Asthma

Das Atmen ist die erste und letzte Handlung im Leben. Atmung beginnt unmittelbar nach der Geburt. Erst wenn die Lungen des Kindes zu arbeiten begonnen haben, wird die Nabelschnur, die es mit der Mutter verbindet, durchtrennt. Und mit dem „letzten Atemzug“ verlässt der Mensch das irdische Dasein. Zwischen dem ersten Einatmen und dem letzten Ausatmen liegt das Leben als ein langer, ruhiger Atemfluss. Zumindest normalerweise und in den meisten Zeiten verläuft die Atmung ruhig und fließend, unbewusst und rhythmisch. Doch gibt es Krankheitsbilder, die jenes ruhige, harmonische Ablaufen von Ein- und Ausatmung unterbrechen, z. B. Asthma bronchiale. Die Dinge des Lebens stellen sich dem natürlichen Strömen der Luft blockierend in den Weg. Zunächst auf der seelischen Ebene, später dann auch auf der körperlichen. Asthma bronchiale gehört zu den großen psychosomatischen Krankheitsbildern, gleichzeitig ist es äußerst komplex und erweist sich daher als sehr therapieresistent. Trotzdem gibt es viele Wege, mit Asthma auf eine Weise umgehen zu lernen, die Anfallshäufigkeit und -intensität verringert und auch die Möglichkeiten in sich trägt, eines Tages von dieser schweren Form der „Atemlosigkeit“ wieder frei zu werden. Eine intensive Auseinandersetzung mit den individuellen Entstehungsursachen der Krankheit ist der erste Schritt zu ihrer Überwindung.

Was ist Asthma bronchiale?

Asthma ist in erster Linie als Krankheit mit extremer Form von Atemnot bekannt. Der Name leitet sich vom griechischen asthma – Atemnot, Engbrüstigkeit, Keuchen ab.

Die Atemblockade geht letztlich auf drei Faktoren zurück: Beim Asthma liegt eine chronische Entzündung der Atemwege vor. Die Bronchialschleimhaut ist dauerhaft überempfindlich und reagiert bereits auf belanglose Reize mit klassischen Entzündungssymptomen: dazu zählt ein ödematöses Anschwellen der Bronchialschleimhaut mit verstärkter Schleimsekretion wie auch eine anfallsartige Verkrampfung der Bronchialmuskulatur. Alles zusammen – Schleimhautschwellung, Sekret und Verkrampfung – führen zu einer Einengung des Bronchiendurchmessers, die wiederum einen heftigen Anfall von Atemnot nach sich zieht. Diese Anfälle dauern manchmal nur wenige Minuten, können aber auch über Stunden anhalten und sich zum sog. „Status asthmaticus“ ausweiten, der gar nicht mehr aufzuhören scheint. Oft treten sie in der Nacht oder am frühen Morgen auf. Bei langjährigem, schwerem Asthma mit häufigen und intensiven Anfällen kann sich eine dauerhafte Atemwegsverengung einstellen, die nicht mehr reversibel ist.

Woran merke ich, dass ich unter Asthma leide?

Leitsymptom von Asthma bronchiale ist die anfallsartig auftretende Atemnot. Schleimhautschwellung, Sekret und Verkrampfung verengen die Atemwege. Der kleiner gewordene Durchmesser der Luftwege erschwert die Einatmung, vor allem aber die Ausatmung. Der Anfall beginnt mit plötzlich einsetzender Luftnot und einem zunehmenden Engegefühl in der Brust, das von Husten begleitet werden kann. Die Einatmung geht in der Regel leichter als die Ausatmung. Die Bilanz zwischen beiden Vorgängen verschiebt sich dahingehend, dass der Patient zwar noch leidlich Luft einatmen, diese aber nicht mehr loswerden kann. Die ungenügende, blockierte Ausatmung führt im Anfall zu einer kurzfristigen Lungenüberblähung, die bei schweren Krankheitsverläufen chronisch werden kann. Im Anfall erleichtert sich der Asthmatiker die Ausatmung, indem er die Arme auf einem Tisch abstützt. So kann die Atemhilfsmuskulatur, die aus Teilen von Brust-, Rücken- und Schultergürtelmuskulatur besteht, bei der Ausatmung unterstützend hinzugezogen werden, indem man mit ihrer Hilfe den Brustkorb zusätzlich hebt und senkt.

