Nebenhöhlenentzündung

Die Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) oder Stirnhöhlenentzündung betrifft ein komplexes System aus acht Hohlräumen, die mit den Nasengängen verbunden sind und eine wesentliche Rolle für das menschliche Atemsystem spielen. Diese Nasennebenhöhlen sind nicht nur für die Resonanz der Stimme verantwortlich, sondern haben auch eine entscheidende Funktion bei der Filterung, Erwärmung und Befeuchtung der Atemluft. Darüber hinaus tragen sie zur Abwehr von Luftkeimen bei und schützen die unteren Atemwege vor schädlichen Partikeln.
Kommt es zu einer Nebenhöhlenentzündung, können die Schleimhäute anschwellen und die Belüftung der Hohlräume beeinträchtigen, was zu einem Sekretstau und einer verstärkten Infektion führen kann. In vielen Fällen entwickeln sich Beschwerden wie Kopfschmerzen, ein Druckgefühl im Gesicht sowie eine verstopfte Nase, die typisch für eine Kieferhöhlenentzündung oder Stirnhöhlenentzündung sind. Eine akute oder chronische Rhinosinusitis kann zudem die allgemeine Immunabwehr schwächen und die Atemfunktion beeinträchtigen.
Die richtige Behandlung einer Entzündung der Nasennebenhöhlen erfordert eine gezielte Unterstützung des Körpers, um die natürliche Reinigungsfunktion der Schleimhäute wiederherzustellen und die Symptome nachhaltig zu lindern. Hierbei können sowohl schulmedizinische als auch naturheilkundliche Ansätze dazu beitragen, die Nasennebenhöhleninfektion effektiv zu bekämpfen und die Atemwege langfristig zu entlasten.
Während eine akute Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) meist im Rahmen einer Erkältung auftritt und von Fieber, massivem Sekretfluss und Kopfschmerzen begleitet sein kann, macht die chronische Entzündung weniger heftige Symptome und kann unauffälliger verlaufen. Wenn sich keine organischen Ursachen finden lassen, sind manchmal seelische Belastungen die aufrechterhaltende Ursache für die Beschwerden.
Die Symptome einer chronischen Sinusitis können von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich sein: Ein Patient wacht morgens auf und hat jedes Mal ein oder beide Nasenlöcher verstopft. Ein anderer bemerkt, dass ihm im Laufe des Tages Sekret an der Rachenrückwand herunter fließt und hinter dem Zäpfchen regelrechte „Schleimstraßen“ bildet. Wenn die Stirnhöhlen befallen sind, kommt es – vor allem während akuter Schübe der chronischen Grunderkrankung – häufig zu Kopfschmerzen. Für all diese Beschwerden kann es organische Ursachen geben, die zunächst vom Facharzt abgeklärt werden müssen. Dazu zählen beispielsweise ein Schiefstand der Nasenscheidewand mit daraus folgenden Belüftungsstörungen einzelner Höhlen, Wurzelspitzenentzündungen oder andere Herderkrankungen (wurzelbehandelte Zähne) vor allem in den Zahnreihen des Oberkiefers, ferner Dauergebrauch von abschwellenden Nasentropfen oder eine Hausstaubmilbenallergie. Auch Belastungen des Lymphsystems wie chronisch entzündete Mandeln oder Störungen der natürlichen Dickdarmflora können das Ausheilen einer chronischen Sinusitis verhindern. Nasenpolypen bzw. Wucherungen der Nasenmuscheln verlegen bei manchen Patienten die Öffnungen der Nebenhöhlen zur Nase, so dass es zu Belüftungsstörungen kommt. Dann bilden sich Keime in den Höhlen, die eine chronische Entzündung auslösen und aufrechterhalten. In diesen Fällen ist – wie auch bei einem Schiefstand der Nasenscheidewand – eine operative Korrektur der Nasenanatomie erforderlich.
Akute und chronische Nebenhöhlenentzündung (Stirnhöhlenentzündung): Praktische Tipps zur Selbstbehandlung
Bei verstopfter Nase können Nasentropfen oder Nasensprays auf Meersalzbasis für bessere Durchlüftung sorgen. Sie sind gut verträglich, da sie auch bei längerem Gebrauch die Nasenschleimhaut nicht austrocknen. Naturheilkundlich erzielt man gute Erfolge mit Eigenbluttherapie und hochdosierten Vitamin C-Infusionstherapien, durchgeführt vom Heilpraktiker oder Arzt für Naturheilverfahren.
