Gerstenkorn

Ein Gerstenkorn gehört zu den besonders unangenehmen Augenerkrankungen: man hat das Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben, und das Sehen kann massiv beeinträchtigt sein. Mit sorgfältiger Hygiene und gut gewählten Naturheilmitteln lässt sich der lästige Abszess am Lidrand aber gut behandeln und heilt in der Regel komplikationslos ab.

Ursachen und Symptome eines Gerstenkorns

Beim klassischen, äußeren Gerstenkorn (Hordeolum externum) handelt es sich um eine mit Eiter gefüllte Schwellung am Rand des Augenlids. In den meisten Fällen bildet sich ein Gerstenkorn am unteren Lid. Die Ursache ist eine Entzündung des Haarbalgs der Wimpern bzw. der Talg- und Schweißdrüsen am Lidrand. Die Entzündung wird durch Bakterien wie Staphylokokken oder Streptokokken ausgelöst. Das Lid schwillt an und die angrenzende Augenbindehaut rötet sich. Es kommt zu einer roten und stark schmerzhaften Vorwölbung der Lidhaut im Wimpernbereich, die das Auge in schweren Fällen fast zuschwellen lässt. Im fortgeschrittenen Stadium bildet sich ein gelblicher Eiterhof. Sitzt die Entzündung tief und kann sich der Eiter nicht rasch entleeren, können die vor dem Ohr gelegenen Lymphknoten anschwellen. Auch leichtes Fieber ist möglich. Meist verläuft die Krankheit jedoch harmlos. Das Gerstenkorn entwickelt eine Spitze und platzt innerhalb von fünf bis sechs Tagen auf.

Theoretisch besteht bei einem Gerstenkorn immer die Gefahr, dass sich die in der Nähe gelegene Vene im Bereich des inneren Augenwinkels entzündet, vor allem bei der Sonderform des Krankheitsbildes, dem inneren Gerstenkorn (Hordeolum internum), einer akuten Staphylokokken- oder Streptokokkenentzündung der in der Bindehaut gelegenen Meibom´schen Drüsen. Hier kommt es nicht nur zu einer Schwellung des Lidrandes, sondern auch die innere Bindehaut wird in Form einer umschriebenen, stark schmerzhaften, hochroten Vorwölbung der Lidkante stark in Mitleidenschaft gezogen. Das innere Gerstenkorn neigt zum Durchbruch zur Bindehautseite und kann ebenfalls mit Fieber, Schwellung der Lymphknoten vor dem Ohr und Störungen des Allgemeinbefindens einhergehen. Hier ist das Risiko einer Venenentzündung im Auge etwas höher als beim äußeren Gerstenkorn, weshalb die Pflegemaßnahmen besonders sorgfältig ausgeführt werden sollten.

Bei wiederkehrenden Gerstenkörnern hat sich eine Eigenbluttherapie in der Heilpraktikerpraxis bzw. beim Arzt für Naturheilverfahren bewährt – sofern die Rückfälle nicht auf einen schlecht eingestellten Diabetes zurückgehen. In diesem Fall müssen erst einmal die Blutzuckerwerte des Patienten neu eingestellt werden. Auch chronische Krankheiten, die mit Abwehrschwäche einhergehen, können Hintergrund für wiederkehrende Gerstenkörner sein.

Eine besonders häufige Ursache für wiederholt auftretende Gerstenkörner sind chronische Störungen in der Darmflora, vor allem als Folge eines zu hohen Konsums an Zucker- und Weißmehlprodukten, industriell vorgefertigter Nahrung und Alkohol. Wer dann seine Ernährung verbessert, mehr frisches Obst, Gemüse und Kartoffeln isst und parallel dazu eine Darmsanierung mit „guten“, lebens- und vermehrungsfähigen Darmbakterien durchführt, wird seine Gerstenkornplage bald los sein.

Praktische Tipps bei einem Gerstenkorn

Bei der Pflege und Behandlung eines am Gerstenkorn erkrankten Auges ist sorgsame Hygiene erforderlich. Gerstenkörner sind nicht stark ansteckend, können aber von einem Auge auf das andere übertragen werden. Handtuch und Waschlappen des Patienten sollte man daher von denen anderer Familienmitglieder getrennt halten. Es empfiehlt sich zudem, sie häufig zu wechseln.