Die Diagnose Asthma bronchiale ergibt sich aus der typischen Symptomatik, zu der sich pfeifende („Giemen“) und brummende Atemgeräusche hinzugesellen. Typisch für Asthma ist auch die Tatsache, dass der Patient im beschwerdefreien Intervall eine normale Atmung hat und keine sonstigen Bronchialsymptome aufweist.

Da nicht jeder Anfall von Atemnot automatisch ein Asthmaanfall sein muss, ist die differentialdiagnostische Abgrenzung zu Krankheitsbildern mit ähnlicher Symptomatik wichtig. Dazu zählen akute Bronchitis, Keuchhusten, Muskoviszidose, Erweichung der Luftröhrenknorpel oder – gerade bei Kindern – das versehentliche Verschlucken eines Fremdkörpers, der sich im Bereich Rachen, Kehlkopf oder Luftröhre festgesetzt hat. Auch Herzinsuffizienz, Lungenembolien, Pneumothorax und das Hyperventilationssyndrom können mit Atemnot einhergehen und sollten differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden.

Mit spezifischen Lungenfunktionstests kann der Lungenfacharzt den Grad der eingeschränkten Atemfunktion genau messen. Im Mittelpunkt steht vor allem die Differenz zwischen eingeatmetem und ausgeatmetem Luftvolumen, mit der die Menge der in der Lunge zurückbleibenden Luft festgestellt werden kann.

Die Ursachen von Asthma – ererbt oder erworben?

Beim Asthma bronchiale gibt es mehrere Ursachenebenen. Vor allem ist zwischen Ursachen und Auslösern zu unterscheiden.

Die Veranlagung zu Bronchialasthma ist zum einem Teil – auch – erblich bedingt. Wenn beide Elternteile an allergischem Asthma leiden, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 60 bis 80 %, dass auch ihre Kinder daran erkranken. Möglicherweise werden in einer Familie aber nicht nur die „Asthmagene“, sondern auch bestimmte Verhaltensweisen vererbt, die einen Ausbruch des Asthmas begünstigen.

Beim Asthma unterscheidet man zwischen der allergischen und der nicht-allergischen Form. Dazwischen gibt es noch zahlreiche Mischformen. Bei Kindern überwiegt das allergische Asthma, bei Erwachsenen die nicht-allergischen Arten.

Beim allergischen Asthma entsteht Atemnot als Reaktion der Bronchialschleimhaut auf verschiedene allergieauslösende Substanzen in der Luft. Zu den klassischen Auslösern zählen vor allem Hausstaubmilben, Baum- und Gräserpollen, Pilzsporen, Tierhaare, chemische Substanzen aus Nahrungsmitteln oder Körperpflegeprodukten sowie tierisches Eiweiß aus der Nahrung.

Zum allergischen Asthma gehören auch berufsbedingte Asthmaerkrankungen, z. B. bei Bäckern durch Mehlstaub, durch Kosmetikinhaltsstoffe bei Friseuren, Holzstaub bei Schreinern oder Lösungsmittel bei Malern und Druckereiarbeitern. Ähnliches gilt für das Arzneimittelasthma, das durch Einnahme mancher Schmerzmittel, Bluthochdruckpräparate oder Entzündungsmittel ausgelöst werden kann.

Beim nicht-allergischen Asthma sind die irritativen Substanzen vor allem Luftschadstoffe wie Autoabgase oder Zigarettenrauch. Auch Nebel und kalte Luft können beim überempfindlichen Bronchialsystem einen akuten Anfall auslösen. Eine Sonderform ist das Anstrengungsasthma, eine Form der Atemnot, die beim Sport und bei starker körperlicher Belastung auftritt. Zu den nicht-allergischen Formen zählt auch das Infektasthma. Hier handelt es sich um Atemnotanfälle im Rahmen von Erkältungskrankheiten der Atemwege oder grippalen Infekten.

Seelische Ursachen

Asthma gehört zu den Krankheitsbildern, die auch von der Schulmedizin als vorwiegend psychosomatisch angesehen werden. Das überempfindliche, entzündete und stark verkrampfungsbereite Bronchialsystem ist nicht Ursache, sondern Folge einer seelischen Belastung, die weit in die frühe Kindheit hineinreichen kann. Sie geht im Wesentlichen auf eine Problematik des frühen Sichanvertrauens zurück.

