Fußpilz (Tinea pedis)

„Ein schöner Fuß ist eine große Gabe der Natur. Diese Anmut ist unverwüstlich,“ schrieb Johann Wolfgang von Goethe einst in seinen „Wahlverwandtschaften“. Die Unverwüstlichkeit mag vielleicht für die Fußform gelten, obgleich gerade die Damenschuhmode auch in dieser Hinsicht durchaus de-formierend wirken kann. Was Gesundheit und Schönheit der Fußhaut betrifft, so muss man dem Dichterfürsten entschieden widersprechen: Fußpilz, in unseren Breiten wahrscheinlich die häufigste Infektionskrankheit, kann die zarte Alabasterhaut eines schön geformten Fußes massiv entstellen. Etwa jeder zweite leidet irgendwann in seinem Leben unter Fußpilz, während die Krankheit bei barfuss laufenden Naturvölkern praktisch unbekannt ist. Das wirft viele Fragen auf – Fragen, die weit über Themen wie Infektionsquellen und Fußpflege hinausgehen.

Was ist Fußpilz?

Tinea pedis gehört zu den Pilzerkrankungen, medizinisch auch Mykosen genannt (griech. mykes – Pilz). Das Wort Tinea kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „der nagende Wurm“. Zwar handelt es sich beim Fußpilz nicht um Würmer, sondern um Pilze, doch nagen diese ebenfalls am gesunden Gewebe.

Fußpilz zählt man zu den sog. Dermatomykosen, Pilzerkrankungen der Haut, die durch Dermatophyten (Fadenpilze) verursacht werden. Diese Fadenpilze besitzen eine besondere Affinität speziell zu Hornmaterial und vermehren sich mit Vorliebe in der Hornschicht von Haut und Nägeln. Fußpilz siedelt sich vor allem in den Zehenzwischenräumen an. Der Fußrücken wird seltener befallen, wohl aber Zehen und Fußsohlen. Ältere Menschen leiden häufiger an Fußpilz als jüngere; Frauen sind seltener betroffen als Männer. Tinea pedis ist in erster Linie eine Indikatorerkrankung für ein geschwächtes Stoffwechselmilieu. Dies ist körperlich, aber auch seelisch zu verstehen: Menschen, die fehlernährt und übersäuert sind, haben eine herabgesetzte Hautabwehr, die sich bei Kontakt mit Pilzen nicht wirksam wehren kann. Aber auch wer seelisch geschwächt ist, ist anfälliger für Mykosen. Wenn dann noch „begünstigende“ Faktoren wie mangelnde Körperpflege und nicht ausreichend atmungsaktive (Fuß-)Kleidung hinzukommen, entsteht rasch ein Milieu, das den Pilzen optimale Bedingungen für ihre Vermehrung bietet.

Kinder und Jugendliche können eine Erstinfektion mit Fußpilzerregern meist gut überwinden, wenn der Abwehrprozess nicht mit pilzabtötenden Medikamenten (Antimykotika) gestört wird, sondern man das Immunsystem die Erregerabwehr aus eigener Kraft bewältigen lässt. Dann entwickelt sich eine Immunität, die ein guter Schutz gegen zukünftige Zweitinfektionen darstellt.

Woran bemerke ich, dass ich Fußpilz habe?

Fußpilz beginnt oft ganz unauffällig und nur an einer kleinen Stelle. Man bemerkt möglicherweise eine verstärkte Schuppung an den Fußsohlen, manchmal in Verbindung mit einer leichten Rötung oder Bläschenbildung. Oder die Haut im Zwischenzehenraum ist aufgeweicht und gerötet. Der Zwischenraum zwischen dem vierten und fünften Zeh ist besonders häufig betroffen. Die Haut kann sich abschälen und unangenehm riechen. Im Wesentlichen lassen sich zwei Stadien unterscheiden: Weißliche Bläschen, die eine trockene und zu Schuppung und Rissen neigende Haut zur Folge haben, oder Hautstellen, die nässen, schmerzen, jucken und entzündet sind. Die Entzündungsreaktionen können unterschiedlich stark sein.

