Trigeminusneuralgie

Der Trigeminus-Nerv ist einer der größten Nerven im Gesichtsbereich. Das lateinische Wort trigeminus bedeutet dreifach. Der Nerv erhielt diesen Namen, weil er über drei Hauptäste verfügt, die ausgehend von der Nervenwurzel im Gehirn zu Auge, Ober- und Unterkiefer ziehen. Eine Trigeminusneuralgie ist durch mehr oder weniger intensive Schmerzen in einem oder mehreren Ästen des Nerven gekennzeichnet, spielt sich also in der Augenregion, im Ober- und/oder im Unterkieferbereich ab.

Trigeminusneuralgien entwickeln sich in der Regel einseitig und sind in der gleichen Zone lokalisiert. Der Schmerz schießt blitzartig ein, dauert meistens nur wenige Sekunden und kann von kaum erträglicher Intensität sein. Die Schmerzattacke kann sich alle paar Minuten wiederholen und bis zu hundert Mal am Tag auftreten. Manche Betroffene leiden derart stark darunter, dass sie arbeitsunfähig werden. Während Patienten im Anfangsstadium zwischen den einzelnen Schmerzattacken völlig beschwerdefrei sind, kann bei längerer Krankheitsdauer auch zwischen den Anfällen ein dumpfer Schmerz bestehen bleiben, bzw. die Attacken können sich verlängern. Das Einschiessen des Schmerzes wird häufig durch Kauen, Sprechen oder Berührung einer bestimmten Stelle im Mund- und Gesichtsbereich ausgelöst.

Es gibt viele Ursachen für die Entstehung von neuralgischen Beschwerden, z. B. Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Gewebewucherungen oder Narben. Eine Trigeminusneuralgie im Oberkiefer kann z. B. durch eine Entzündung an der Wurzel eines Oberkieferzahnes oder durch einen wurzelbehandelten Zahn auftreten. Auch Narben nach dem Zahnziehen können ein Störfeld bilden, von dem immer wieder neuralgische Schmerzen am Ober- oder Unterkieferast des Nervus trigeminus ausgehen. Man vermutet, dass durch die Lädierung der sog. Myelinscheiden, der Nervenhüllen, Impulse von Nervenendigungen, die normalerweise nur eine Berührung erkennen, auf Schmerzfasern überspringen. So entsteht durch einfache mechanische Reizung, die von gesundem Nervengewebe lediglich als Druck wahrgenommen worden wäre, eine Schmerzempfindung.

Eine besonders häufige Ursache ist das nächtliche Zähneknirschen, das bei vielen Menschen in Zeiten erhöhter Stressbelastung auftritt.

Nach Phasen gehäufter Schmerzanfälle ist es aber durchaus möglich und auch gar nicht so selten, dass der Patient monate- und jahrelang wieder beschwerdefrei wird, sobald sich seine Situation im Beruflichen und Privaten entspannt bzw. das auslösende Störfeld, z. B. im Zahnbereich, saniert wurde. Wenn es gelegentlich zu Rückfällen kommt, können diese im gleichen, aber auch in einem anderen Trigeminusast auftreten.

Seelische Aspekte bei Neigung zu Trigeminusneuralgie

„Schmerz trägt mehr zur Identitätsfindung bei als Genuss“, sagt ein Sprichwort und berührt damit ein Phänomen, das auch für die innere Einstellung zu Trigeminusschmerzen und zum Umgang mit ihnen keine geringe Rolle spielt.

Nervenschmerzen im Gesicht können einem Menschen im wahrsten Sinne des Wortes die Miene verziehen. Die Gesichtszüge krümmen sich vor Schmerz. Man kann, wie der Volksmund sagt, keine gute Miene mehr zum bösen Spiel machen. Vielleicht hat man auch Angst, das Gesicht zu verlieren oder steckt in einer Situation, die man als nervig empfindet. Das Gesicht eines Menschen ist gewissermaßen seine Fassade, seine Visitenkarte und der stärkste Ausdruck seiner Individualität. Keepsmiling wird schwer, wenn einem der Schmerz wie ein Blitz ins Auge oder in den Kiefer hineinschießt – von einem Pokerface ganz zu schweigen.

