Schnupfen

Wenn es ein Krankheitsbild gibt, das mit Fug und Recht den Namen „Volkskrankheit“ verdient, dann ist es der Schnupfen. Laut Statistik leiden Erwachsene durchschnittlich drei Mal im Jahr an einer Entzündung der Nasenschleimhaut, Kinder und Kleinkinder sogar noch öfter. Die Nase, scherzhafterweise gelegentlich „Gesichtserker“ genannt, ist der vorspringendste Teil des Gesichts, der im Unterschied zum verschließbaren Mund in permanentem Kontakt mit der Außenluft steht. Das Naseninnere kommt viel rascher mit Erregern aus der Umgebung in Berührung als alle anderen Schleimhäute. Das macht den Schnupfen zur Allerweltskrankheit ersten Ranges.

Schnupfen – Eine Definition

Rhinitis oder Koryza (griechisch: Erkältung), im Volksmund besser bekannt als Nasenkatarrh oder Schnupfen, ist eine akute oder chronische Entzündung der Nasenschleimhaut. Sie wird von Juckreiz, Niesen, Sekretion wässriger oder schleimiger Flüssigkeit und einer Anschwellung der Schleimhäute begleitet, die häufig zur Verstopfung der Nasengänge führt. Ursache sind meist infektiöse oder allergische Faktoren.

Wie kommt es zur Schleimhautentzündung?

Der häufigste Schnupfenerreger, das sog. Rhinovirus, gehört zur Gruppe der Picornaviren. Er löst in der Regel nur eine Nasenschleimhautentzündung aus. Lediglich in seltenen Fällen, vor allem bei Kindern, kann ein vom Rhinovirus ausgelöster Schnupfen auch eine Bronchitis verursachen.

Aus der Gruppe der Rhinoviren sind mittlerweile mehr als hundert Typen bekannt. Ihr Temperaturoptimum liegt bei etwa 33 Grad, was der Temperatur auf der Nasenschleimhaut in etwa entspricht. In dem dort herrschenden feuchten Milieu können sie sich geradezu explosionsartig vermehren. Schnupfenviren übertragen sich über Tröpfcheninfektion (durch Niesen oder Sprechen einer erkrankten Person) oder über Hautkontakt von Mensch zu Mensch. Ist die Nasenschleimhaut vorgeschädigt, d. h. schlecht durchblutet, vermehren sich die Viren besonders schnell, da sie in diesem Fall nicht rasch genug von Abwehrzellen inaktiviert werden können. Bei trockener Raumluft, Unterkühlung oder verengten Blutgefäßen durch Dauergebrauch abschwellender Nasensprays ist dies besonders häufig der Fall. Sind betroffene Patienten abwehrgeschwächt, können sich die Viren auf benachbarte Schleimhautregionen ausbreiten, z. B. Rachen, Hals, Bronchien, Nasennebenhöhlen oder Nasen-Ohren-Kanal. Besonders unangenehm ist die sog. bakterielle Superinfektion. Eine Superinfektion ist nicht – wie der Name nahelegen mag – eine besonders heftige Infektion, sondern ein Infekt, der sich auf einen anderen „aufsetzt (vgl. lateinisch super – über, darüber). Eine von Viren vorgeschädigte Schleimhaut ist in ihrer Abwehr stark beeinträchtigt, so dass sich Bakterien erheblich leichter ausbreiten können als bei einer abwehrstarken und gesunden Nasenschleimhaut. Die bakterielle Superinfektion setzt sich also im wörtlichen Sinne auf die Virus-Infektion auf. Während eine Virusinfektion lediglich einen wässrigen bzw. klar-weißlichen Sekretfluss auslöst, entsteht bei der bakteriellen Superinfektion ein dickflüssigerer, gelblich-eitriger Ausfluss.

Neben dem Rhinovirus als häufigstem Auslöser für den akuten Schnupfen gibt es weitere Faktoren, die das Entstehen eines Nasenkatarrhs begünstigen. Dazu zählen Heuschnupfen, Umgang mit reizenden Stoffen (Chemikalien, Staub), Blutgefäßerweiterung im Alter (sog. „vasomotorischer Schnupfen“) oder der „trockene Arzneimittelschnupfen“, der durch den Dauergebrauch von abschwellenden Nasentropfen entsteht. Auch bei Rauchern und Mundatmern tritt häufig ein chronischer, trockener Schnupfen auf.

Typische Schnupfen-Beschwerden

Ein Schnupfen ist zwar ein lokal begrenztes Krankheitsbild, hat aber auch Auswirkungen auf den übrigen Organismus. In der Regel beginnt er mit einem trockenen Vorstadium und äußert sich in gestörtem Allgemeinbefinden: Frösteln, Wechsel zwischen Frieren und Hitzegefühl, Kopfdruck, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, gelegentlich leicht erhöhte Temperatur. In der Nase entwickelt sich ein trockenes Kitzeln und Brennen. Niesreiz stellt sich ein. Die Nasenschleimhaut ist blass und trocken.

Diese Phase wird meist schon nach wenigen Stunden durch das katarrhalische Stadium abgelöst. Sie äußert sich in wässriger Sekretion und Behinderung der Nasenatmung. Die Nasenschleimhaut schwillt an, ist hochrot und gibt reichlich Sekret ab. In diesem Stadium ist es kaum noch möglich, durch die Nase zu atmen. Das Allgemeinbefinden verschlechtert sich.