Der Hautarzt unterscheidet drei Formen:

Die interdigitale Form des Fußpilzes spielt sich vor allem in den Zehenzwischenräumen ab. Die Symptome reichen von einer nur leichten Rötung und Schuppung mit geringem Juckreiz bis zu dick gequollener Haut mit tiefen und extrem schmerzhaften Rissen.

Die squamatös-hyperkeratotische Form, auch Mokassin-Mykose genannt, spielt sich eher an Fußsohlen, Fußkanten und Fußrücken ab. Die Schuppung ist meist fein und die Entzündung nur mäßig. Dicke Hornhautschichten und Risse bilden sich besonders an Druckstellen und Fersen. In leichten Fällen wird diese Form des Fußpilzes nicht als solche erkannt, sondern als trockene Haut fehlinterpretiert.

Bei der vesikulös-dyshidrotischen Form finden sich die Bläschen vorwiegend im Bereich von Fußgewölbe und Fußkanten. Da die Hornschicht an den Fußsohlen sehr dick ist, platzen die Bläschen nicht, sondern trocknen ein. Dies geht mit Spannungsgefühlen und Juckreiz einher.

Diagnose bei Fußpilz

Für einen Laien ist es nahezu unmöglich, entzündliche Hauterkrankungen richtig zu diagnostizieren. Die Symptome lassen sich sehr leicht mit denen anderer Ekzemformen verwechseln. Bei Verdacht auf Fußpilz sollte deshalb zur Sicherung der Diagnose der Haus- bzw. Hautarzt aufgesucht werden. Von ihm wird ein mikroskopischer Pilznachweis durchgeführt. Der Arzt schabt mit Hilfe eines Skalpells Schuppen vom Rand des Ekzems und prüft sie unter dem Mikroskop auf Pilze bzw. Myzelfäden. Man kann das Untersuchungsmaterial auch mit Hilfe eines transparenten Klebestreifens abziehen, der anschließend angefärbt und auf den Objektträger gelegt wird. Bei unklaren Fällen oder zur Differenzierung des Erregers wird eine Pilzkultur angelegt.

Die genaue Erregerbestimmung ist sinnvoll, um den Fußpilz von anderen Erkrankungen abzugrenzen. Denn ähnliche Symptome finden sich auch bei Schuppenflechte (Psoriasis), bakteriellen Hautinfektionen und anderen Ekzemformen.

„Der Erreger ist nichts, das Milieu ist alles …“

sagte der französische Biologe Louis Pasteur im 19. Jahrhundert. In diesem Sinn hat eine Fußpilzinfektion, die man sich im Hotel, in Schwimmbad oder Fitnessstudio „einfängt“, dort nicht ihre Ursache, sondern höchstens ihren Auslöser: Pilze lieben ein feuchtwarmes Klima und halten sich bevorzugt dort auf, wo viel Wasser im Spiel ist. Wenn das eigene Milieu geschwächt ist, wird man sich in der Sauna bei Kontakt mit Fadenpilzen anstecken. Ist man gut in seiner Kraft, kann man eine Stunde auf einer verpilzten Badematte stehen, ohne anschließend ein Ekzem zu bekommen. Es ist ein Irrtum zu glauben, jeder würde sich automatisch anstecken, wenn er im Schwimmbad einmal keine Badesandalen trägt. Wer ein gesundes Milieu besitzt, sich gesund ernährt, abwehrstark und seelisch im Großen und Ganzen gut in seiner Kraft ist, wird selbst dann nicht erkranken, wenn er sich die Füße mit demselben Handtuch abtrocknen sollte, das ein fußpilzkrankes Familienmitglied ebenfalls benutzt. Denn die tieferen Ursachen der Infektion liegen im einzelnen Menschen selbst und nicht in seiner äußeren Umgebung.

