Sonnenbrand, Sonnenstich und Hitzschlag

Stadtkinder sind stärker gefährdet als Landkinder, Blondhaarige mehr als Braunhaarige: je weniger Möglichkeiten Kinder im Alltag haben, um draußen zu spielen, und je hellhäutiger sie sind, desto gefährdeter ist ihre Haut für einen Sonnenbrand. Heute mehr denn je, weil sich die schützende Ozonschicht in der Atmosphäre in den vergangenen Jahrzehnten ausgedünnt hat und die schädigenden UV-Strahlen nicht mehr so stark ausfiltert wie in früheren Zeiten.

Kinder brauchen nicht nur im Urlaub einen Sonnenschutz. Auch wenn sie daheim auf den Spielplatz oder zum Fußballspielen gehen, sollten sie die unbedeckte Haut im Hochsommer mit einer leichten Sonnencreme einreiben. Grundsätzlich lautet die Regel: Je kleiner die Kinder sind oder je länger der geplante Aufenthalt an der Sonne dauert, desto höher sollte der Lichtschutzfaktor (LSF) sein. Bei Babys empfiehlt sich ein LSF 20 bis 30. Geht ein Achtjähriger für zwei Stunden zum Fußballspielen und ist schon leicht vorgebräunt, genügt ein LSF 12.

Zuviel Sonne kann Kinder auf dreierlei Weise schädigen: Sie kann einen Sonnenbrand auf der Haut verursachen oder das Gehirn überhitzen: In leichteren Fällen entwickelt sich dann ein Sonnenstich. Kann dieser nicht mehr kompensiert werden, kommt es zum Hitzschlag. Alle drei Formen sind gut zu unterscheiden.

Symptome von Sonnenbrand

Beim klassischen Sonnenbrand (Dermatitis solaris) handelt es sich um eine Entzündung der Haut als Folge übermäßiger ultravioletter Strahlung. Anfangs empfinden auch Kleinkinder die Sonne auf der Haut als angenehm und genießen es, nackt oder nur mit Badehöschen draußen zu sein. Das sog. Hitzeerythem, eine Rötung der Haut unter Sonneneinwirkung, setzt aber schon unmittelbar nach einer Erhitzung der Haut über 38 Grad ein. Gehen Kinder dann rechtzeitig in den Schatten, verschwindet das Hitzeerythem nicht sofort, sondern erst nach ein bis zwei Stunden. Die zweite Stufe des Sonnenbrands, das sog. Ultravioletterythem, ist eine Hautrötung, die erst nach einer Latenzperiode von ein bis zwei Stunden einsetzt. Die Haut ist heiß und brennt, in schweren Fällen kann sie sogar Blasen bilden, später beginnt sie sich zu schälen. Ein Sonnenbrand ist keine vorübergehende Schädigung, die nach ihrem Abklingen erledigt ist: Neben den akuten Hautschäden kann eine Überdosis Sonnenstrahlen auch Spätschäden hervorrufen: Bindegewebsdegenerationen, Hautkrebsvorstadien, Lichtwarzen und Hauttumoren: die Neigung zu Spätfolgen ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und stark von seiner Fähigkeit abhängig, Melanin zu bilden. Das Risiko, später an Hautkrebs zu erkranken, steigt mit jedem Sonnenbrand. Das Verbot von FCKW hat zwar dazu geführt, dass sich die Ozonschicht in der Atmosphäre seit einigen Jahren wieder aufbaut, doch schätzen Experten, dass sie erst um 2050 ihre frühere Dichte erreichen wird. Das bedeutet: wir müssen Kinder noch lange für die Gefahren des Sonnenlichts sensibilisieren und sie anhalten, insbesondere im Hochsommer nicht längere Zeit ohne Sonnenschutz im Freien zu spielen.