Der Patient kann aber auch zuhause im Bereich der Selbstmedikation viel für sich tun, z. B. eine tägliche Inhalationstherapie durchführen mit dem Inhalationstee nach Dr. Kumpf.
Inhalationstee nach Dr. Kumpf
Lupuli strob., Thymii hb., Absinthii hb., Lavendulae flos, Rosmarini fol.
aa ad 100.0
M. f. spec. „zur Inhalation“
2 El. auf 2 – 3 l kochendes Wasser geben, 5 – 10 Minuten inhalieren
Beschleunigend auf das Ausheilen einer Nasennebenhöhleninfektion wirken tägliche Bestrahlungen der oberen Gesichtshälfte mit einer Infrarotlampe und Nasenspülungen mit Emser Salz oder Meersalz (1 gestrichener Teelöffel Salz auf ¼ l warmes Wasser geben, auflösen lassen, Lösung durch die Nase hochziehen und wieder ausschnauben). Spezielle Nasenspülkännchen, die den Vorgang erheblich erleichtern, gibt es in der Apotheke.
Tägliche temperaturansteigende Fußbäder sorgen ausgehend von den Fußreflexzonen über Reflexwege für eine bessere Durchblutung der Nebenhöhlenschleimhäute (Eine ausreichend große Schüssel mit heißem Wasser vorbereiten und weitere anderthalb Liter im Wasserkocher zum Kochen bringen. Füße in die Schüssel setzen. Die Wassertemperatur sollte so heiß wie möglich sein, dass man sich gerade nicht verbrennt. Wenn das Wasser abkühlt, aus dem Wasserkocher heißes Wasser nachgießen, so dass die Temperatur in der Schüssel über 10 – 15 Minuten immer heißer wird – so weit man es gerade noch ertragen kann. Es gibt – fast – nichts Besseres!)
Aus der Aromatherapie hat sich die tägliche Einreibung der Nase mit einem Nasenöl bewährt:
Nasenöl
Ätherische Öle in folgendem Mengenverhältnis: 1 Tr. Engelwurz, 2 Tr. Cajeput, 2 Tr. Basilikum, 2 Tr. Lavendel
in 30 ml Basisöl einrühren.
Anwendung: etwas Öl mit Wattestäbchen oder mit frisch gewaschenem Finger vorsichtig in die Nasenschleimhäute einreiben
Eine stärkende, entkrampfende und entspannende Ätherischölmischung, die man über Nacht zur Raumbeduftung einsetzen kann, ist die Basilikum-Mischung:
Basilikum-Mischung
Ätherische Öle in folgendem Mengenverhältnis: 10 Tr. Basilikum, 20 Tr. Zitrone, 10 Tr. Fenchel, 10 Tr. Lavendel, 3 Tr. Engelwurz, 2 Tr. Muskatellersalbei
Anwendung: 5 – 7 Tropfen über Nacht in die Duftlampe geben
Von den Schüßlersalzen hat sich die Nr. 4 (Kalium chloratum D6) zum Ausheilen einer chronischen Sinusitis bewährt. Gute Ergebnisse erzielt man auch durch die Gabe von Enzymen, z. B. Wobenzym.
Bei der Ernährung ist auf ballaststoffreiche Vollwertkost mit hohem Frischkostanteil zu achten (5 x täglich Obst und Gemüse). Milch- und Milchprodukte sind bei Nebenhöhlenentzündungen kontraindiziert. Sie fördern die Verschleimung und verstärken die Beschwerden.
Aus dem Bereich der Orthomolekularen Therapie ist eine mehrwöchige bis mehrmonatige Einnahme von Vitamin C, Vitamin A und Zink fördernd auf den Heilungsverlauf.
Aus dem Bereich der Pflanzenheilkunde kann man Urtinkturen aus bakterienhemmenden Heilpflanzen einnehmen wie Zwiebelgewächse (Knoblauch, Bärlauch, Küchenzwiebel), Spitzwegerich (Plantago lanceolata), Kapuzinerkresse (Tropaeolum maius) und Sonnentau (Drosera herba).
