Bitterstoffe

Sie aktivieren den Verdauungstrakt, aber auch Herz und Kreislauf, Gehirn- und Nervensystem, Immunsystem und die Säure-Basen-Balance: Bitterpflanzen. Kulturübergreifend werden Heilpflanzen mit einem hohen Bitterstoffgehalt als universelle Heilmittel geschätzt. Das gilt für die traditionelle abendländische Naturheilkunde von Hippokrates über Hildegard von Bingen und Paracelsus bis zur modernen Phytotherapie ebenso wie für die Indianermedizin und die Traditionelle Chinesische Medizin. Letztere ordnet den bitteren Geschmack dem Herzen und dem Gefühl der Freude zu: Bekommt der Organismus Bitterstoffe, freut sich der Mensch!

 Die Pflanzenheilkunde unterscheidet drei Gruppen von Bitterstoffen: Reine Bittermittel (Amara tonica bzw. Amara pura), Bitterstoffpflanzen mit ätherischen Ölen (Amara aromatica) und bittere Heilpflanzen mit Scharfstoffen (Amara acria). Amara pura wie z. B. der Gelbe Enzian enthalten die höchsten Bitterwerte und besitzen die stärksten Wirkungen hinsichtlich der Sekretionssteigerung im Verdauungstrakt und der allgemeinen Stärkung. Amara aromatica wie z. B. das Benediktenkraut bewirken ebenfalls eine Anregung der Verdauungssäfte, können aufgrund ihres Ätherischölgehalts aber auch Krämpfe lösen, Entzündungen reduzieren und Parasiten (Würmer) bekämpfen. Amara acria, zu denen unter anderem Ingwer, Galgant, Kardamom und Zitwer zählen, wirken zusätzlich auch zusammenziehend. Der Begriff Bitterstoffe bezeichnet keine chemisch einheitliche Gruppe, sondern lediglich bitter schmeckende Substanzen. Zu ihnen gehören zahlreiche Vertreter aus den Stoffgruppen der Glycoside, Isoprenoide und Alkaloide. Einzelne Bitterstoffe sind z. B. das Cynarin aus der Artischocke, Glucosinolate aus dem Rüböl oder Naringin aus Grapefruits. Auch viele Heilpflanzen, die nicht ausdrücklich als Bitterpflanzen bekannt sind, können Bitterstoffe enthalten.

 

Reine Bitterpflanzen
(Amara tonica / Amara pura)
Bitterpflanzen mit ätherischen Ölen
(Amara aromatica)
Bittere Heilpflanzen mit Scharfstoffen
(Amara acria)
Gelber Enzian

Andorn

Tausendgüldenkraut

Bitterklee

Chinarinde

Afrikanische Teufelskralle

Benediktenkraut

Engelwurz

Löwenzahn

Schafgarbe

Beifuss

Wermut

Pomeranzenschale

Ingwer

Kalmus

Galgant

Kardamom

Zitwer

 

 

Universalheilmittel der Naturheilkunde

Das Wirkungsspektrum von Bitterstoffen ist von einer schier unglaublichen Bandbreite. Das wusste bereits die Klostermedizin, als sie für ihr Elixier ad longam vitam („Elixier für ein langes Leben“) eine Tinktur aus Engelwurz, Enzianwurzel und anderen Bitterkräutern zusammenbraute.

Wie wirken Bitterstoffe? Der bittere Geschmack löst einen reflektorischen Reiz auf die Speicheldrüsen im Mund aus. Die Speichelabsonderung erhöht sich. Über Nervenfasern wird der Reiz zu Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse, Dünn- und Dickdarm weitergeleitet und führt dort ebenfalls zu einer verstärkten Sekretion von Schleim und Verdauungssäften sowie zur Anregung der Peristaltik. Die Schleimhäute des Verdauungstraktes werden durch Bitterstoffe in ihrer Durchblutung angeregt und daher feuchter.

Über den Verdauungstrakt wirken Bitterstoffe auch auf das vegetative Nervensystem – und zwar auf Sympathikus und Parasympathikus in gleicher Weise: Über den Sympathikus regen sie den Kreislauf an und verbessern die Durchblutung. Über den Parasympathikus sorgen sie für Beruhigung und Entspannung. Weshalb eine Tasse Bitterstofftee jeder Tasse Kaffee vorzuziehen ist: Bitterstoffe putschen nicht auf, sondern verfügen über die erstaunliche Fähigkeit, gleichzeitig anzuregen und zu entspannen!