Für das Kind im ersten Lebensjahr ist Weinen die einzige Möglichkeit, seine Bedürftigkeit auszudrücken und die Mutter zu rufen. Asthmakranke hatten oft eine Mutter, die die ihr Kind entweder durch Überbehütung oder durch Zurückweisung belastet hat und von ihm schon früh als dominierend oder ablehnend empfunden wurde. So entstand eine Ambivalenz von Sehnsucht nach Geborgenheit einerseits und Angst vor Ablehnung oder Erdrücktwerden andererseits. Das Kind fühlte sich nicht richtig angenommen, sondern verlassen, und hat schon früh Impulse wie Wut oder Aggression zu unterdrücken gelernt. Im späteren Alter zeigt sich die Tendenz, emotionale Regungen, seien sie zärtlicher oder aggressiver Natur, abzuwehren. Es entwickelt sich eine Hingabestörung, die tiefere emotionale Kontakte zu anderen Menschen erschwert.

Die Körpersymbolik spricht eine deutliche Sprache: Der Asthmatiker neigt dazu, sich zu „übernehmen“. Er atmet zu viel ein und zu wenig aus. Die Polarität von Nehmen und Geben ist aus der Balance geraten. Das zuviel Eingeatmete droht ihn zu ersticken. Er sehnt sich nach Zuwendung, ist andererseits aber blockiert, echte Zuneigung zu geben. Ebenso schwer tut sich mancher Asthmapatient damit, gesunde Aggression zu leben, d. h. Gefühle von Wut oder Zorn zuzulassen und auszusprechen, sich im wahrsten Wortsinn einmal kräftig „Luft zu machen“.

Weil die tieferen psychischen Ursachen für das Entstehen von Asthma bronchiale oft in der frühesten Kindheit liegen, hilft vielen Patienten vor allem eine tiefenpsychologische Behandlung weiter, zum Beispiel eine klassische Psychoanalyse. Mit dieser Therapieform wird es ihnen leichter möglich, einen Zugang zu ihren tieferen Gefühlen bekommen, diese auch ausdrücken zu lernen und sich mehr Raum zur Selbstverwirklichung zu nehmen bzw. sie auch anderen zu geben. Das ist ein mehrjähriger Prozess, der eine fundierte therapeutische Begleitung voraussetzt, doch immer auch ein Weg, der sich lohnt.

Was der Arzt bei Asthma tun kann

Beim allergisch bedingten Asthma steht das Herausfinden der auslösenden Substanz im Mittelpunkt. Wer genau weiß, auf welche Dinge er mit einem Anfall reagiert, kann den Auslöser gezielt meiden. Bei manchen Patienten ist eine Hyposensibilisierung erfolgreich. Durch eine regelmäßige, sehr niedrig dosierte Gabe des anfallauslösenden Allergens kann der Körper nach und nach daran „gewöhnt“ werden, so dass er im Laufe der Zeit nicht mehr mit Atemnot reagiert. Die Suche nach dem Allergen ist jedoch nicht immer von Erfolg gekrönt. Manchen Substanzen, z. B. Hausstaubmilben oder Pollen, kann sich der Asthmapatient auch nur bedingt entziehen.

Für die Behandlung des Bronchialasthmas setzt die Schulmedizin vor allem entzündungshemmende und bronchienerweiternde Medikamente ein. Mit Cortisonpräparaten wird der chronische Entzündungsprozess (Schwellung der Schleimhaut und Schleimbildung) unterdrückt, der Voraussetzung für die erhöhte Empfindlichkeit der Bronchialschleimhaut auf Allergene und Reizstoffe ist.

Neben den Entzündungshemmern kommen langwirksame Sympathikomimetika zum Einsatz. Sie entspannen die Bronchialmuskulatur und erweitern die Luftwege. Kortisonpräparate und Sympathikomimentika sind wertvolle Hilfsmittel für den akuten Fall. Bei schweren Formen sind sie lebensrettend und daher unverzichtbar. Doch sollte man sich bewusst bleiben, dass beide Präparategruppen nur die Symptome unterdrücken, nicht aber eine Heilung im tieferen Sinne in Gang setzen.

Was Sie selbst bei Asthma tun können: Praktische Tipps

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© Margret Rupprecht

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