Baldrian – Valeriana officinalis

„Halte den Sinn dir frei von allem, was war und geschehen, denn an Vergangenes denken, erweckt nur Gewissensplagen. Halte den Sinn dir frei von allem, was noch mag geschehen, denn an Zukünftiges denken, erweckt nur Unbehagen. Kommt Nahrung, so öffne den Mund; kommt Schlaf, so schließe die Lider“, schreibt der chinesische Lyriker Po Chü-I im 9. Jahrhundert nach Christus und beschreibt damit eine besondere Fähigkeit: die Kunst, völlig entspannt im Hier und Jetzt zu sein. Das ist auch ein zentrales Thema der Heilpflanze Baldrian.

Psychische Spannungen entstehen häufig aus einem Konflikt zwischen dem, was ist, und dem, was angestrebt wird. Wenn ein Mensch seine gegenwärtigen Lebensumstände als Belastung empfindet, beginnt er sich nach anderen, besseren zu sehnen. Das kann zu inneren und äußeren Verkrampfungen führen. Sie entstehen aus der Kluft zwischen Realität und Wunschvorstellung. Ist diese Kluft groß, sind es auch die psychischen Spannungen. Gibt es jedoch überhaupt keine Lücke, ist der Mensch zufrieden mit dem, was ist, und sehnt sich nicht nach Anderem. Dann ist er „Geistes“-gegenwärtig: seine Aufmerksamkeit bleibt völlig mit dem momentanen Augenblick im Einklang und seine Psyche ist entspannt.

Lebensumstände lassen sich nicht durch zwanghafte Anstrengungen verändern, denn diese bewirken eher das Gegenteil. Patienten mit Schlafstörungen oder Übergewicht wissen, dass sich weder eine erholsame Nachtruhe noch eine Gewichtsabnahme mit bloßem Wollen erzwingen lassen. Erst im totalen Loslassen einer unangenehmen Situation im Sinne eines entspannten Akzeptierens entsteht für die Dinge ein Raum, sich zu wandeln.

Eine Heilpflanze, die den Prozess der Akzeptanz und der Erdung im Hier und Jetzt bei psychonervösen Störungen, Schlaflosigkeit und einem Übermaß an seelischen Spannungen gut unterstützt, ist Valeriana officinalis, der Baldrian.

 

Baldrian erdet und gibt Verankerung

Wie viel Kraft man dieser Heilpflanze zutraut, verrät schon ihr Name: Er leitet sich vom lateinischen valere – gesund sein, stark sein ab. Der deutsche Name Baldrian ist entweder eine Ableitung aus dem mittelalterlichen Valeriana oder geht auf den Lichtgott Baldur zurück. Der Volksmund kennt die Pflanze auch als Bullerjahn, Balderbusch, Wielandswurzel, Hexenkraut oder Katzenkraut. Die 25 – 100 cm hohe Staude ist im Mittelmeerraum ebenso beheimat wie in Mittel- und Osteuropa oder in Skandinavien. In der Symbolik steht Baldrian für die Abwehr von Hexen, Teufeln und allem Bösen überhaupt.

Das Auffälligste am Baldrian ist der kurze, walzenförmige Wurzelstock mit seinen zahlreichen, fingerlangen, nestförmig zusammengedrängten Wurzelfasern. Gräbt man einen Baldrian vorsichtig aus und wäscht sein Wurzelwerk, fühlt man sich beim Anblick der vielen Wurzelfäden sogleich an einen langen Bart erinnert. Man kann sich sofort vorstellen, wie stark diese Pflanze im Erdreich verankert ist. Dazu steht das Kraut in einem eigenartigen Kontrast: Es wirkt im Vergleich zur Wurzel recht filigran, aber auch spannungsgeladen. Die Trugdolde mit ihren weißen bis rosafarbenen Blüten sowie der Stängel- und Blattbereich machen keinen sonderlich stabilen Eindruck. Baldrianblätter strahlen mit ihren Spitzen und schräg eingesägten Rändern eine starke Spannung aus. So instabil und spannungsreich das Kraut aussieht, so erdend und verlässlich wirkt die Wurzel. Sie strahlt Kraft, Ruhe, Halt, Bodenständigkeit und Verankerung aus. Verwurzeltsein ist das zentrale Wesensmoment des Baldrians. Das energetische Strömen der Pflanze geht vom Schwebenden ins Feste, vom Schwachen ins Kraftvolle, kurzum: vom Kraut in die Wurzel. Die Pflanze besitzt einen intensiv ableitenden Charakter, besonders für Menschen, die einen Überschuss an Nerven-Sinnes-Energie zeigen und eine Erdung brauchen. „Baldrian neutralisiert eine Überspannung an Nervenelektrizität, schreibt der Schweizer Heilpflanzenforscher Roger Kalbermatten. Er ist eine ideale Heilpflanze für überreizte, nervöse, überempfindliche Menschen mit übersteigerter Gedankenaktivität, mangelnder Bodenhaftung und unkontrolliertem Gefühlsleben. Wer keine Klarheit mehr in seine Emotionen bringen kann und ihnen hilflos ausgeliefert ist, wer seine Probleme nicht mehr ruhig und strukturiert zu lösen vermag, gerät in eine innere Unruhe, die mit Ein- und Durchschlafstörungen in der Nacht und Überempfindlichkeit und Unausgeglichenheit am Tag einhergehen kann. Baldrian ist eine ideale Heilpflanze für Menschen, die mit eben jener Akzeptanz des Ist-Zustandes schwer zu kämpfen haben und denen es an Vertrauen fehlt, dass sich die Dinge des Lebens in Ruhe und zu ihrer Zufriedenheit lösen lassen. Wer so wenig „auf der Erde“ angekommen ist, dass ihn bewegende Ereignisse emotional zu stark hin- und herwerfen, erfährt durch Baldrian ein tiefes Gefühl von Verwurzelung, das ihn entspannen und zur Ruhe kommen lässt.

Baldrian im praktischen Einsatz

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© Margret Rupprecht

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