Furunkel

Er beult und spannt sich, ist rot, heiß, berührungs- und druckempfindlich: der Abszess. Wenn er direkt unter der Haut liegt, zeigt er sich als derber, harter Knoten. Eine häufige Abszessform ist das Furunkel, eine Entzündung am Haarbalg, die gegenüber inneren Abszessen den entscheidenden Vorteil besitzt, dass sie sich nach außen öffnen kann, um ihren Eiter zu entleeren. Die Herkunft des Wortes Furunkel ist originell und bestätigt auf sprachlicher Ebene die naturheilkundliche Sicht auf das Krankheitsbild: der Begriff leitet sich nämlich vom lateinischen fur – Dieb, Schurke ab. Die Verkleinerungsform furunculus bedeutet „kleiner Spitzbube“. Fur geht wiederum auf das lateinische ferre – tragen, wegtragen zurück: das Furunkel ist eine Entzündung, die etwas, das nicht mehr in den Körper gehört, nach außen trägt.

Ursachen für die Entstehung eines Furunkels

Wie entsteht ein Furunkel? Das im Haarbalg wurzelnde Haar wirkt gewissermaßen als Hebel und öffnet die Oberhaut im Bereich der Haarbalgöffnung. Darüber können Eiterreger eintreten. Meist handelt es sich um Staphylokokken. Oft lösen sie nur eine oberflächliche Entzündung mit einer kleinen geröteten Eiterpustel aus. Dringen die Erreger jedoch weiter in die Tiefe, bildet sich auf dem Grund des Haarbalgs eine schwere Entzündung, die auch das umgebende Gewebe ergreift. Blut- und Gewebezellen sterben ab. Es entsteht ein Hohlraum, der mit Eiter und Flüssigkeit gefüllt ist. Um sich vor einem weiteren Ausbreiten der Erreger zu schützen, bildet der Körper um den Abszessherd herum eine Kapsel. Außen zeigt sich nun eine massive und schmerzhafte Rötung. In der Tiefe schmilzt das Gewebe weiter ein und bildet einen Eiterpfropf, der sich nach und nach vergrößert.

Furunkel entstehen bevorzugt an Haaransätzen von Körperpartien, an denen man stark schwitzt, oder an stark durch Reibung beanspruchten Hautflächen. Typische Areale sind Nacken, Gesicht, Achselhöhlen und Pobacken. Bilden sich mehrere Furunkel nebeneinander, spricht die Medizin vom Karbunkel. Furunkel am Rand eines Augenlids heißen Gerstenkorn.

Die Ursachen für eine Furunkelentstehung sind vielfältig. Dazu zählen vor allem Abwehrschwäche, Diabetes, Nierenerkrankungen, zehrende Erkrankungen wie Krebs oder Aids, chronischer Alkoholmissbrauch, manche Medikamente, zu enge Kleidung oder eine unzureichende Desinfektion nach der Rasur.

Seelische Aspekte

Ein einmal auftretendes Furunkel sollte man psychosomatisch nicht überbewerten. Doch gibt es Patienten, die von dieser Erkrankung regelrecht geplagt werden.

Wenn Furunkel immer wieder auftreten („Furunkulose“) und keine organische Ursache erkennbar ist, will möglicherweise beim Betroffenen ein Thema zum Durchbruch kommen, das ihm bisher zu wenig bewusst war. Vielleicht ist ihm etwas tief unter die Haut gegangen, ohne dass er die dazugehörenden Gefühle spüren und adäquat darauf reagieren konnte. Alles, was verdrängt wird, kann ab einem bestimmten Punkt eine explosive Kraft entwickeln. Es verschafft sich sozusagen Luft, indem es an die Oberfläche und damit in die Sichtbarkeit und die Bewusstwerdung drängt. Ein Furunkel ist wie ein kleiner Vulkan auf der Haut: in der Tiefe nimmt die Spannung überhand und bricht nach außen durch. Dann kann es hilfreich sein, für anstehende seelische Durchbrüche sensibler zu werden, sie in Angriff zu nehmen und Lebensthemen, die vorher vielleicht zu stark vernachlässigt wurden, mit mehr Aktivität zu bearbeiten.

Was ist zu tun bei einem Abszess?

Auch wenn Hautabszesse in der Regel nicht zu den schwerwiegenden Krankheitsbildern zählen, sollte man allen Furunkeln einen großen Respekt entgegenbringen. Unsachgemäß behandelt können sie schwere Komplikationen nach sich ziehen. Deshalb sollte man Furunkel niemals quetschen oder ausdrücken! Die schützende Kapsel könnte platzen und die Bakterien in die Lymphbahnen und in den Blutkreislauf nach innen hinein abgeben anstatt nach außen. Das kann Fieber und – bei starker Abwehrschwäche – eine Blutvergiftung nach sich ziehen.

Besondere Behutsamkeit ist angesagt bei Furunkeln im Gesichtsbereich, da es über die Gesichtsvenen eine Verbindung mit dem Gehirn gibt. Platzt ein Gesichtsfurunkel nach innen auf, kann das eine lebensbedrohliche Hirnvenenthrombose, eine Gehirn- oder Hirnhautentzündung nach sich ziehen.

