Kniegelenksarthrose

Für die Entstehung einer Kniegelenksarthrose gibt es zahlreiche Ursachen. In vielen Fällen entsteht eine arthrotische Erkrankung der Kniegelenke ohne erkennbare Ursache, in anderen Fällen lässt sich das Entstehen des Krankheitsbildes auf konkrete Gelenkbelastungen zurückführen.

Ursachen einer Kniegelenksarthrose

Zu den konkreten Gelenkbelastungen zählen beispielsweise frühere gelenknahe Knochenbrüche, Verrenkungen, nicht behandelte Meniskusrisse, Gelenkchondromatose, rheumatische Gelenkentzündungen oder die häufig vorkommende Gelenkfehlbelastung durch X- oder O-Beine, die sich mit zunehmendem Lebensalter durch Bänderlockerung verstärken kann. Jahrelange Fehl- und Überbelastung des Gelenks durch falsche Technik in Beruf oder Sport, eine vorwiegend stehende Tätigkeit oder Übergewicht können im Laufe der Jahrzehnte ebenso eine Kniegelenksarthrose nach sich ziehen wie außerhalb des Kniegelenks gelegene Ursachen. So kann eine Schuppenflechte über die sog. Psoriasis-Arthritis ebenso zur Kniegelenksarthrose führen wie eine chronische Säurebelastung der Gelenke als Folge von langjährige Fehlernährung, chronisch erhöhten Harnsäurewerten und Gicht.

Ab dem 70. Lebensjahr lassen sich bei fast jedem Menschen arthrotische Gelenkveränderungen feststellen, und zwar ohne vorangegangene Gelenkbelastung.

Das „Alter“ als Krankheitsursache? Eine gewisse Knorpel- und Knochenabnutzung ist in der zweiten Lebenshälfte durchaus normal. Altern ist ein Vorgang, der untrennbar mit degenerativen Prozessen verbunden ist. Die Gewebedurchsaftung wird geringer – auch im Bereich des Gelenkknorpels. Im Gelenkspalt nimmt die Bildung von Gelenkschmiere ab, die beiden Knorpelschichten von Gelenkkopf und Gelenkpfanne reiben härter auf einander, Auffaserungsprozesse nehmen ihren Lauf. Das macht eine mehrgleisige Therapie erforderlich, denn der Knorpel ist so gut durchsaftet und ernährt wie der „restliche“ Mensch. Der Zustand eines Gelenks kann nicht isoliert vom Gesamtorganismus betrachtet und therapiert werden. Das hat auch etwas Gutes: Ganzheitliche Behandlungsansätze führen meist zu deutlicher Verbesserung der Beschwerden.

Symptome einer Kniegelenksarthrose

Im Anfangsstadium macht eine Kniegelenkarthrose nur gelegentlich Beschwerden. Typisch sind Anlaufschmerz und Belastungsschmerz. Mit Anlaufschmerz bezeichnet man die Schmerzen, die beim Aufstehen nach einer Ruhepause auftreten. Sie sind besonders am Morgen bei den ersten Bewegungen des Tages zu spüren. Der Anlaufschmerz legt sich nach einer Weile und wird von einer relativ schmerzfreien Phase abgelöst. Je nach Schweregrad der Erkrankung kommt es nach einer kürzeren oder längeren Weile zum Belastungsschmerz, der als Folge der längeren Gelenkbeanspruchung auftritt. Die Leistungsfähigkeit des Gelenks ist erschöpft, die Produktion der Gelenkflüssigkeit reicht nicht mehr aus, um Kopf und Pfanne noch länger und ausreichend zu „schmieren“. Der Belastungsschmerz tritt irgendwann im Laufe des Tages auf. Dann ist es gut, wenn man sich für eine Weile hinsetzt, um dem Kniegelenk etwas Erholung zu gönnen.

Bei der fortgeschrittenen Kniegelenksarthrose werden die Beschwerden chronisch. Es gibt kaum noch schmerzfreie Phasen, was für die Betroffenen eine große physische und psychische Belastung darstellt. Das Gelenk wird sehr wetterfühlig, versteift zusehends und ist in seinem Bewegungsumfang deutlich beschränkt, was zu Fehlhaltung und Muskelverkürzung führt. Durch die Schonung schrumpft die Muskulatur des Oberschenkels. Später kommt es zur Entwicklung der „gereizten“ Arthrose mit Gelenkschwellung und Gelenkerguss durch die wiederkehrend entzündete Gelenkinnenhaut. Der arthrotische Prozess wird arthritisch, der zuerst degenerative Prozess wird nun zu einem akut entzündlichen. Die Reizschübe treten zunächst selten auf, kommen dann aber immer häufiger. Das Kniegelenk braucht länger, um sich zu erholen. Die reizfreien Intervalle verkürzen sich, die Belastungssensibilität nimmt zu. Treppensteigen und Bergabgehen lösen Schmerzen aus und das Kniegelenk erscheint dem Patienten als zunehmend instabil. Das Spätstadium einer Arthrose ist meist nur noch durch den Einsatz eines künstlichen Kniegelenks zu „behandeln“. Operative Eingriffe können eine drohende oder zunehmende arthrotische Gelenkdeformierung verhindern, dienen der Schmerzbekämpfung und stellen die Gebrauchsfähigkeit des Gelenks wieder her. Der prothetische Gelenkersatz erfordert jedoch große Eingriffe und ist nicht immer unproblematisch. Implantatlockerungen sind dank verbesserter Operationstechniken zwar deutlich seltener als früher, kommen jedoch immer wieder vor.