Wenn sich bei einer Trigeminusneuralgie keine organischen Ursachen finden lassen, ist es sinnvoll, nach psychischen Ursachen zu forschen. Möglicherweise fühlt sich der Patient in einer bestimmten Lebenssituation so unwohl, dass er die Gefühle, die er tief innerlich empfindet, nicht angemessen zum Ausdruck bringen kann. Die Krankheit zwingt ihn dann – stellvertretend für seine Psyche -, die Maske fallen zu lassen. Hier stellt sich die Frage: Welcher seelische Schmerz und welche Aggressionen wollen sich mit dieser Symptomatik äußern? Wo sollte man im übertragenen Sinne Biss entwickeln anstatt z. B. im Schlaf auf die Zähne zu beißen? Manche Patienten beschreiben den Trigeminusschmerz wie einen „Hieb ins Gesicht“, dem sie hilflos ausgeliefert sind. Nicht selten stecken hinter der Anfälligkeit für Trigeminusbeschwerden tiefe seelische Wunden, z. B. Gewalterfahrungen in der Kindheit. Die psychosomatische Medizin spricht von „unverdienten, unerwiderten und unbeweinten Ohrfeigen“ als häufiger Ursache für die Entstehung dieser Neuralgieform, die oft als Symptom einer posttraumatischen Belastungsstörung auftritt. Immer wieder sind besonders jene Patienten betroffen, die es nicht schaffen, sich von Eltern und Autoritätspersonen, von denen sie geschlagen wurden, zu emanzipieren. Sie bleiben ein Leben lang in dem negativen und abwertenden Bild gefangen, das die Erwachsenen von ihnen in der Kindheit hatten. Eigene uneingestandene Aggressionen auf erlittenes Unrecht, die nicht ausgesprochen werden und für deren Ursachen ein Mensch keine konstruktiven Lösungen findet, können sich über viele Jahre in Form von wiederkehrenden Trigeminusneuralgien bemerkbar machen. In der psychosomatischen Bearbeitung des Krankheitsbildes geht es deshalb vor allem darum, sich das eigene Entsetzen und Erschrecken über erlittenes Unrecht und die Empfindung individueller Ohnmacht bewusst zu machen. Wer lernt, seine gestauten Aggressionen zu artikulieren, hat den ersten Schritt zur Besserung seiner Beschwerden getan. Selbstbehauptung ist auf diesem Weg ebenso wichtig wie der Verzicht auf Masken und Fassaden in der Kommunikation mit Anderen. Jeder Mensch hat das Recht, seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen und von seiner Mitwelt zu verlangen, sich in angemessener Weise mit ihnen auseinander zu setzen. „Zähneknirschend“ das Leben zu ertragen, ist jedenfalls auf Dauer für niemanden eine Lösung und wird den Schmerzzustand nur verstärken.

Wenn es gelingt, einen besseren Zugang zu den eigenen Empfindungen zu bekommen und diese authentisch zum Ausdruck zu bringen, müssen sich die hinter dem Krankheitsbild versteckten Gefühle nicht mehr über einen Schmerzanfall den Weg nach außen bahnen. Dann kann sich die psychosomatische Besetzung des Mundraumes nach und nach zurückbilden.

Was Sie bei Trigeminusneuralgie selbst tun können

Um den psychischen Ursachen für eine Trigeminusneuralgie auf den Grund zu kommen, kann eine psychotherapeutische oder psychoanalytische Therapie hilfreich sein. Daneben gibt es einige Mittel und Maßnahmen, welche die Anfallshäufigkeit und Schmerzintensität reduzieren können und eine bewährte Soforthilfe darstellen.