Äußerlich betrachtet, wird Fußpilz von Mensch zu Mensch übertragen. Wer infiziert ist, verliert ständig feinste Hautschüppchen mit Pilzpartikeln. Diese Partikel werden von anderen Menschen aufgesammelt. Sie setzen sich in den Fußsohlen und auf der feuchten Haut der Zehenzwischenräume fest. Beim Gesunden können sie die Haut nicht angreifen und werden spätestens mit der nächsten Dusche abgewaschen. Beim milieuschwachen Menschen dringen sie in die Haut ein und vermehren sich rasch.

Jeder, der einmal mit wachen Augen durch den Wald spaziert ist, kennt das Phänomen: Ein gesunder Baum hat eine gesunde Rinde. Tote und abgefallene Äste hingegen, die nicht mehr über die Wurzeln mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden, sind von Pilzen überwuchert und werden von ihnen zersetzt. Pilze haben von Natur aus eine Affinität zu totem oder zumindest energetisch unterversorgtem Gewebe. In diesem Sinn ist Pilzbefall immer auch ein Hinweis darauf, dass der Betroffene nicht mehr so „lebendig“ ist, wie er es sein könnte, wenn er wirklich ganz gesund und voll in seiner Kraft wäre. Eine Therapie von Mykosen verlangt deshalb weitaus mehr als bloße Lokalbehandlungen mit Salben und Cremes. Sie sollte den ganzen Menschen umfassen und ihm dabei helfen, ein höheres Maß an Lebendigkeit und Vitalität wiederzuerlangen.

Praktische Tipps bei Fußpilz

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Die Bedeutung der Krankheit Fußpilz

Füße haben im wörtlichen und übertragenen Sinne viel mit dem Thema „Standhaftigkeit“ zu tun. Es lohnt sich, diesen Aspekt genauer zu betrachten.

Ein entzündliches Ekzem an den Füßen kann symbolisch als Konflikt im Bereich der eigenen Standhaftigkeit verstanden werden. Der psychosomatische Arzt Dr. Ruediger Dahlke weist darauf hin, dass Menschen, die zu Fußpilz neigen, möglicherweise zu schwach sind, ihren eigenen Standpunkt ausreichend zu verteidigen. Weil die notwendige Abgrenzung im Außen, d. h. im Kontakt zu anderen Menschen, fehlt, übernimmt der Körper diese Funktion und äußert sie in Form eines Abwehrkonfliktes an den Füßen.

Konflikte um den eigenen Standpunkt können sich in Form überschießender oder unterentwickelter psychischer Abwehr zeigen: Entweder man lässt fremde Eindrücke – wie auf der körperlichen Ebene den Pilz – zu stark in sich hinein oder man wehrt sie zu stark ab und nimmt sich die Chance auf Weiterentwicklung durch Anregungen der Mitmenschen. Die eigenen Standpunkte können unklar sein und werden womöglich nicht „sauber“ genug vertreten. Möglicherweise sind sie schon lange unbenutzt, leblos und abgestorben – und auch deshalb ein willkommenes Opfer für den Angriff von Pilzen.

Pilze ernähren sich vorwiegend von Einfachzucker. Bei der Wahl seiner Nahrung kann man also entscheiden: Will man sich selbst tote (= industriell verarbeitete) Nahrung zumuten und damit den Pilz ernähren? Oder versorgt man sich mit lebendigen Lebensmitteln (viel frisches Obst und Gemüse) und sorgt auf diese Weise, dass der Schmarotzerpilz abstirbt? So gesehen ist die tägliche Wahl meiner Ernährung streng genommen „eine Frage auf Leben und Tod“: Tote Nahrungsmittel fördern den Pilz und die Zersetzung der Haut durch ihn, lebendige Nahrungsmittel fördern die eigene Abwehr und Lebenskraft – und lassen den Pilz absterben.

©  Margret Rupprecht

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