpelschichten, welche die Enden von Schienbein und Oberschenkelknochen überziehen. Dazwischen finden sich zwei halbmondförmige Knorpelscheiben aus Faserknorpel: die Menisken.

Kniegelenke tragen mehr als vier Fünftel des gesamten Körpergewichts. Bei einem 60 kg schweren Menschen ist das immerhin etwa ein Zentner. Kniegelenksbeschwerden sind daher bei Menschen, die stark übergewichtig sind oder beruflich bedingt viel stehen oder knien müssen, deutlich häufiger zu finden als bei Personen mit sitzender Tätigkeit.

Menisken sorgen für eine bessere Verteilung der Gelenkschmiere, puffern den Druck von Oberkörper und Oberschenkel auf das Schienbein ab und gleichen Unregelmäßigkeiten in der Druckverteilung aus. Über die Menisken werden Stöße vom Oberschenkel gleichmäßig auf den Knorpel des Unterschenkels übertragen. Die bessere Verteilung der Gelenkschmiere durch die Menisken schützt die Knorpelstrukturen des Kniegelenks. Die Gelenkenden können reibungsloser übereinander gleiten. Das Knorpelgewebe wird gleichmäßig mit Nährstoffen versorgt und der Abtransport von Abfallstoffen aus dem Gelenkspalt wird erleichtert.

Der Meniskus: Lastverteiler, Bremsklotz, Stoßdämpfer

Für ein Verständnis von Meniskusverletzungen ist die Kenntnis ihrer Anatomie eine wichtige Voraussetzung: Es gibt eine innere und äußere halbmondförmige Knorpelscheibe (Innenmeniskus und Außenmeniskus), die in der Mitte durch die Kreuzbänder getrennt werden. Das Volumen des äußeren Meniskus ist deutlich größer als das des inneren. Beide Menisken sind C-förmig gebildet. Sie werden durch die Gelenkkapsel fixiert und über deren Blutgefäße mit Nährstoffen mitversorgt. Der Innenmeniskus ist fast über die gesamte Länge mit der Kapsel verbunden. Deshalb ist er erheblich unbeweglicher als der stärker gekrümmte Außenmeniskus. Beide Menisken sind neben den Außenwandverwachsungen zusätzlich an den Endpunkten fixiert. Die Menisken vergrößern die Kontaktfläche des Kniegelenks und verhindern darüber eine Instabilität beim Aufeinandergleiten von Oberschenkel und Schienbein. Sie fungieren gewissermaßen als „Unterlegscheiben“. Die Hinterhörner der Menisken stabilisieren zusätzlich: Sie sorgen ähnlich wie Bremsklötze dafür, dass der Schienbeinkopf nicht nach vorne weggleiten kann. Ihre Elastizität verdanken die Menisken der faserig durchzogenen Knorpelgewebsstruktur, die wie ein Stoßdämpfer den Druck vom Oberschenkel auf das Schienbein abdämpft.

Wenn dem Kniegelenk der Kragen platzt: So entsteht ein Meniskusriss

Meniskusrisse gehören zu den häufigsten Sportverletzungen. Das wundert nicht, wenn man bedenkt, dass z. B. beim Fußballspielen das Kniegelenk mit bis zu 1,5 Tonnen belastet wird. Geschieht diese Belastung senkrecht, kommt es nicht zu Verletzungen. Traumatisch für das Kniegelenk sind jedoch schräg einwirkende oder schnelle, überraschende Stöße. Eine chronische Meniskusüberlastung findet sich daher besonders oft bei Personengruppen wie Fußballspielern, Fliesenlegern, Bergarbeitern oder Gärtnern und anderen Personen, die Spitzenbelastungen ausgesetzt sind oder häufig knien müssen.

Den Innenmeniskus trifft es dabei erheblich häufiger als den Außenmeniskus. Das Verhältnis von Innenmeniskus- zu Außenmeniskusverletzungen beträgt etwa 20 : 1.

