Hämorrhoiden

Anfang und Ende des Verdauungstraktes werden durch eine Ringmuskulatur verschlossen. Sie findet sich bei den Lippen des Mundes ebenso wie am Schluss des Enddarmes. Der After verfügt jedoch zusätzlich über eine Art Feinverschluss in Form eines Gefäßpolsters. Es sorgt dafür, dass Kot den Darm nicht unwillkürlich verlassen kann. Die arteriovenösen Blutgefäßpolster liegen ringförmig unter der Enddarmschleimhaut. Sie können sich durch Blutstauungen massiv vergrößern und sacken dann aus. Dies führt zu vielfältigen Beschwerden. Das häufigste Symptom sind hellrote Blutauflagerungen auf dem Stuhl. Daher hat das Krankheitsbild auch seinen Namen: Hämorrhoiden leiten sich vom altgriechischen Wort haimorrhois ab, das übersetzt Blutfluss bedeutet.

Wie entstehen Hämorrhoiden?

Der Übergang vom Mastdarm zum Enddarm ist sehr gefäßreich. Die Gefäße sichern zusammen mit der Muskulatur den sicheren Verschluss des Darmes. Störungen im Ablauf des Stuhlganges führen mit der Zeit zu einem stärkeren Aussacken dieser Gefäße. Dafür gibt es mehrere Ursachen, unter denen chronische Verstopfung und zu starkes Pressen die häufigsten sind. Immer dann, wenn sich der Druck auf den Enddarmbereich vergrößert, wird das Fortschreiten des Krankheitsbildes gefördert. Das geschieht z. B. auch während der Schwangerschaft, wenn der wachsende Embryo einen chronischen Druck auf das kleine Becken ausübt. Ein mechanischer Stau wird ferner durch Bewegungsmangel und langes Sitzen ausgelöst. Auch das Heben schwerer Lasten, Blutstauung durch langes Stehen oder eine angeborene Bindegewebsschwäche können das Aussacken der Enddarmgefäße begünstigen.

Die heutigen Eßgewohnheiten mit ballaststoffarmer Kost führen dazu, dass etwa jeder zweite Erwachsene nach dem fünfzigsten Lebensjahr von Hämorrhoidalbeschwerden geplagt wird. Ein Mangel an Ballaststoffen in der Nahrung macht den Stuhl hart, schwächt die Enddarmmuskulatur und stört den reibungslosen Ablauf des Stuhlganges. Ballaststoffreiche Kost erhöht die Stuhlmenge: Dadurch werden die Dehnungsrezeptoren im Enddarm gereizt, was zu einem leichteren und sanfter herausgleitenden Stuhlgang führt. Ballaststoffarme Kost führt hingegen zu geringen Stuhlmengen. Der Enddarm füllt sich nur mäßig und die Dehnungsrezeptoren werden kaum gereizt. Der Stuhl verweilt lange, bis sich eine ausreichend große Menge angesammelt hat, um ausgeschieden zu werden. Dabei trocknet er aus und wird hart. Harter Stuhl schädigt die weichen Gefäßpolster in diesem sensiblen Bereich. Der Betroffene muss beim Stuhlgang intensiver pressen, was den Druck auf die Blutgefäße zusätzlich erhöht. Das Hämorrhoidalleiden ist in Entwicklungsländern viel seltener anzutreffen, da die Menschen sich dort weniger mit industriell vorgefertigter Nahrung ernähren und dafür ballaststoffreichere, pflanzliche Lebensmittel zu sich nehmen.

Menschen, die unter chronischer Verstopfung leiden, versuchen häufig mit Abführmitteln ihre Beschwerden zu bessern. Liegen zusätzlich Hämorrhoiden vor, verstärken Abführmittel deren Symptome, da sie die Peristaltik beschleunigen und darüber große Mengen Stuhl in den Enddarm pressen.

