Hafer – Avena sativa

Unausgeglichenheit, Verlust der inneren Mitte und starke seelische Belastungen gehören zu den wichtigsten Indikationen für eine Therapie mit arzneilichen Haferzubereitungen. Hafer verfügt, therapeutisch eingesetzt, über die Fähigkeit, die Energie von belastenden und beschwerenden Ereignissen aufzufangen und auszugleichen. Wer sich überfordert, bedrängt oder gehetzt fühlt oder wer von Zeitdruck, psychischem Stress oder schwer zu bewältigenden Aufgaben in Beruf oder Familie niedergedrückt wird, empfindet eine Behandlung mit einer Hafer-Urtinktur als stabilisierend und ausgleichend. Wobei Hafer nicht nur bei der inneren Bewältigung der anstehenden Aufgaben hilft, sondern auch die Regeneration bei körperlichen Erschöpfungszuständen unterstützt.

Die arzneiliche Wirkung des Hafers erschließt sich dem Betrachtenden über eine genaue Beobachtung seiner Struktur und seines Verhaltens. Das sechzig bis hundert Zentimeter hohe Kulturgras ist ein beliebtes Nahrungsmittel für den Menschen und findet auch als Tierfutter reichlich Verwendung. Die Rispen des Hafers werden bis zu dreißig Zentimeter lang. Sie sind von lockerer Struktur und tragen meist zwei- oder dreiblütige Ähren. Nach der Fruchtreife hängen die Ährchen herab.

Besonders auffallend ist die erstaunliche Beweglichkeit und Elastizität dieser Pflanze. Nach einem schweren Sturm kann man häufig beobachten, daß die Halme eines Roggen- oder Weizenfeldes geknickt am Boden liegen und sich nicht wieder aufrichten können. Ein darniederliegendes Haferfeld wird man jedoch fast nie finden. Der Haferstängel ist derart elastisch, daß er auch dann, wenn er vom Sturm kräftig umgebogen wurde, wieder in seine Mitte zurückfindet.

Es ist die Leichtigkeit seines Aufbaus, die ihm so viel Kraft verleiht. Während andere Getreidesorten kompakte Ähren ausbilden, hängen die Früchte des Hafers an ganz zarten Stielchen. Über seine Durchlässigkeit für den Wind ist Hafer sehr widerstandsfähig gegen Stürme.

Das Phänomen ist auch aus anderen Bereichen bekannt: In erdbebengefährdeten Regionen vermeidet man starre Konstruktionen und bevorzugt eine Bauweise, die in der Lage ist, die Energie von Erschütterungen auszugleichen. Eine Hängebrücke wird vom Sturm weitaus weniger in Mitleidenschaft gezogen als eine starre Stahlkonstruktion. Was für das Außen gilt, ist gleichermaßen für das Innen gültig: Je elastischer ein Mensch auf Erschütterungen reagieren kann, umso weniger werden sie ihn brechen und um so schneller findet er zu seiner inneren Mitte zurück.

Hafer in der Medizingeschichte

Hafer war in Deutschland über viele Jahrhunderte hinweg ein Hauptnahrungsmittel und wurde bis zum 16. Jahrhundert auch zur Herstellung von Bier verwendet. Man rühmte den Hafertrank als nervenstärkend und kühlend. Bei Pfarrer Kneipp galt Haferschleim als hochwertiges Linderungs- und Ernährungsmittel, z. B. bei Brust-, Hals- und Magenleiden. Er empfahl Haferstrohbäder und Teezubereitungen dieser Pflanze bei Gicht und Nierensteinleiden. Als Kräftigungsmittel bei nervöser Erschöpfung wird Hafer in der Fachliteratur erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts erwähnt. Aber bereits damals setzte man ihn im Rahmen der Opiumentwöhnung ein.

Auch die ayurvedische Medizin empfiehlt Abkochungen der Haferfrüchte für Opium-Entziehungskuren. Eine klinische Untersuchung (Anand, 1971) bestätigte die Wirksamkeit von arzneilichen Haferzubereitungen im Rahmen der Genussmittelentwöhnung: Eine Gruppe von 26 starken Zigarettenrauchern erhielt einen alkoholischen Extrakt aus der frischen Pflanze, während eine gleich große Gruppe lediglich ein Placebo bekam. Die Wirksamkeit des Haferextraktes ließ sich statistisch einwandfrei nachweisen. Der Zigarettenkonsum in der Hafergruppe verringerte sich beträchtlich und hielt noch zwei Monate nach Absetzen des Medikamentes deutlich an.

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© Margret Rupprecht

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