Praktische Tipps bei Kniegelenksarthrose

Eine arthrotische Gelenkerkrankung lässt sich nicht heilen im Sinne einer vollständigen Wiederherstellung der früheren Gelenkgesundheit. Jedoch können Patienten den degenerativen Prozess viele Jahre aufhalten, wenn sie von Anfang an konsequent entgegensteuern. Auf diesem Weg bietet die Naturheilkunde zahlreiche Hilfen:

Die Gelenkregeneration mit Komplexhomöopathie anregen

Für die Knorpelregeneration und die Reduzierung arthrotischer Beschwerden hat sich seit langem die Kombination folgender homöopathischer Einzelmittel bewährt: Acidum silicicum, Acorus calamus, Alchemilla vulgaris, Calcium carbonicum Hahnemanni, Calcium phosphoricum, Equisetum arvense, Ilex aquifolium und Symphytum. Vor allem, wenn man diese acht Einzelhomöopathika kombiniert in einem Präparat einnimmt, also als sogenanntes Komplexhomöopathikum, verstärken und ergänzen sich ihre Wirkungen in besonders effektiver Weise, regen sie die Bildung der Gelenkschmiere an, machen das Gelenk wieder etwas belastbarer und reduzieren die Schmerzen. Dies ist allerdings ein Prozess, der ein bisschen Geduld braucht. Bewährt haben sich mehrmonatige oder wiederholte mehrwöchige Kuren über mehrere Jahre, um in Verbindung mit weiteren Therapiemaßnahmen eine maximal noch mögliche Gelenkregeneration zu erreichen und das weitere Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Den Körper regelmäßig entsäuern

Viele Patienten mit Arthrose weisen deutliche Übersäuerungszeichen auf. Harnsäure wird bei Überschreitung der Löslichkeitsgrenze vorwiegend im Knorpel abgelagert. Knorpel hat einen verlangsamten Stoffwechsel und wird daher vom Organismus gern als „Mülldeponie“ benutzt. Jede Arthrosetherapie braucht deshalb immer eine begleitende Entsäuerungstherapie. Neben der Gabe eines Basenpulvers auf Citratbasis ist eine längerfristige Einnahme des homöopathischen Mittels Colchicum D12 (als Tropfenpräparat) als Begleittherapie sehr zu empfehlen. Die Heilpflanze Colchicum (Herbstzeitlose) reduziert, homöopathisch potenziert, die Harnsäure, wirkt reinigend und befeuchtend auf die Gelenkinnenhäute und reduziert Reizzustände im Gelenkbereich. Auch hier ist eine mehrwöchige bis mehrmonatige Behandlung mit etwa 2 – 3 x täglich 5 Tropfen erforderlich. Bei stark übersäuerten Patienten ist die zusätzliche Einnahme einer Urtinktur aus Brennnessel (Urtica dioica) erforderlich (3 x täglich 3 – 5 Tropfen). Bei beiden Heilpflanzen ist darauf zu achten, täglich mindestens 1,5 – 2 Liter Wasser zu trinken, um die Säuren über die Nieren auszuspülen.

Ernährung und Nahrungsergänzungen bei Kniegelenksarthrose

Schlecht für den Knorpel sind also zu viele säurebildende Nahrungsmittel (Kaffee, Alkohol, Weißmehlprodukte, Zucker und Süßigkeiten), denn die Säure greift den Knorpel an und beschleunigt seine Degeneration. Das verschlechtert die Beschwerden. Gut für den Knorpel sind dagegen viele basenbildende Lebensmittel (Kartoffeln, Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Kräutertees). Diese sind mineralstoffreich und unterstützen die Regeneration des Bandscheibenknorpels.

Menschen, die unter Arthrose leiden, tun folgende Nahrungsergänzungen gut (pro Tag): 1 g Vitamin C, 4000 IE Vitamin A, 10 Mikrogramm Vitamin D, 600 mg Calcium, 300 mg Magnesium, 5 – 20 mg Mangan sowie eine Ernährung mit hochwertigen Eiweißen (Eier, fettarme Milchprodukte und ein wenig Fleisch aus artgerechter Tierhaltung, regelmäßige Fischmahlzeiten, pflanzliche Eiweiße aus Soja und Hülsenfrüchten). Diese Vitamin- und Mineralstoffkombination in Verbindung mit basenbildender Ernährung wirkt schmerzlindernd und fördert die Knorpelregeneration.