Ein Krankheitsbild (Hämorrhoiden) mit vier Stadien

Hämorrhoidalbeschwerden treten nicht von einem Tag auf den anderen auf, sondern entwickeln sich schleichend und über einen Zeitraum von vielen Jahren. Von den ersten Beschwerden bis zum operationsbedürften Vollbild der Erkrankung ist es ein weiter Weg. Die Medizin teilt ihn in vier Stadien ein:

Stadien des Hämorrhoidalleidens

Stadium I

Die Enddarmgefäße sind nur leicht ausgesackt und von außen noch nicht zu sehen. Auch bei der Früherkennungsuntersuchung durch den Proktologen lassen sie sich noch nicht tasten. Gelegentlich zeigt sich jedoch beim starken Pressen etwas Blut auf dem Toilettenpapier. Beginnende Hämorrhoiden im Stadium I lassen sich nur mit einem seitlich gefensterten Proktoskop (Enddarmspiegelung) erkennen.

 

Stadium II

Beim Pressen während des Stuhlgangs wölben sich die Hämorrhoiden nach außen, ziehen sich danach aber von selbst wieder zurück. Der Stuhl enthält häufig hellrote Blutauflagerung und am After kommt es zu Brennen und Juckreiz

 

Stadium III

Im dritten Stadium können sich die beim Pressen heraustretenden Hämorrhoiden nicht mehr von alleine zurückziehen, sondern müssen von Hand in den After zurückgeschoben werden. Der Patient leidet immer wieder unter starken Schmerzen. Auch Entzündungen der Analschleimhaut häufen sich.

 

Stadium IV

Die Hämorrhoiden sind endgültig aus dem After herausgetreten und auch ohne Pressen ständig sichtbar. Meist besteht ein dauerhafter dumpfer Schmerz, der sich beim Sitzen verschlimmert.

Woran merke ich, dass ich an Hämorrhoiden leide?

Es gibt eine Reihe von Symptomen, die als sichere Hinweise auf ein Hämorrhoidalleiden angesehen werden können. Dazu zählen vor allem hellrote Blutungen auf Toilettenpapier oder Stuhl bzw. in der Unterwäsche. Weitere Hinweise sind Nässen und Nachschmieren, auch Mikroinkontinenz genannt. Juckreiz und Brennen können ebenso Anzeichen für Hämorrhoiden sein wie sog. „falsche Freunde“ oder „feuchte Winde“. Darunter versteht man Blähungen, die zusammen mit kleinen Kotmengen abgehen – ein sicherer Hinweis darauf, dass der Verschlussmechanismus des Enddarmes nicht mehr in Ordnung ist.

Wann muss ich zum Arzt?

Hämorrhoiden sind eine harmlose Enddarmerkrankung, die sich gut vorbeugen und behandeln lässt. Trotzdem gilt: Blut auf dem Stuhl ist bis zum Nachweis des Gegenteils verdächtig auf Darmkrebs! Das heißt: Wer zwei mal hintereinander Blut am Toilettenpapier oder in der Unterwäsche beobachtet hat oder unter Stuhlunregelmäßigkeiten und Schmerzen beim Stuhlgang leidet, muss erst einmal einen Arzt aufsuchen, um die Ursachen dafür abklären zu lassen. In den meisten Fällen wird es sich „nur“ um Hämorrhoiden handeln, aber es wäre fahrlässig, ein mögliches Enddarmkarzinom ohne Untersuchung von vornherein auszuschließen. Die Diagnosestellung „Hämorrhoiden“ durch Hausarzt, Gastroenterologen oder Proktologen dient auch der eigenen Beruhigung: Der Patient weiß dann, dass er sich keine Sorgen machen muss und seine Beschwerden bald wieder behoben sein werden.

Was Sie selbst bei Hämorrhoiden tun können

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Dieses bekannte Sprichwort gilt auch für die Hämorrhoidentherapie. Sie erfordert vor allem eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten. Das ist am Anfang etwas mühsam, lohnt sich aber unbedingt!