„We are not what we eat – we are what we absorb“ (Hannelore Fischer-Reska). Über die Anregung der Sekretion von Verdauungssäften sorgen Bitterstoffe für eine verbesserte enzymatische Aufspaltung von Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten im Darm und erleichtern die Aufnahme von Glukose, Fettsäuren und Aminosäuren, aber auch von Vitaminen und Spurenelementen über die Darmschleimhaut. Die Versorgung des Körpers mit diesen Substanzen wird kräftig verbessert. Über eine Anregung des sogenannten gastrokolischen Reflexes aktivieren Bitterstoffe die Darmperistaltik und erleichtern den Stuhlgang – ein Effekt, der von Patienten mit Verstopfungsneigung sehr geschätzt wird. Die Anregung der Peristaltik steigert über einen regelmäßigen Stuhlgang das Wohlbefinden und gleichzeitig auch die Entgiftungsleistung des Darms. Mit Bitterpflanzen lässt sich ferner eine aktive Entsäuerung durchführen: indem sie die sog. basophilen Drüsen aktivieren, sorgen sie für körpereigene Basenreserven, die überschüssige Säuren neutralisieren und ausscheiden helfen.

Doch Bitterstoffe können noch mehr: Sie regen die körpereigene Abwehr an, unterstützen Gewichtsreduktion und Erhaltung des Idealgewichts und sind eine verträgliche, nebenwirkungsfreie Anti-Aging-Therapie.

Bitterstoffe verbessern die Abwehrkraft

Etwa 80 % der körpereigenen Abwehr ist auf der Darmoberfläche angesiedelt, deren Gesamtfläche auf ca. 200 Quadratmeter geschätzt wird. Ist diese Oberfläche mit Umweltgiften und Kotresten belastet, mit Pilzen oder Parasiten besiedelt und überdies noch ziemlich trocken, ist auch das Immunsystem dadurch nur eingeschränkt funktionsfähig. Bitterstoffe dagegen machen den Darm sauber, geschmeidig, beweglich und feucht, beschleunigen die Verdauung, die Ausscheidung von Kotresten und toxischen Substanzen – und entlasten darüber auch das Darmimmunsystem gewaltig. Infekte, Entzündungen, Allergien und Autoimmunprozesse können durch eine Bitterstofftherapie gelindert und nicht selten völlig ausgeheilt werden. Täglich zwei Tassen Bitterstofftee haben auch schon manchen Krebspatienten mit kritischer Prognose zu erstaunlichen Verbesserungen ihrer Blutwerte und einer ebenso erstaunlichen Überlebenszeit verholfen, weshalb die Verschreibung von Bitterstoffen in der naturheilkundlichen Begleittherapie von Karzinomerkrankungen durchaus zu empfehlen ist.

Bitterstoffe unterstützen das Schlankwerden und das Schlankbleiben

Bitterstoffe in Lebensmitteln wirken wie eine natürliche Essbremse und unterstützen den Erhalt der schlanken Figur. Sie führen zu einem schnelleren Sättigungsgefühl und reduzieren den Heißhunger auf Süßes. Vor einigen Jahren wurde eine Rapssorte angebaut, aus der man gezielt die Bitterstoffe herausgezüchtet hatte. Rehe, die von diesem Raps gefressen hatten, verendeten kläglich, weil sie regelrecht geplatzt waren. Sie hatten sich überfressen, weil dem Raps mit den Bitterstoffen auch die natürliche Essbremse entzogen worden war.

Bitterstoffe verlangsamen den Alterungsprozess

Und nicht zuletzt: Eine regelmäßige Anwendung von Bitterstoffen, am besten als Tinktur oder als Tee, ist die natürlichste Anti-Aging-Therapie, die man sich vorstellen kann: Bitterpflanzen kräftigen, aktivieren und regulieren Verdauung, Herz und Kreislauf, Blutgefäße, Haut und Gewebe, wirken blutbildend, entzündungshemmend und beschleunigen den Zellaufbau. Wer bis ins hohe Alter geistig und körperlich fit bleiben will, sollte spätestens ab fünfzig täglich eine Tasse Bitterstofftee trinken – one cup a day keeps the doctor away!

 

© Margret Rupprecht

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