Blutegelbehandlung in der Heilpraktikerpraxis

Nicht erst seit der einschlägigen Studie der Carl und Veronica-Carstens-Stiftung ist bekannt, dass Blutegel eine ausgesprochen lindernde Wirkung auf arthrotischen Schmerzen besitzen. Man setzt bis zu sechs medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) um das Gelenk herum. Die Tiere saugen etwa 30 – 60 Minuten und fallen danach von selbst ab. Die Wunden bluten noch eine kleine Weile nach. Etwa 80 Prozent der Patienten berichten über eine deutliche und nachhaltige Schmerzlinderung, die vermutlich auf die lokale und massive Entgiftung und die spezifischen vom Blutegel in den Gelenkbereich applizierten Stoffe zurückzuführen ist. Noch ein halbes Jahr nach einer Blutegelbehandlung ist die Funktionsfähigkeit des Gelenks bei vielen Patienten verbessert und der Schmerz immer noch deutlich geringer als vorher. Die Blutegelbehandlung bei Kniegelenkarthrose ist zugegebenermaßen nichts für zartbesaitete Gemüter. Beherzte und experimentierfreudige Patienten wissen die Vorteile aber durchaus zu schätzen!

Eine Blutegelbehandlung lässt man in der Heilpraktikerpraxis durchführen.

Spezialgymnastik für das arthrotische Kniegelenk

Mit einer einfachen gymnastischen Übung kann man die Produktion von Gelenkschmiere anregen: Der Arthrose-Patient setzt sich mit Po und Oberschenkeln auf einen stabilen Tisch, so dass Unterschenkel und Füße baumeln können. Vorher oder nachher werden Gewichte von 1 kg, 2kg oder bis zu 3 kg an jedes Bein geschnallt. Gewichte dieses Typs gibt es im einschlägigen Sport-Fachhandel oder im Internet zu kaufen.

Mit den Gewichten lässt man jeden Tag die Unterschenkel eine halbe Stunde lang baumeln. Das klingt zunächst etwas langweilig, kann aber auch kurzweilig sein, wenn man die Zeit zum Telefonieren, Lesen oder Fernsehschauen nutzt. Die Gewichte ziehen Gelenkkopf und Pfanne ein wenig auseinander, entlasten also das Gelenk; das Baumeln regt die Bildung von Gelenkschmiere an. Viele Patienten mit Kniegelenksarthrose schwören auf diese Übung, weil sie die Erfahrung machen, dass sie bei konsequenter Anwendung deutlich schmerzfreier laufen können.

Gelenkwickel aus Heilerde

Gut bewährt haben sich bei akut entzündeter Arthrose wie auch im beschwerdefreien Intervall regelmäßige Heilerdepackungen. Sie sind recht einfach zuzubereiten:

Man rührt einen streichfähigen Brei aus Heilerde und Kamillentee an.

Wichtig: Bei akuten Schmerzen stellt man den Kamillentee vorher in den Kühlschrank und lässt ihn kräftig abkühlen. Im beschwerdefreien Intervall verwendet man warmen Kamillentee!

Der Heilerdebrei wird anschließend fingerdick auf das betroffene Gelenk aufgetragen und mit einem feuchten Tuch bedeckt. Anschließend legt man ein trockenes Tuch um das Gelenk. Während der Trocknungszeit, die etwa 1 – 2 Stunden dauert, entfaltet sich die Heilwirkung. Man macht den Wickel am besten dann, wenn man längere Zeit sitzen oder liegen kann, z. B. auch über Nacht. Ist der Brei trocken geworden und bröckelt ab, wird er wieder abgewaschen.

Verhaltenstipps, die das arthrotische Gelenk schonen und die Knorpelbesaftung anregen:

  • Beim Sitzen Beine ausstrecken, dann wird die Kniescheibe weniger an den Knorpel gepresst.
  • Vor jedem Aufstehen das Kniegelenk einige Male ohne Belastung durchbewegen. Gelenkschmiere kann sich bilden und der Anlaufschmerz wird verhindert oder zumindest reduziert.
  • Keine schweren Sachen tragen
  • Schuhe sollten bequem und breit sein, viel Halt geben, federnde Sohlen und niedrige Absätze haben. Manche Patienten berichten über eine starke Entlastung im Kniegelenk, wenn der Absatz niedriger ist als die Sohle.
  • Senk-, Spreiz- und Plattfüße durch Einlagen ausgleichen
  • Der Arthrosepatient sollte etwas tun, wovon man Patienten mit niedrigem Blutdruck abrät: Wann immer möglich, einen Fahrstuhl und nicht die Treppe benutzen!
  • Jede Stunde eine fünf- bis zehnminütige Sitzpause einlegen
  • Beim Aufstehen aus einem Stuhl oder Sessel sich mit den Armen hochdrücken
  • Nicht knien. Wer an Kniegelenksarthrose leidet, darf in der Kirche ruhig mit gutem Gewissen sitzen bleiben!
  • Einen Gehstock benutzen, um das arthrotische Knie zu entlasten

©  Margret Rupprecht

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