Mit Spritzen den Schmerz auflösen

Eine der besten Therapien zur Behandlung einer Trigeminusneuralgie ist die sog. „Neuraltherapie nach Huneke“. Hierbei handelt es sich um eine Injektionstherapie, die den Nerv umstimmt, indem sie ein fast immer vorhandenes Störfeld beseitigt. Dies kann z. B. eine Narbe im Kieferknochen sein, die durch das Ziehen eines Zahns entstanden ist, aber auch eine langjährige chronische Nebenhöhlenentzündung. Die Neuraltherapie nach Huneke wird von vielen Heilpraktikern, aber auch von Ärzten für Naturheilverfahren durchgeführt und braucht meist mehrere Behandlungen. Nicht selten treten die Schmerzen danach nie wieder auf oder verschwinden zumindest für einige Monate und Jahre.

Aus dem Bereich der Orthomolekularen Medizin hat sich die Gabe von Folsäure und einem hoch dosierten Vitamin B-Komplex bewährt, am besten in hypoallergener Form.

Aus dem Bereich der Bachblüten sind die Rescue Remedy-Tropfen oder -Salbe, ferner Agrimony, Cherry Plum, Elm, Impatiens und White Chestnut hilfreich zur Stress- und Schmerzreduktion.

Auch homöopathische Organpräparate wie homöopathisch potenzierter Nervus trigeminus werden von Patienten allgemein als wohltuend empfunden.

Aus der Biochemie nach Schüßler hat sich Calcium phosphoricum D6 als Mittel bei chronischen Fällen sowie Kalium phosphoricum D6 im Wechsel mit Magnesium phosphoricum D6 bei akuten Beschwerden bewährt.

Eine schmerzlindernde Einreibung aus der Aromatherapie ist folgende Rezeptur aus ätherischen Ölen: 5 Tr. Lavendel, 5 Tr. Cajeput, 2 Tr. Wacholder, 1 Tr. Rose und 1 Tr. Melisse in 30 ml Bilsenkrautöl oder 30 ml Johanniskrautöl. Damit werden die schmerzenden Stellen mehrmals täglich zart einmassiert. Eine bewährte Kompresse bei Nervenschmerzen, ebenfalls aus der Aromatherapie, macht man aus 10 Tr. Pfefferminze, 5 Tr. Cajeput, 2 Tr. Wacholder, 1 Tr. Kamille, 1 Tr. Rose in 10 ml Alkohol gelöst und in eine Schale mit 250 ml lauwarmem Wasser gegeben. Damit kann man mehrmals hintereinander ein Wattepad einfeuchten und auf die schmerzende Stelle legen.

Die Pflanzenheilkunde kennt zur Schmerzlinderung bei Neuralgien kühlende Heilpflanzen wie Pfefferminze, Kiefer- und Fichtennadeln – und durchblutungssteigernde wie Rosmarin, Cayennepfeffer und Senfmehl. Der kühlende Effekt verzögert die Schmerzweiterleitung, der durchblutungssteigernde führt zur Ausschüttung von schmerzlindernden Proteinen in der betroffenen Region. Entsprechende Salben oder Kompressen dürfen allerdings nur äußerlich und nur auf intakter Haut angewendet werden.

Ein gutes Basenpulver führt zur Gewebeentsäuerung und wirkt sich darüber schmerzlindernd aus.

Patienten, die von wiederkehrenden Trigeminusschmerzen geplagt werden, haben in ihrem Leben nicht selten ein hohes Maß an psychischer Kälte erleiden müssen. So erstaunt es nicht, dass ihre Schmerzen durch äußere Kälte noch verstärkt werden. Manche Betroffene können im Winter und bei Frost kaum nach draußen gehen, ohne dass ihre Gesichtsschmerzen sofort beginnen, nachdem sie das geheizte Haus nur wenige Minuten verlassen haben. Das Erlebnis von physischer Wärme – als heiße Teil- und Vollbäder oder ansteigende Fußbäder – wirkt bei ihnen ebenso schmerzlindernd wie die Erfahrung von menschlicher Wärme in Form von Empathie durch Familie, Freunde oder einen mitfühlenden Therapeuten.

 

© Margret Rupprecht

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