Meist geschieht eine Meniskusverletzung durch eine gewaltsame Drehbewegung bei gebeugtem Knie. Beim Innenmeniskus steht die Knorpelscheibe dabei unter starkem Druck. Sie wird von ihrer Halterung an Gelenkkapsel und Innenband komplett oder teilweise abgerissen oder in sich selbst gespalten. Manchmal sind die Auslöser ganz harmlos, z. B. ein Aufstehen aus der Hocke oder eine Gymnastikübung. Hier können leichte Läsionen entstehen, die erst nach Jahren zu den typischen Meniskusschmerzen führen. Auch chronische Überbeanspruchung des Knies kann zu einer „Materialermüdung“ des Knorpels führen, die sich in zahlreichen Haarrissen der Menisken zeigt. Dann kann eine geringe Belastung, z. B. eine plötzliche Drehbewegung, ausreichen, um einen spontanen Meniskuseinriss auszulösen. Etwa 50 % der Meniskusverletzungen resultieren aus Über- und Fehlbeanspruchung des Gelenks bzw. Alterung der Knorpelstruktur. In 40 % der Fälle entstehen Meniskusverletzungen als Folge einer indirekten Gewalteinwirkung wie plötzliche Überstreckung oder Beugung. Bei 8 % der Patienten ist eine direkte Gewalteinwirkung, z. B. ein Knochenbruch, die Ursache. Bei den restlichen 2 % liegen genetische Gründe vor. Hier resultiert die Meniskusverletzung aus einer angeborenen Fehlform der Knorpelscheiben.

Patienten mit Meniskusverletzungen haben Schmerzen im Bereich des Kniegelenkspaltes und können das Gelenk oft nicht mehr richtig durchstrecken. Die Schmerzensymptomatik reicht von diffus bis schneidend oder einschießend. Oft kommt es zu Einklemmungsgefühlen. Im akuten Stadium findet sich häufig ein Erguss: Das Kniegelenk schwillt an. Bei älteren Meniskusverletzungen stehen wiederholte Einklemmungserscheinungen und wiederkehrende Schwellungen im Mittelpunkt. Die Patienten klagen über Fremdkörpergefühl, Unsicherheit beim Gehen und Schmerzen bei Belastung. Die schulmedizinische Diagnostik geschieht über manuelle Tests in Streck-, Beuge- und Verdrehposition sowie mittels Kernspintomographie, Röntgenuntersuchung und Ultraschall. Zur Sicherung der Diagnose kann eine Arthroskopie durchgeführt werden.

Seelische Aspekte einer Meniskusverletzung

Meniskusverletzungen sind nicht nur ein Knorpeldefekt. Wenn man sie auch nicht psychosomatisch überbewerten sollte, haben sie manchmal doch auch eine psychische Komponente. Wenn der Stoßdämpfer Meniskus einen Riss bekommt, geschieht dies oft in Lebensphasen, in denen auch die seelischen Pufferkapazitäten überlastet sind. Oft spielt ein Patient jahrelang Fußball. Plötzlich bekommt er einen Meniskusriss. Beim genaueren Hinschauen lässt sich beobachten, dass zu dieser Zeit die zeitlichen und emotionalen Belastungen, z. B. am Arbeitsplatz oder in der Familie, besonders hoch waren. Meniskuspatienten brauchen häufig eine Zusatztherapie, die ihr Stressmanagement verbessert. Mit der Zunahme von seelischen Pufferkapazitäten braucht der Körper nicht mehr so sehr auf der körperlichen Ebene „Risse im Stoßdämpfer“ zu produzieren. Es ist hilfreich, für Situationen seelischer Überlastung sensibler zu werden. Je bewusster man mit seinen Belastungen umgehen und sie dosieren lernt, desto weniger muss die Überlastungssituation auf´s Kniegelenk schlagen. Wer seelische Zerreißproben im Vorfeld lösen kann, entlastet gleichzeitig seine Seele und seinen Körper.

Praktische Tipps: Das können Sie bei einer Meniskusverletzungen selbst tun

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© Margret Rupprecht

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