Haarausfall

Der Übergang vom natürlichen zum krankhaften Haarausfall ist fließend.

Ein gesundes Kopfhaar wächst etwa zwei bis acht Jahre lang und das mit ungefähr 0,3 Millimetern pro Tag. Danach sterben die haarproduzierenden Zellen ab und die Haarwurzel legt eine etwa dreimonatige Ruhepause ein. Wenn das alte Haar schließlich ausgefallen ist, erwacht die Aktivität der Haarwurzel auf´s neue. Der nächste Wuchszyklus von zwei bis acht Jahren beginnt. Haare erneuern sich also ständig, und es ist natürlich, dass einige von ihnen beim Kämmen, Waschen und Bürsten ausgehen. Wenn man jedoch das Gefühl hat, dass seit längerer Zeit deutlich mehr Haare verloren gehen als man es aus früheren Jahren gewohnt ist, sollte man sich genauer mit den möglichen Ursachen beschäftigen und sich fragen, was den Haaren, aber vielleicht auch der Seele fehlt. Volles Haar gilt seit Jahrtausenden als Symbol für Kraft und Vitalität. Im alten Testament besaß der Israelit Samson übermenschliche Kräfte, weil er sein volles Haupthaar noch nie hatte schneiden lassen. Als Delilah, eine Verbündete der Philister, ihm sein Geheimnis entlockt hatte und ihm heimlich das Haupthaar abschnitt, verlor er all seine Kraft und wurde von den Philistern überwältigt. Haarverlust kann viele Ursachen haben. Seelische gehören manchmal auch dazu.

Wann ist Haarausfall krankhaft?

Weil der Übergang von natürlichem zu krankhaftem Haarausfall schwer zu definieren ist, hat man als kritische Grenze den Verlust von 100 Haaren pro Tag festgelegt. Daneben gibt es einen altersbedingten und in gewisser Weise normalen Haarausfall. Beim Säugling findet er direkt nach der Geburt statt, bei Männern im dritten und vierten Lebensjahrzehnt, und bei Frauen – allerdings diffus und weniger ausgeprägt – manchmal ab dem dritten, meist aber erst nach dem 5. Lebensjahrzehnt. Normal ist auch ein Haarausfall zwei bis zwölf Wochen nach einer Entbindung. Während der Schwangerschaft kommt es durch den Anstieg des Hormons Östrogen zu einem vermehrten Haarwachstum, das sich nach der Entbindung wieder zur Norm zurückbildet. Manchmal fallen während dieses Prozesses mehr Haare aus, als sich während der Schwangerschaft neu gebildet haben, so dass das Haarkleid noch einige Zeit nach der Entbindung etwas dünner aussieht als vor der Schwangerschaft. In der Regel wachsen die Haare nach einiger Zeit aber wieder bis zur alten Fülle nach.

Wie diagnostiziert der Hautarzt einen Haarverlust?

Beim Haarmangel und krankhaften Haarverlust unterscheidet man zwei Formen: Beim Effluvium gehen mehr als 100 Haare pro Tag aus. Bei der Alopezie beträgt der Haarverlust schon mehr als 60 % und ist unübersehbar geworden. Der Hautarzt unterscheidet ein Effluvium oder eine Alopezie nach mehreren Formen, z. B. infolge genetischer Störungen oder durch physikalische Schädigung. Letzteres kann durch Röntgen-, aber auch durch zu intensive Sonnenbestrahlung geschehen, ferner durch ständigen Zug an den Haaren (straffe Pferdeschwanzfrisur). Ein systemisch bedingter Haarausfall bzw. ein Abbrechen der Haare kann sich bei allgemeinen Störungen, Vergiftungen, Infektionskrankheiten, Eisenmangel, Schilddrüsenerkrankungen, Leberkrankheiten, im Rahmen von Aids oder durch Medikamenteneinnahme ereignen. Letzteres vor allem dann, wenn der Betroffene Hormone, Blutgerinnungshemmer, Zytostatika im Rahmen einer Krebstherapie oder eine Überdosis Vitamin A zu sich nimmt. Auch manche Erkrankungen der Kopfhaut können einen chronischen Haarverlust nach sich ziehen, z. B. Krankheitsbilder wie Lupus erythematodes (Autoimmunkrankheit der Haut), Sklerodermia circumscripta (chronisch-entzündliche Hauterkrankung), Trichophytie (Pilzerkrankung der Haut) oder Mikrosporie (Pilzerkrankung der Haut). Auch im Rahmen der Schuppenflechte (Psoriasis) kann es zu starkem Haarausfall kommen.

Wer einen überdurchschnittlichen Haarverlust bei sich bemerkt, sollte sich auf jeden Fall vom Hautarzt bzw. Hausarzt gründlich untersuchen lassen, damit eine möglicherweise vorhandene andere Erkrankung rechtzeitig erkannt und behandelt werden kann.