  • Zunächst geht es darum, die Verstopfungsneigung durch eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung zu beseitigen: Obst, Gemüse und Getreideprodukte machen den Stuhl weich. Fett- und eiweißreiche Lebensmittel wie Schokolade oder Fleisch machen ihn härter. Deshalb muss man nicht gleich zum Vegetarier werden. Oft reicht es schon, den Schwerpunkt ein wenig zu verschieben, mehr Gemüse zu essen und die Fleischportionen zu halbieren. Sinnvoll ist eine zusätzliche Gabe von Quellmitteln in Form von Leinsamen und Haferkleie (lose oder als Kleietabletten) zusammen mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr. Die tägliche Nahrung sollte etwa 30 – 40 g reine Ballaststoffe enthalten. Nahrungsmitteltabellen informieren Sie über den Ballaststoffgehalt der einzelnen Lebensmittel.
  • Reichliches Trinken von täglich ca. 2 l Neutralflüssigkeit (Wasser, Kräutertee und verdünnte, ungezuckerte Fruchtsäfte).
  • Verwenden Sie einen Toilettenhocker: Dieser wird vor das WC gestellt und ermöglicht es, den Stuhlgang in einer 35-Grad-Hockposition auszuführen. Dadurch streckt sich der Enddarm, die Stuhlstange rutscht leichter und fast ohne Pressen heraus – bei Hämorrhoiden eine enorme Erleichterung! Außerdem hat man hinterher das Gefühl, vollständiger entleert zu sein. Die Verwendung eines Toilettenhockers tut auch Schwangeren gut, da die Hockposition den Druck auf die Gebärmutter reduziert.
  • Sorgfältige Analhygiene: Nach jedem Stuhlgang den After mit weichem Papier, Einmalwaschlappen oder lauwarmem Wasser reinigen.
  • Bewegung bringt den Darm in Schwung und reduziert Verstopfungsbeschwerden. Ideale Sportarten sind Joggen, Schwimmen, Radfahren, Wandern und Gymnastik.
  • Trainieren der Beckenbodenmuskulatur: Hier gibt es zwei Übungen, die dem Blutstau im Enddarmbereich entgegenwirken. Spannen Sie im Wechsel die linke und die rechte Gesäßhälfte an und lassen Sie wieder locker. Dies machen Sie 50 x hintereinander, am besten mehrmals am Tag. Danach ziehen Sie den Afterschließmuskel fest zusammen (als ob Sie Stuhlgang verhindern wollen) und lösen ihn dann wieder. Auch diese Übung, mehrmals täglich durchgeführt, bringt Schwung in die Enddarmdurchblutung und beugt Stauungszuständen vor.
  • Geben Sie dem Stuhldrang sofort nach, wenn Sie ihn spüren. Dann vermeiden Sie zu langen Stau und Austrocknung des Stuhles. Erziehen Sie Ihren Darm zur Regelmäßigkeit und gewöhnen Sie ihn an bestimmte Zeiten für den Stuhlgang.
  • Bei entzündungsbedingten Schmerzen helfen warme Sitzbäder mit Auszügen aus Hamamelis, Calendula, Eichenrinde oder Schachtelhalm. Die Wassertemperatur sollte jedoch nicht zu heiß sein.
  • Jucken und Brennen am After lassen sich mit naturheilkundlichen Hämorrhoidalsalben gut behandeln. Viele Naturheilmittelhersteller haben wirksame und zuverlässige Präparate in ihrem Programm. Lassen Sie sich von Ihrem Apotheker beraten. Hämorrhoidalsalben enthalten häufig Wirkstoffe vom Blutegel (Hirudin) oder von Steinklee und Hamamelis. Neben Salben gibt es zahlreiche Hämorrhoidalzäpfchen. Sie applizieren ein Wirkstoffdepot direkt an den Hämorrhoiden bzw. der entzündeten Enddarmschleimhaut.
  • Ein Analdehner aus Kunststoff kann den Schließmuskelbereich weiten und entkrampfen. Außerdem eignet er sich gut, um an seiner Spitze Salbe aufzutragen und die inneren Hämorrhoiden damit zu behandeln.
  • Wenn Sie einen sitzenden Beruf haben, lohnt sich die Anschaffung eines Stehpultes. Ein Schreibtischstuhl mit Kufen (z. B. das Modell Pendulum von der Firma Stokke) ermöglicht „kreatives“ und bewegliches Sitzen und fördert die Beckendurchblutung.
  • Pflegen Sie Ihre Leber! Das venöse Blut des Darmbereiches wird über die Pfortader geschlossen zur Leber geführt, damit die Inhaltsstoffe aus der Nahrung dort „gecheckt“ und entgiftet werden können. Eine herabgesetzte Leberfunktion führt zu einem Pfortaderrückstau, der bis hinunter in die Enddarmvenen reicht. Ist das Leberfunktionsgewebe hingegen in einem optimalen Zustand, kann das Blut aus dem Darm rasch hindurchfließen, so dass Stauungszustände vermieden werden. Pflanzliche Zubereitungen, z. B. eine Urtinktur aus der Mariendistel (Carduus marianus), kann die Leberfunktion deutlich verbessern.

