Histaminintoleranz (Unverträglichkeit histaminhaltiger Nahrungsmittel)

Kopfschmerz nach dem Käsebrot, Durchfall nach dem Sauerkrautauflauf und Niesen nach einem Riegel Schokolade? Manchmal reagiert unser Körper auf Nahrungsmittel recht eigenartig. Da hat man soeben noch mit Genuss ein Glas Rotwein und ein Stück wunderbar reifen Parmesan genossen – und dann stellen sich Kopfschmerzen ein, die sich über Stunden nicht mehr bessern. Die Ursache solcher Symptome, die von den Betroffenen oftmals gar nicht in Zusammenhang mit bestimmten Lebensmitteln gebracht werden, ist ein biogenes Amin: Histamin. In zu hohen Dosen kann es bei sensiblen Personen zu allergieähnlichen Reaktionen führen.

 Viele Menschen kennen die Erfahrung: Sie leiden unter wiederkehrenden Migräneattacken, Durchfällen oder Hautausschlägen. Manchen, vor allem Frauen, macht ein unerklärlich niedriger Blutdruck, der sich auch durch Sport nicht bessert, zu schaffen oder sie werden Monat für Monat von stärksten Regelbeschwerden heimgesucht. Hausarzt und Fachärzte geben ihr Bestes, aber keiner kann eine organische Ursache für die Beschwerden finden. Viele Patienten haben eine regelrechte Odyssee an Arztbesuchen hinter sich, doch jedes Mal ohne Ergebnis. Sehr oft ist die Ursache eigentlich ganz einfach, wohl aber nicht so einfach zu diagnostizieren: Histaminintoleranz (HIT). Hierbei handelt es sich um Störungen, die durch eine zu hohe Zufuhr oder einen verlangsamten Abbau von Histamin entstehen.

Was ist Histamin?

Histamin ist eine körpereigene Substanz, die in allen Geweben vorkommt. Es zählt zu den sog. biogenen Aminen, vom Körper selbst erzeugte Ammoniakverbindungen, zu denen neben Histamin auch Dopamin und Adrenalin zählen. Hohe Histaminspiegel lösen die klassischen Entzündungszeichen aus: Histamin erweitert die Blutgefäße, erhöht die Durchlässigkeit der Kapillaren und führt zu lokalen Schwellungen und Rötungen. Über eine Zusammenziehung der Bronchien kann Histamin asthmatische Anfälle auslösen und über eine Anregung der Darmmuskulatur zu Durchfall führen. Histamin kann ferner die Sekretion der Magenschleimhaut verstärken und die Herzschlagfrequenz erhöhen. Obwohl die Substanz heftigste Reaktionen auszulösen imstande ist, ist sie diagnostisch nicht leicht zu fassen. Kurzfristige Steigerungen der Histaminkonzentration sind schwer zu messen, so dass weder ein umfassender Gesundheitscheck beim Hausarzt noch die erweiterte Diagnostik beim Allergologen irgendwelche Hinweise auf das Vorliegen einer HIT geben können. Wenn betroffene Patienten hinter ihren Beschwerden eine Histaminunverträglichkeit vermuten, kann vor allem eine vierwöchige Eliminations- oder Auslassdiät die Verdachtsdiagnose bestätigen. Lässt ein konsequenter Verzicht auf stark histaminhaltige Lebensmittel die Beschwerden verschwinden, liegt höchstwahrscheinlich eine Histaminintoleranz vor. Man kann vor der Diät auch den Histaminspiegel und den Spiegel des histaminabbauenden Enzyms Diaminoxydase (DAO) messen lassen: Häufig ist nach einer vierwöchigen Vermeidung histaminreicher Lebensmittel der Bluthistaminspiegel etwas gesunken und der DAO-Spiegel angestiegen. Die Aussagekraft dieser Untersuchung ist allerdings nicht sehr hoch. Auch wenn die Ergebnisse unauffällig sind, kann trotzdem eine HIT vorliegen.