Kreisrunder Haarausfall – ein Sonderfall

Neben dem diffusen und eher gleichmäßig über die Kopfhaut verteilten Haarausfall gibt es noch die Sonderform des kreisförmigen Haarverlustes, auch Alopecia areata genannt. Hier kommt es zu umschriebenen kahlen Stellen von zwei bis zehn Zentimetern Durchmesser. Innerhalb weniger Wochen oder Monate entwickelt sich eine kleine haarlose Fläche. Meistens ereignet sich der kreisrunde Haarausfall im Haupthaarbereich, doch können sich kahle Stellen auch im Bereich von Barthaar, Wimpern, Schambehaarung und Körperbehaarung bilden. Die Herde sind scharf umrissen. Am Rand beobachtet man kurze, abgebrochene Haare. Sie verjüngen sich zur Kopfhaut hin und werden wegen ihrer typischen Form als „Ausrufungszeichenhaare“ bezeichnet. In der Regel wächst die kahle Stelle nur bis zu einer bestimmten Größe. Wenn der Durchmesser acht bis zehn Zentimeter nicht überschreitet, ist die Aussicht auf Heilung recht gut. Meist tritt der frühere Haarwuchs nach einer gewissen Zeit sogar ohne Behandlung wieder auf. Denn trotz des zeitweiligen Haarausfalls bleiben die Haarfollikel erhalten.

Gesellen sich jedoch zur ersten kahlen Fläche neue sich vergrößernde Stellen mit großflächigem Verlust des Haupthaares hinzu, ist die Prognose ungünstiger. Je größer die Anzahl neu auftretender Bezirke, um so höher ist die Wahrscheinlichkeit des Übergangs der Alopecia areata in Formen von Alopecia totalis (Kompletter Verlust der Kopfbehaarung) oder Alopecia universalis (Totalverlust der gesamten Körperbehaarung).

Das erstmalige Auftreten von kreisrundem Haarausfall ereignet sich meist zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr, doch können auch Kinder eine Alopecia areata entwickeln. Das Krankheitsbild ist zwar im Vergleich zum altersbedingten Haarausfall nicht sehr häufig, tritt aber dennoch gar nicht so selten auf: In Deutschland sind etwa eine Million Menschen betroffen. Eine Sonderform ist der Ausfall aller pigmentierten Haare. Übrig bleiben nur Haare ohne Pigmentierung, so dass die Patienten plötzlich nur noch graue oder weiße Haare auf dem Kopf haben. Diese Form setzt meist akut und plötzlich ein.

Im Allgemeinen kann bei der Alopecia areata zwischen drei Verläufen unterschieden werden:

Spontanheilung nach einigen Monaten, meist innerhalb von drei Jahren,

chronische Form mit immer wieder auftretenden kahlen Stellen,

chronisch fortschreitende Form mit Entwicklung einer totalen Kahlheit.

Als Ursache vermutet man immunologische Faktoren im Sinne eines Autoimmunprozesses. Es konnte beobachtet werden, dass körpereigene T-Lymphozyten die Haarfollikel angreifen. Daraus entsteht eine örtliche Entzündung, die das Haarwachstum behindert und zum Ausfall des Haares führt. Wenn sich die Haare an den Rändern der haarlosen Areale leicht herausziehen lassen oder sich dort die typischen Ausrufungszeichenhaare finden, ist das Voranschreiten des Haarausfalls wahrscheinlich. Der Verlust des gesamten Kopfhaares ist trotzdem sehr selten und ereignet sich nur bei jedem zehnten Patienten. In den weitaus meisten Fällen kommt es nach einer gewissen Zeit zur Spontanheilung, vor allem, wenn man auf eine gute Ernährung und Psychohygiene achtet.

Der männliche Haarausfall

„Was nutzt´s, wenn sich der Kahlkopf kämmt …“

Bei manchen beginnen sie schon mit Mitte zwanzig zu „wachsen“: die Geheimratsecken. Im nächsten Jahrzehnt lichtet sich das Haupt im Bereich des Haarwirbels am Hinterkopf („Tonsur“). Der Haaransatz an der Stirn geht weiter nach oben und die Geheimratsecken (wenn sonst nichts mehr wächst, sie tun´s mit Sicherheit!) werden größer. Irgendwann fließen Stirnglatze und Hinterkopfglatze zusammen, und es bleibt nur noch ein wenig Haar am unteren Hinterkopf und im Schläfenbereich übrig.

Die erbliche und altersbedingte Form des Haarausfalls betrifft vor allem Männer und ist mit 95 % die häufigste Form des Haarverlustes. Ursache ist eine vererbte Empfindlichkeit der Haarwurzeln für das männliche Hormon Testosteron.