Nach einigen Tagen geht das katarrhalische Stadium in das schleimige bzw. schleimig-eitrige Stadium über: Das Sekret wird dicker, Riechvermögen und Allgemeinbefinden bessern sich allmählich. Die lokalen Beschwerden nehmen ab.

Ein banaler Schnupfen sollte nach etwa einer Woche ausgeheilt sein.

Setzt sich auf die Virusinfektion eine bakterielle Superinfektion auf, nimmt das Sekret eine grünlich-gelbe Farbe an, und das Abklingen der Symptome verlangsamt sich.

Bei manchen Nasenkatarrhen kann es sich um einen sog. Begleit- oder Initialschnupfen handeln, der den Auftakt einer schweren Virusgrippe (Influenza) oder einer anderen Infektion darstellt. Die typischen Schnupfensymptome werden durch zusätzliche Erscheinungen verschlimmert wie z. B. eine Beteiligung des gesamten Atemtraktes, des Magen-Darm-Kanals, der Hirnhäute, Nieren, Muskulatur (Gliederschmerzen) etc.

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen dem Eindringen der Erreger und dem Auftreten der ersten Symptome, dauert bei einer Infektion mit Rhinoviren in der Regel ein bis drei Tage. Eine Abwehrschwäche, z. B. bedingt durch Unterkühlung oder Vitaminmangel, verkürzt die Inkubationszeit und verstärkt die Allgemein- und Lokalsymptome.

Was Sie selbst tun können

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Optimale Ernährung bei Schnupfen

„Heiß und frisch“ – das ist das richtige Motto für die Ernährung während einer Erkältungskrankheit: Heißer Tee und heiße Suppen wirkend ausgleichend auf eine vorangegangene Unterkühlung. Knackige Salate und frisch gepresster Orangensaft sorgen für die notwendigen Vitamine und Vitalstoffe.

Pflegen Sie Ihren Darm! Das Darmimmunsystem macht einen großen Teil des Gesamtimmunsystems aus. Sorgen Sie während eines Infektes für eine gute Verdauung und Darmreinigung, z. B. durch Einnahme von Trockenpflaumen, Haferkleie und anderen Ballaststoffen. Wahre Wunder wirken ein Mini-Klistier aus der Apotheke oder eine Colon-Hydro-Therapie (Spülung des gesamten Dickdarmes) beim Heilpraktiker oder Arzt für Naturheilverfahren.

Wann müssen Sie zum Arzt?

Ein banaler Schnupfen ist eine unkomplizierte Erkrankung und heilt „mit Behandlung in einer Woche und ohne Behandlung in sieben Tagen“ folgenlos aus. Manchmal sagt man auch: „Drei Tage kommt er, drei Tage bleibt er, drei Tage geht er.“ Trotzdem ist in manchen Fällen ein Arztbesuch erforderlich. Sie sollten Ihren Hausarzt aufsuchen, wenn

  • der Schnupfen nach einer Woche immer noch nicht abgeklungen ist.
  • Sie länger als drei Tage Fieber haben.
  • starke und andauernde Kopfschmerzen auftreten.
  • Farbe und Konsistenz des Sekretes sich auffällig verändern, z. B. durch Blut oder starke Eiterbildung.
  • Schmerzen an Stirn oder im Wangenbereich auftreten, besonders beim Bücken. Dies kann ein Hinweis auf eine Nasennebenhöhlenentzündung sein.

Schnupfen der Seele?

Wohl jeder hat schon einmal die Erfahrung gemacht, dass man sich besonders dann einen Schnupfen einfängt, wenn man sich erschöpft, überarbeitet, frustriert, unglücklich oder lustlos fühlt. Der Schnupfen ermöglicht in solchen Phasen eine von allen respektierte „Auszeit“. Man ist „verschnupft“ über etwas und kann sich eine Weile zurückziehen. Der psychosomatische Arzt Dr. Ruediger Dahlke weist darauf hin, dass man nicht so sehr ein passives Opfer von Rhinoviren ist, sondern sich unbewusst „einen Schnupfen holt“ oder „Erreger aufschnappt“. Ein Mensch, der für kritische Situationen seines Alltags keine Lösungswege sieht, hält sich mit einem Schnupfen erst einmal alles vom Leib. Er hat „die Nase voll“, „will nichts mehr schlucken“ und seiner Mitwelt am liebsten „etwas husten“. Der Volksmund kennt eine ganze Reihe von Redewendungen, die sehr bildhaft darauf hinweisen, wie sehr eine Erkältungskrankheit dazu dient, Distanz zwischen sich und der Umwelt zu schaffen.

Die Vorbeugung und Behandlung eines Schnupfens im psychosomatischen Sinn besteht in der Bewusstmachung der Probleme, vor denen wir mit Hilfe der Krankheit ausweichen wollen. Wer an die Konflikte seines Alltags lösungsorientiert herangeht, kann sich in seinem Leben wohlfühlen und braucht keine Krankheit als Fluchthilfe. Eine gesunde und konstruktive Konfliktbereitschaft im Umgang mit Mitmenschen und Problemstellungen ist eine wirksame psychosomatische Schnupfen-Prophylaxe und die beste Voraussetzung für das Gesundbleiben – allen herumschwirrenden Viren zum Trotz.

© Margret Rupprecht

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