Lippenherpes

Geküsster Mund wird nicht wund.“ Das Sprichwort weist auf den engen Zusammenhang zwischen (Mund)Gesundheit und harmonischen Beziehungen hin, denn der Kuss ist ein Symbol für liebevolles Zugewandtsein und gegenseitiges Vertrauen. Wer sich im Zusammensein mit Anderen wohlfühlt und sagen kann, was er fühlt und denkt, stärkt damit auch sein Immunsystem. Doch wenn der Mund wund wird, z. B. durch unansehnliche Herpesbläschen (Herpes labialis), ist dies nicht nur ein Anzeichen für eine kurzzeitige Abwehrschwäche, sondern kann manchmal auch auf eine seelische Blockade hinweisen, die sich am besten durch Bewusstmachung und Bearbeitung ihrer Ursachen überwinden lässt.

Ursachen und Symptome von Lippenherpes

Es juckt, kribbelt und spannt meist ausgerechnet dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann: Eine ausbrechende Herpes simplex-Infektion an der Lippe oder auf der Mundschleimhaut, im Volksmund Fieberblasen genannt, entwickelt sich oft in Zeiten erhöhter seelischer Anspannung. Die Aufregung vor einem wichtigen Termin oder einer Reise, Prüfungsstress, die bevorstehende Menstruation oder Ärger am Arbeitsplatz – es gibt viele Auslöser für das Entstehen einer kurzfristigen Schwächung des Immunsystems, das von den Herpes simplex-Viren sogleich „genutzt“ wird, um eine kleine Entzündung im Lippenbereich oder im Mundraum in Gang zu setzen. Auch während einer Erkältung, bei und nach starkem Sonnenbaden oder durch Verdauungsstörungen kann ein Herpes labialis akut werden. Es entstehen kleine Bläschen mit einem zunächst durchsichtigen Inhalt, der sich nach und nach eintrübt. Die Bläschen trocknen bräunlich ein und bilden Borken, die nach einigen Tagen abfallen. Im Normalfall sind die Spuren des Entzündungsschubs nach zehn Tagen verheilt und hinterlassen keine Narben.

Fast jeder Mensch ist mit Herpes-simplex-Viren infiziert, doch haben die meisten Virusträger eine so robuste Abwehr, dass sie die Erreger in Schach halten können. Die Fieberblasen sind ansteckend, für Menschen mit einem guten Immunsystem jedoch keine Gefahr. Wer an einer akuten Infektion leidet, sollte sich aber von Kleinkindern, alten Menschen, Organtransplantierten und Menschen mit Immunschwächekrankheiten fernhalten.

Seelische Aspekte bei Lippenherpes

In der psychosomatischen Medizin steht der Mund symbolisch für die Genusssphäre und für das Thema Kommunikation. Der Volksmund spricht vom Kuss- und Schmollmund bzw. davon, dass man jemanden entweder gefressen hat oder zum Fressen gern hat. Der eine ist nicht auf den Mund gefallen, der andere hat wieder einmal eine auf´s Maul bekommen. Aufnahme und Einverleibung sowie Ausdruck und Artikulation sind die beiden großen Themen des Mundorgans. Von diesem Punkt aus lässt sich ein vertieftes Verständnis für die seelischen Ursachen von Lippenherpes entwickeln.