Innere und äußere Behandlung des Gerstenkorns mit Komplexhomöopathie

Das Gerstenkorn ist eine klassische Eitererkrankung und braucht Arzneimittel, die den Eiterungsprozess modulieren, beschleunigen, die Entleerung nach außen fördern und eine rasche Regeneration des beschädigten Gewebes anregen. Zu diesem Zweck haben sich die beiden homöopathischen Einzelmittel Acidum silicicum (Silicea, Kieselsäure) und Myristica sebifera (Talgmuskatnussbaum) bewährt. Beide sind „Eitermittel“ der Homöopathie und wirken besonders gut, wenn man sie kombiniert in einem Präparat einnimmt, also als sog. homöopathisches Komplexmittel, am besten in Tropfenform und in niedriger Potenz (D3 bis D8). Beide Mittel haben sich bewährt, wenn Abszesse zum Reifen gebracht werden, sich bald entleeren und narbenlos abheilen sollen.

Das homöopathische Mittel nimmt man innerlich ein, und zwar noch acht bis zehn Tage über die Abszessöffnung hinaus, um die Geweberegeneration zu unterstützen.

Die Reifung des Gerstenkorns wird beschleunigt, wenn man das Komplexhomöopathikum zusätzlich auch äußerlich anwendet. Dazu eignen sich feuchtwarme Kompressen, die man vorher im Verhältnis 1 : 10 (Komplexhomöopathikum zu Wasser) befeuchtet hat und solange auf das Auge legt, bis sich die Kompresse abgekühlt hat.

Kompressen mit Acidum silicicum und Myristica sebifera wirken wie eine Zugsalbe, nur dass sie im Unterschied zu dieser es nicht dabei belassen, den Eiter herauszuziehen, sondern kraft ihrer speziellen Potenz gleichzeitig den Entleerungsprozess modulieren, was am Auge noch viel wichtiger ist als z. B. bei Furunkeln an Rücken oder Bauch. Zugsalben sind in den letzten Jahren mehr und mehr in die Kritik geraten. Man riskiert mit ihnen eine Eiterentleerung nach innen und damit eine Ausweitung der Infektion. Bei der Anwendung eines homöopathischen Komplexmittels aus Acidum silicicum und Myristica sebifera passiert das in der Regel nicht.

Pflanzenheilkunde beim Gerstenkorn: Augentrost (Euphrasia officinalis)

Für die äußerliche Behandlung eines Gerstenkorns empfehlen sich außerdem Augen-Bäder mit der Heilpflanze Augentrost. Man verwendet entweder einen Auszug aus dem frischen, blühenden Kraut des Augentrosts oder bereitet einen Tee aus getrocknetem Augentrost-Kraut zu. In der Apotheke gibt es kleine Augenbadewannen, die man mit lauwarmem Augentrost-Tee füllen und so ans Auge setzen kann, dass auch beim Zurückbeugen des Kopfes nichts heraustropft. Augentrostbäder sind vor allem dann sehr praktisch, wenn sich das Gerstenkorn geöffnet hat, der Eiter behutsam weggespült und das Auge mehrmals täglich gesäubert werden muss. Patienten sollten vom Gerstenkorn unbedingt „die Finger davon lassen“, um Infektionen der offenen Stelle zur vermeiden. Augentrostbäder säubern das Auge, wirken leicht desinfiziernd und fördern den Heilungsprozess.

Weitere Maßnahmen zur Selbstbehandlung eines Gerstenkorns

Rotlichtbestrahlungen bringen Abszesse zum Reifen, so auch ein Gerstenkorn.

Für Berufstätige, die über Tag wenige Möglichkeiten besitzen, ihr Auge zu baden oder mit Kompressen zu behandeln, hat sich die Anwendung einer Augentrostsalbe bewährt. Man gibt mehrmals täglich eine erbsengroße Menge in den Bindehautsack bzw. um das Gerstenkorn herum. Aus Gründen der Hygiene trägt man die Salbe nicht mit den bloßen Fingern, sondern mit einem Q-Tip auf.

Wenn die genannten Maßnahmen das Gerstenkorn nicht innerhalb von fünf bis sechs Tagen zum Öffnen und Abklingen gebracht haben bzw. eine Entzündung über das ganze Augenlid auftreten sollte, ist ein Besuch beim Augenarzt erforderlich, der das Gerstenkorn chirurgisch öffnet, damit sich der Eiter entleeren kann, und im Bedarfsfall auch ein Antibiotikum verordnet. In den meisten Fällen heilt ein Gerstenkorn aber auch ohne diese verstärkten Maßnahmen gut aus.

 

©  Margret Rupprecht

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