Die männliche Glatzenbildung im dritten und vierten Lebensjahrzehnt ist keine Erkrankung, sondern kann – das mag manchen Mann trösten! – ein Zeichen von besonderer Männlichkeit sein: Wenn die Kopfhaut gut mit dem männlichen Hormon Dihydrotestosteron versorgt ist, nimmt der Haarwuchs ab. Schon Hippokrates beschrieb, dass Eunuchen nie eine Glatze bekommen. Durch die Kastration haben sie ihre wichtigste Quelle für die Bildung von Testosteron verloren, aus dem das Dihydrotestosteron entsteht. Die Naturheilkunde weiß allerdings auch um den Zusammenhang zwischen männlichem Haarausfall und starker Gewebeübersäuerung als Folge von übermäßigem Konsum von Kaffee, Alkohol und vitalstoffarmer Nahrung.

Bei der Frau verläuft der altersbedingte Haarverlust erheblich langsamer und eher diffus. Normalerweise bleibt er unauffällig, lediglich nach den Wechseljahren ist ein allmählich dünner werdendes Haarkleid zu beobachten. In schweren Fällen von weiblichem Haarausfall kann ein Zuviel an männlichen Hormonen verantwortlich sein.

Behandlungsmöglichkeiten bei Haarausfall

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Psychosomatische Aspekte

Der Volksmund kennt den Begriff Federn lassen müssen. Wer nicht ungeschoren davonkommt oder seine Löwenmähne verliert, zeigt damit ein gewisses Ohnmachtserleben, frei nach dem Sprichwort nichts auf der Platte haben. In der Mythologie, z. B. der bereits erwähnten Geschichte von Samson und Delilah, gelten Haare als Symbol von Vitalität, Kraft und Macht. Bei Frauen sind sie außerdem ein Symbol für Verführung und Erotik wie das Sprichwort Ein Frauenhaar zieht stärker als ein Glockenseil zum Ausdruck bringt.

Wer Haare verliert, fühlt sich entblößt, als habe man ihm das Fell über die Ohren gezogen. Beim kreisrunden Haarausfall ist das zugrunde liegende Thema manchmal ebenso scharf umrissen wie die kahle Stelle am Kopf. Oft kann ein tiefer Kummer die Ursache sein, z. B. ein Todesfall, ein Verlusterlebnis oder ein anderes abgegrenztes Ereignis, das seelisch noch nicht bewältigt werden konnte. Möglicherweise gibt es im Leben einen bestimmten Bereich, in dem man sich von überlebten Strukturen lösen sollte. Manchmal hilft es auch, Ziele oder Wunschvorstellungen, deren Verwirklichung unrealistisch ist, bewusst loszulassen.

Ein Haarverlust, der über die oben beschriebenen normalen Formen hinausgeht, kann Zeichen einer Mauserung oder eines Vitalitätsverlustes sein. Wer sich überfordern lässt und mit seinen Energien nicht sorgfältig haushält, muss Federn (Haare) lassen. Es kann hilfreich sein, alte Strukturen zu hinterfragen, Überholtes loszulassen und Platz zu machen für Neues. Was ist man sich selber schuldig geblieben, warum kommt zu wenig Neues nach? Möglicherweise ist der seelische Fortschritt blockiert und das mangelnde Haarwachstum körpersprachlicher Ausdruck dieser Blockade. Wer sich neue Räume für innere Weiterentwicklung schafft, macht darüber möglicherweise auch Platz für neue Wachstumsschübe seines Haupthaars.

Eine individuelle Therapie kann helfen, anstehende Trauerarbeit zu leisten und das Loslassen im seelischen Bereich statt des Loslassens der Haare einzuüben. Dann kann sich die Indikatorfunktion des Haarverlustes erübrigen.

Daneben gibt es aber noch einen anderen Aspekt: Der normale Haarausfall im Laufe der Lebensjahrzehnte besitzt eine gewisse Sinnhaftigkeit, da er parallel zum Alterungsprozess verläuft. Je mehr der Mensch sich dem Tod nähert, umso mehr geht es um das Thema Loslassen, auch der Themen Macht und Sexualität. Ballastabwerfen ist angesagt und hat auch einen tiefen Sinn, da man sich „leicht machen“ sollte für den Heimweg und das Sterben. Dann liegt die Aufgabe darin, zu akzeptieren, dass man nicht länger so stark an Weltlichem, Allzuweltlichem festhalten sollte, sondern sich bewusst mit Themen wie Spiritualität, Altern und Tod beschäftigt und – ähnlich wie beim Mond – die „abnehmende Phase“ im eigenen Leben innerlich anzunehmen lernt.

©  Margret Rupprecht

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