Fieberblasen können entstehen, wenn in der Partnerschaft Konflikte auftreten, aber nicht angesprochen und gelöst werden. Es gibt nichts Geeigneteres, um Küsse und Intimitäten abzuwehren, als Herpesbläschen auf der Lippe. Das ist auch ein Grund, warum nicht wenige Frauen die Symptome gerne an den Tagen vor und während der Menstruation entwickeln. Wenn der Eisprung vorüber ist, wollen sich manche Frauen für einige Tage als Sexualpartnerin zurückziehen und mit der anstehenden Blutung gewissermaßen ihre körperlichen Verhältnisse neu ordnen. In dieser Zeit sind viele Frauen erotisch nicht ansprechbar, leiden an sexueller Unlust, können dies aber oft nicht verbalisieren und entsprechend durchsetzen. Die typischen Symptome des Prämenstruellen Syndroms – schmerzende Brüste, Verstopfung, angeschwollener Bauch – nehmen vielen Frauen die Lust auf Sex, was beim Partner jedoch oft auf Unverständnis stößt. Wenn eine Frau dann nicht bei sich bleibt und Nein sagt, nimmt der Körper ihr diese Arbeit ab und hält sich den Partner im wahrsten Sinne des Wortes mit unschönen Herpesbläschen vom Leib. Wenn frau das in Zukunft vermeiden will, sollte sie ruhig mutiger eine Lippe riskieren und Nein sagen, wenn sie Nein meint. Gesundheit ist wesentlich davon abhängig, in Übereinstimmung mit den eigenen Gefühlen zu leben. Das kostet ein wenig Kraft und Mut, doch der Körper dankt es, indem er gesund bleibt.

Herpesbläschen lassen sich als eine besondere Form von „Sprechblasen“ verstehen: dem Betroffenen schwillt die Lippe, er spricht aber nicht mit Worten, sondern mit Krankheitssymptomen. Statt schäumend vor Wut zu sagen, was er fühlt, bekommt er Schaum vor den Lippen in Form von eitrigen Bläschen. Nicht ausgesprochene Abgrenzung ist die tiefere seelische Ursache für dieses Krankheitsbild. Da ist Bewusstmachung angesagt: Welches Verhalten von Menschen in meiner Familie oder am Arbeitsplatz ist mir unangenehm, so dass ich eigentlich das Gespräch suchen müsste, um die Situation zu klären und meine Bedürfnisse zum Ausdruck zu bringen? Gegen welche Konfliktpunkte in meinem täglichen Leben habe ich solch eine Abwehr, dass ich sie lieber beiseite schiebe und verdränge, statt mich aktiv mit ihnen auseinander zu setzen? Das vermeintlich Unaussprechliche auszusprechen, ist ein wichtiger Schritt zur Heilung. Menschen, die immer wieder unter Lippenherpes leiden, können durch Arbeit an ihrer Konfliktfähigkeit dem Krankheitsbild seinen psychosomatischen Boden entziehen und die Zahl der akuten Ausbrüche verringern.

Selbsthilfe bei Lippenherpes

Austrocknend und desinfizierend wirken sog. Schüttelmixturen aus der Apotheke. Sie beschleunigen die Abheilung der Bläschen. Aus der Phytotherapie gibt es nicht viele Pflanzen, die sich für die Behandlung des Herpes simplex eignen, mit einer Ausnahme: Melissenblätterextrakt (Melissae folium extractum). Dieser kann vorbeugend und heilend in Salbenform oder als Tinktur aufgetragen werden, z. B. vor stärkerer Sonneneinstrahlung am Strand oder bei Ski- und Wandertouren im Hochgebirge. Die Melisse verfügt über virushemmende Wirkungen und reduziert die Vermehrung von Herpes simplex-Viren in der Haut. Außerdem besitzen Melissengerbstoffe antientzündliche und zusammenziehende Wirkungen.

Zur Soforthilfe bei schon entwickelten Bläschen eignet sich das zwei bis vier mal täglich durchgeführte Betupfen der befallenen Region mit einem Wattestäbchen, das zuvor in Melissen-Urtinktur getränkt wurde.

Zur Vorbeugung bei noch gesunder Lippenhaut gibt man 1 – 3 Tröpfchen Melissen-Urtinktur in die Tages- und Nachtcreme, mit der man morgens und abends die Lippenregion pflegt, und massiert die Mischung kräftig in die Lippen und die umgebende Haut ein.

©  Margret Rupprecht

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