Erste Hilfe bei Sonnenbrand

Einen Sonnenbrand behandelt man am besten mit kalten Kompressen. Sie kühlen die gespannte, gerötete Haut und lindern die Reizung. Eltern und Betreuer sollten stets eine Tube kühlendes Wund- und Brandgel sowie eine Hautsalbe, z. B. mit Calendula (Ringelblume) oder Hamamelis (Zaubernuss), in ihrer Haus- und Reiseapotheke bereit halten. Das Gel wird bei akutem Sonnenbrand aufgetragen, die Salbe später zur Nachbehandlung der verbrannten Partien eingesetzt. Je rascher und konsequenter die Haut behandelt wird, desto geringer ist das Risiko für einen späteren Hautkrebs. Im Freien müssen die verbrannten Hautpartien nun abgedeckt werden, im Haus lässt man sie am besten offen, damit Luft an die Haut kommt und sich eine schützende Kruste bilden kann. Gegen die Schmerzen helfen kalte Kompressen, z. B. mit gekühlter Milch: Man mischt vier Teile sehr kaltes Wasser mit einem Teil Magermilch und legt noch 1 – 2 Eiswürfel hinzu. Mit dieser Mischung tränkt man eine Kompresse und legt diese für eine viertel bis halbe Stunde auf die verbrannte Haut – allerdings nur, wenn diese intakt ist und sich noch nicht geöffnet hat. Diese Behandlung wird alle zwei bis vier Stunden wiederholt, bis die Rötung sichtbar nachlässt.

Symptome beim Sonnenstich

Viel häufiger als Erwachsene holen sich Kinder nicht nur einen Sonnenbrand, sondern auch einen Sonnenstich (Insolation). Er entsteht, wenn durch Schwitzen zu viel Körperflüssigkeit verloren geht und der Körper durch übermäßige Sonneneinstrahlung und Überanstrengung überhitzt. Wenn Kinder herumtoben, kann die Körpertemperatur über 38 Grad Celsius ansteigen. Das ereignet sich recht schnell, z. B. an einem Tag am Strand oder während einer hochsommerlichen Wanderung oder Sportveranstaltung im Freien. Kleine Kinder sind besonders sonnenstichgefährdet, weil ihr großer und noch spärlich behaarter Kopf im Vergleich zum kleinen Körper überdurchschnittlich viel Sonne abbekommt. Babys und Kleinkinder sollten im Sommer immer ein Mützchen tragen, um die Überhitzung des Kopfes gar nicht erst zu riskieren.

Beim Sonnenstich wird das Gehirn zu heiß. Die Kinder klagen über Schwindel und Übelkeit, werden blass und klamm, zeigen leichte Schocksymptome (schneller Puls, Muskelkrämpfe) und reagieren häufig mit Kopfschmerzen und innerer Unruhe. Jetzt ist Kühlung angesagt: den Kopf bedecken, in den Schatten gehen, ausruhen und viel trinken. Manchmal treten die Beschwerden aber auch erst einige Stunden nach dem Aufenthalt im Freien auf.

Erste Hilfe beim Sonnenstich

Ein Sonnenstich ist keine ernste Gefährdung, wenn Eltern ihn früh erkennen und sogleich Gegenmaßnahmen ergreifen: Man legt das Kind mit leicht angehobenen Beinen in einen kühlen Raum, zieht es aus und wäscht seinen Körper mit lauwarmem Wasser. Die Kühlung von Kopf und Nacken ist besonders effektiv. Ein Eisbeutel kann allerdings bei direkter Berührung die Haut schädigen und Schmerzen verursachen. Dies lässt sich verhindern, wenn man ein kleines Frotteetuch herumwickelt, bevor man ihn auflegt. Man sollte dem kleinen Patienten reichlich zu trinken geben und jedem Liter Flüssigkeit fünf Gramm Salz (1 Teelöffel) hinzusetzen. An sehr heißen Tagen, wenn das Abkühlen auch im Haus schwer fällt, sollte man einen Ventilator im Raum laufen lassen. Zur Sicherheit misst man alle halbe Stunde die Temperatur, bis diese deutlich auf 37 Grad Celsius zurückgegangen ist. Innerhalb einer Stunde sollte sich ein Kind von seinem Sonnenstich erholt haben.