Während bei einer echten Nahrungsmittelallergie über eine spezifische Antikörperbildung das Immunsystem beteiligt ist, kommt es bei der „Pseudoallergie“ HIT zu keinerlei Immunreaktionen. Zwar sind ihre Symptome von denen einer echten Allergie auf den ersten Blick praktisch nicht zu unterscheiden, doch während echte allergische Symptome dosisunabhängig auftreten, sind die Beschwerden einer HIT dosisabhängig. Das heißt für die Therapie: Oftmals reicht es aus, „Histaminbomben“ wie Fischkonserven, Salami, Weißbier und Rotwein aus dem Speiseplan zu streichen. Man muss nicht auf jedes histaminhaltige Nahrungsmittel verzichten – was in der Praxis auch kaum möglich wäre -, sondern nur darauf achten, sich insgesamt von deutlich histaminärmeren Lebensmitteln zu ernähren.

Histaminintoleranz: Ursachen

Eine Histaminunverträglichkeit ist in der Regel nicht genetisch bedingt, sondern entsteht meist auf der Basis jahrelanger Fehlernährung. Nur sehr selten ist ein angeborener DAO-Enzymmangel die Ursache. Meist „züchtet“ man sich eine HIT durch zu reichlichen Verzehr industriell hergestellter Nahrungsmittel. Die Industrialisierung der Lebensmittelproduktion führt zwar zu niedrigen Endverbraucherpreisen und zu Zeitersparnis sowie Bequemlichkeit bei der Zubereitung. Doch durch die industrielle Bearbeitung und Konservierung entwickeln sich in den Produkten hohe Histaminbelastungen, die bei entsprechend empfindlichen Menschen zu starken Beschwerden und Beeinträchtigungen der Lebensqualität führen können. Irgendwann ist bei ihnen Produktion des histaminabbauenden Enzyms DAO erschöpft und verlangsamt sich, so dass es zu einem Abbaustau kommt. Auch Schmerz- und Schlafmittel, Hustenlöser, Antibiotika und vor allem Alkohol sind DAO-Hemmer und verzögern den Histaminabbau. Alkoholische Getränke sind ohnehin stark histaminhaltig; weil sie zusätzlich das histaminabbauende Enzym DAO blockieren, leiden Menschen, die täglich oder in größeren Mengen Alkohol konsumieren, oft unter Histaminintoleranz.

Histaminintoleranz: Symptome

Die Symptome einer HIT sind vielfältig und können chamäleonartig wechseln: Besonders häufig kommt es zu Blähungen, Müdigkeit, Erschöpfung, Unruhe, Schwindelgefühlen, depressiven Verstimmungen, Reizbarkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Ebenfalls häufig sind Bauchschmerzen, Angstzustände, Schlafstörungen, Nasenlaufen, Juckreiz, brennende Augen, Absinken des Blutdrucks, Kopfschmerzen, Durchfall, Hautrötungen und Ekzeme, Aufstoßen oder unreine Haut. Weitere Symptome sind Übelkeit, plötzliches Erröten (Flush), Herzrasen, Kopfschuppen, Wassereinlagerungen, vegetative Herzbeschwerden, Atembeschwerden, Mundbrennen, Migräne, verstärkte prämenstruelle und menstruelle Beschwerden bei der Frau, ferner Asthmaattacken und Übelkeit. Die Symptomatik einer HIT ist diffus und von Mensch zu Mensch unterschiedlich, kann aber auch bei ein und demselben Patienten mal diese oder mal jene Symptome auslösen.

Ein hoher Histaminspiegel geht bei manchen Menschen auf eine nicht ausreichende Streßbewältigung zurück, welche im Bindegewebe die Entzündungsbereitschaft erhöht. Stress kann zu einer sog. neurogenen Entzündung führen: vegetativ sensible Nervenendigungen im Zwischenzellraum können bei anhaltendem Stress Entzündungsmediatoren ausschütten, die Mastzellen zur Freisetzung von Histamin anregen. Wird das Stressmanagement verbessert und für mehr Entspannung gesorgt, sinkt auch die Histaminausschüttung im Bindegewebe.

Praktische Tipps bei Histaminintoleranz

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©  Margret Rupprecht

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