Was der Arztbei Hämorrhoiden tut

Bei Hämorrhoiden III. und IV. Grades kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem Ernährungsumstellung und Naturheilmittel nicht mehr genug Linderung bringen. Proktologie, Urologie und Chirurgie verfügen über diverse Verfahren zur Behandlung fortgeschrittener Hämorrhoiden: Im Stadium II und III lassen sie sich ähnlich veröden wie Krampfadern am Bein. Eine Alternative ist die sog. Ligatur: Die Hämorrhoide wird mit einem Gummibändchen abgeschnürt. Nach einigen Tagen fällt der Knoten von alleine ab, da das Gewebe abstirbt und ausgestoßen wird. Sozusagen eine mechanische Form der Straffung. Bei Hämorrhoiden III. und IV. Grades lässt sich eine operative Entfernung meist nicht umgehen, wenn man auf Dauer seine Beschwerden los sein möchte.

Verödung, Ligatur und operative Entfernung sind mechanische Verfahren, die Hämorrhoidalbeschwerden zunächst einmal beseitigen. Sie ersparen dem Patienten jedoch nicht, langfristig seine Ernährung mit mehr Ballaststoffen anzureichern und mehr zu trinken. Nur wenn der Stuhl dauerhaft weicher wird, lässt sich einer erneuten Entwicklung von Gefäßaussackungen vorbeugen.

Die Bedeutung der Krankheit (Hämorrhoiden)

Der psychosomatische Arzt Dr. Ruediger Dahlke weist darauf hin, dass die gestauten Blutgefäße im Enddarmbereich ein Hinweis sein können, dass es im Leben des Hämorrhoidenpatienten ein Hindernis gibt, vor dem sich seine im Blut symbolisierte Vitalität staut. Im übertragenen Sinne „sitzt“ der Betroffene auf seinen Knoten (Problemen), ohne sie jedoch lösen zu können. Manches Sprichwort aus dem Volksmund weist darauf hin, dass der Stau am „Arsch der (Körper-) Welt“ viel mit aufgestautem inneren Druck und ausbleibender Entlastung zu tun hat. Es wäre gesünder, wenn dem Betroffenen eher der Kragen platzt als später die Knoten an seinem Hinterausgang. Hämorrhoiden können ein in den Körper getragenes Symbol dafür sein, dass Druckablassen im seelischen Bereich ansteht. Was die Seele noch nicht schafft, übernimmt – vorläufig – der Körper an seinem Hinterausgang. Ein psychischer Druck, dem man nicht ausweichen kann und der von einer als übermächtig empfundenen Instanz ausgeht, entwickelt die Tendenz, „nach hinten“ loszugehen. Entstehen Hämorrhoiden, hat man sich nicht nur auf seelischem Wege den „letzten Ausweg“ verbaut, sondern auch auf körperlicher Ebene: sozusagen eine „hinterfotzige“ Lösung, die bei genauerem Hinsehen keine wirkliche Lösung ist.

Dann kann es heilsam sein, schwierige Lebensthemen offensiv in Angriff zu nehmen und an ihrer Bewältigung zu arbeiten, damit sie im Vorfeld gelöst werden und sich im wahrsten Sinne des Wortes nichts „aufstaut“.

©  Margret Rupprecht

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