Aus der Homöopathie hat sich Luffa operculata D6, zwei mal täglich eine Gabe, bewährt.
Auch balneotherapeutische Anwendungen können das Ausheilen einer Nebenhöhlenentzündung gut unterstützen: Patienten, die sich zu allgemeinen Abhärtungsmaßnahmen wie regelmäßigem Trockenbürsten, Licht- und Luftbädern, täglichen Wechselduschen und wöchentlichen Saunagängen entschließen, werden schon bald eine deutliche Besserung ihrer Beschwerden spüren.
Chronische Nebenhöhlenentzündung (Rhinosinusitis): Seelische Ursachen?
Nicht immer sind anatomische oder immunologische Faktoren für eine chronische Nebenhöhlentzündung verantwortlich. Nicht wenige Sinusitispatienten haben sowohl ihre Nasenscheidewand begradigen lassen als auch eine Zahn- und Darmsanierung durchgeführt – und trotzdem läuft ihre Nase immer noch. Dann muss tiefer geforscht und die seelische Situation des Patienten in den Blick genommen werden.
Der Volksmund drückt den Zusammenhang zwischen dem Organ Nase und der Psyche in sehr anschaulichen Bildern aus: Wenn jemandem etwas stinkt, dann hat er die Nase voll oder ist ziemlich verschnupft. Oft kann er einen Anderen – sei es den Partner oder einen Arbeitskollegen – nicht mehr riechen.
Wenn sich im Leben die Ereignisse gehäuft haben, die einem Menschen eigentlich gegen den Strich gehen, er sich das jedoch nicht ausreichend bewusst macht und die Lebensumstände, die ihn stören, nicht verändert, dann verlagert sich sein seelisches Verschnupftsein auf die Körperebene.
Eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung ohne organischen Befund kann also zu der Frage veranlassen: Welche Lebensumstände sind mir zuwider? Wo habe ich mich auf Dinge eingelassen, die ich im Grunde gar nicht will? Welche Möglichkeiten zur Veränderung bieten sich mir? Gibt es im Beruf oder in der Familie Konflikte, die mich stärker belasten als mir bewusst ist und die mich derart überfordern, dass ich mich schon lange dagegen sträube, mich mit ihnen zu beschäftigen?
Für die Bewältigung seelischer Konflikte ist es nicht nötig, das ganze Leben auf den Kopf zu stellen. Oft reicht es aus, seinem Ärger Luft zu machen und das, was die Seele verstopft, im Gespräch mit Partner, Kindern oder Kollegen endlich zur Sprache zu bringen. Geschieht dies in einer ruhigen, sachlichen, für das Gegenüber auch verständlichen und annehmbaren Weise, sind die meisten Menschen bereit, sich damit auseinanderzusetzen. Dann kann im Zwischenmenschlichen vieles wieder in Bewegung und in Fluss kommen, was zuvor blockiert war. Durch konstruktive Auseinandersetzung, die ohne Vorwürfe und Schuldzuweisungen geführt wird, können sich in der Regel alle Beteiligten weiterentwickeln. Handelt es sich um alte, tiefe Verletzungen oder eingefahrene Reaktionsmuster, aus denen sich ein Patient aus eigener Kraft nicht herausarbeiten kann, ist eine individuelle Gesprächtherapie oder Psychoanalyse hilfreich.
Sinusitis-Patienten sind oft sehr freundliche, anpassungsbereite und aggressionsgehemmte Menschen, die zu viel Rücksicht auf die Interessen Anderer nehmen und ihre berechtigen Eigeninteressen zu wenig durchsetzen. Oft finden sich Begleitsymptome wie nächtliches Zähneknirschen, Tinnitus und Trigeminusneuralgien. Die seelischen Spannungen aus ungelösten seelischen Konflikten können im wahrsten Wortsinn nur zähneknirschend ertragen werden, was über den Trigeminusnerven nicht nur die Nebenhöhlen, sondern auch Ohren- und Kopfnerven irritiert. In der psychosomatische Medizin nennt man diesen Beschwerdekomplex Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD). Die Seele in den Fokus zu nehmen und ihren Bedürfnissen mehr Beachtung zu schenken, ist in diesen Fällen bereits die halbe Therapie.
© Margret Rupprecht