Symptome beim Hitzschlag

Gelingt die Abkühlung nicht, d. h. das Kind bleibt heiß und seine Haut trocken, liegt ein Hitzschlag (Hyperthermiesyndrom) vor, bei dem das abkühlende Schwitzen blockiert ist. Der Körper kann die notwendige Schweißproduktion nicht mehr erbringen und deshalb keine Verdunstungskälte erzeugen. Ein Kind ist jetzt erkennbar hilfsbedürftig, reagiert benommen und kann sich nur taumelnd vorwärts bewegen. Die Übergänge zwischen einem starken Sonnenstich und einem Hitzschlag sind fließend: Wenn Kinder nach längerer Sonneneinstrahlung Bewusstseinsstörungen zeigen oder ohnmächtig werden, liegt immer ein Hitzschlag vor. Beim leisesten Verdacht sollten Eltern sofort den Notarzt rufen (Notarzt-Telefonnummer: 112).

Erste Hilfe beim Hitzschlag

Ein bewusstloses Kind wird bis zum Eintreffen des Arztes in stabiler Seitenlage gelagert, Puls und Atmung kontrolliert. Sollten sie ausfallen, muss sofort mit Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden, bis das Rettungsteam eintrifft.

Ein Hitzschlag kann aber auch vorliegen, wenn das Kind noch bei Bewusstsein ist. Im Unterschied zum Sonnenstich sind jetzt nicht nur sein Kopf, Nacken und Hals heiß; alle Hautbereiche am ganzen Körper sind überwärmt, gerötet und trocken.

Ist das Kind ansprechbar, sollte es möglichst viel trinken. Abkühlend wirken auch hier das Zufächeln von Luft, z. B. durch einen Ventilator, und das großflächige Auflegen von feuchten Tüchern. Ein Kind mit Hitzschlag darf man nie allein lassen, da jederzeit die Gefahr besteht, dass es ohnmächtig werden kann.

Kaltes Armbad nach Sebastian Kneipp

Stark abkühlend bei Sonnenstich und Hitzschlag wirkt das sog. Kalte Armbad nach Sebastian Kneipp: In eine ausreichend große Wanne oder ein größeres Waschbecken, welches das Eintauchen der Arme bis knapp unter die Achsel ermöglicht, füllt man kaltes Wasser mit einer Temperatur von nur zehn bis fünfzehn Grad. In dieses kalte Wasser werden die Arme mehrmals für zehn bis dreißig Sekunden eingetaucht. Dies führt nicht nur zu einer örtlichen Anregung der Blutzirkulation, sondern wirkt intensiv abkühlend auf den ganzen Körper. Die Kälte des Wassers wird von den Armvenen über das Herz nach und nach in die übrigen Körperbereiche transportiert.

Hilfe aus der Apotheke

Für die Behandlung von Sonnenschäden halten Apotheke und Naturmedizin einige Hilfen bereit: Wer Kinder hat, sollte gerade im Sommer immer eine große Tube Wund- und Brandgel zur Hand haben, außerdem eine gute Hamamelis- und Calendula-Salbe zur Nachbehandlung. Auch einige Flaschen eines hochwertigen isotonischen Getränks sind hilfreich. Sie sorgen bei Sonnenstich und Hitzschlag für die Zufuhr einer schnell resorbierbaren Flüssigkeitsmenge und können Wasserverluste, die durch starkes Schwitzen entstanden sind, rasch ausgleichen.

Die Orthomolekulare Medizin hat entdeckt, dass Para-Aminobenzoesäure (PABA) ein wirksamer äußerer Sonnenschutz ist. PABA ist in der Lage, UV-Licht intensiv zu absorbieren. Es ist ein wichtiger Bestandteil von Sonnenschutzmitteln, eignet sich aber auch in entsprechenden Cremes zur Schmerzlinderung nach dem Sonnenbrand.

Zur Nachbehandlung der Hautschäden empfehlen sich auch Kompressen mit verdünnter Urtinktur von Viola tricolor (Stiefmütterchen), im Verhältnis 1 : 10 mit Wasser vermischt. Zusätzlich jeden Tag fünf bis zehn Tropfen dieser Urtinktur ein bis zwei Wochen lang über den Mund eingenommen, unterstützen die Hautregeneration auch von innen.

Am besten ist es, wenn Haut und Gehirn von Anfang an effektiv gegen zu viel Sonne und Hitze geschützt werden: Kein Kindersommer ohne Sonnencreme, Mützchen, Baseballkappe und eine gut gefüllte Trinkflasche!

© Margret Rupprecht

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