Auch wenn man jeder zu frühen Antibiotikagabe skeptisch gegenübersteht, sind Antibiotika bei großen Furunkeln im Gesichtsbereich zum Schutz der Gehirnregion manchmal unumgänglich. Jedes Gesichtsfurunkel gehört deshalb grundsätzlich in die Hand eines Arztes!

Wenn ein Furunkel trotz sachgerechter Behandlung nicht innerhalb von zwei Wochen ausheilt, wenn immer wieder neue Furunkel auftreten, sich Karbunkel, also mehrere Furunkel nebeneinander bilden oder Fieber dazukommt, muss man beim Hausarzt eine möglicherweise dahinterstehende Grunderkrankung abklären lassen und eine operative Öffnung der Furunkel durch den Chirurgen erwägen.

Praktische Tipps

Abszessbehandlung mit Homöopathie

In den meisten Fällen wird dieser Schritt aber nicht nötig sein. Die Naturmedizin hält einige Mittel und Maßnahmen bereit, die das Reifen, Öffnen und narbenlose Abheilen von Furunkeln beschleunigen und erleichtern. Eine besondere Bedeutung kommt hier den homöopathischen Einzelmitteln Acidum silicicum (Silicea, Kieselsäure) und Myristica sebifera (Talgmuskatnussbaum) zu, am besten kombiniert in einem Präparat, also als sog. homöopathisches Komplexmittel, und in tiefer homöopathischer Potenz (D 3 – D8). Als Tropfenpräparat kann man das Komplexmittel sowohl innerlich einnehmen als auch Umschläge zum Auflegen daraus bereiten. Acidum silicicum und Myristica sebifera sind für die Behandlung von mit Eiter einhergehenden Hauterkrankungen von großer Bedeutung. Sie bringen das Furunkel beschleunigt zum Reifen, unterstützen seine Öffnung, das Herausfliessen des Eiters und eine narbenlose Abheilung der Haut, damit keine hässliche, knotige Narbe zurückbleibt. Ein komplexhomöopathisches Tropfenpräparat aus Acidum silicicum und Myristica sebifera sollte man noch zehn bis vierzehn Tage über die Abszessöffnung hinaus einnehmen, um die Regeneration der lädierten Haut optimal zu unterstützen.

Die Reifung des Furunkels wird beschleunigt, wenn man das Tropfenpräparat zusätzlich auch äußerlich anwendet. Dazu verdünnt man es im Verhältnis 1 : 10 mit etwas Wasser und gibt die Mischung auf einen feuchtheißen Umschlag. Diesen erneuert man alle paar Stunden. Auflagen mit homöopathischem Acidum silicicum und Myristica sebifera wirken wie eine Zugsalbe, nur dass sie im Unterschied zu dieser es nicht dabei belassen, den Eiter herauszuziehen, sondern kraft ihrer speziellen Potenz gleichzeitig die Geweberegeneration anregen können. Zugsalben sind in den letzten Jahren mehr und mehr in die Kritik geraten. Man riskiert mit ihnen eine Abszessentleerung nach innen und damit eine Ausweitung der Infektion. Das passiert bei der Anwendung von homöopathischen Acidum silicicum und Myristica sebifera in der Regel nicht.

Ernährung, Nahrungsergänzungen und Eigenblut-Therapie

Patienten mit Neigung zu Furunkulose sollten ihr Immunsystem durch vitamin- und vitalstoffreiche Frischkost stärken. Hilfreich ist auch ein Verzicht auf Schweinefleisch und histaminhaltige Nahrungsmittel, da diese die Entzündungs- und Abszessbereitschaft des Organismus anregen. Auch eine biologische Darmsanierung mit „guten“, lebens- und vermehrungsfähigen Darmbakterien und Eigenblut-Behandlungen in der Heilpraktikerpraxis sind wertvolle Umstimmungstherapien, die im vielen Fällen die Neigung zur Furunkelbildung beenden. Der Darmsanierung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn wiederkehrende Furunkel sind ein sicherer Hinweis auf Störungen innerhalb der Darmflora, z. B. als Folge von zu hohem Konsum von Zucker- und Weißmehlprodukten oder Alkohol!

Äußere Anwendungen

Unterstützend auf die Reifung und Entleerung von Furunkeln wirken Bestrahlungen mit einer Rotlicht-Lampe. Auch das Baden des Furunkelbereichs in einem Bittersalzbad ist hilfreich.

Zugegebenermaßen ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber dafür enorm effektiv sind Blutegelbehandlungen, die man in einer Heilpraktikerpraxis durchführen lassen kann: Die Egel werden in die Nähe des Abszesses auf die Haut gesetzt. Ihr Speichel enthält entzündungshemmende Stoffe. Diese beschleunigen die Reifung. Der Blutentzug durch den Egelbiss wirkt ausleitend und entlastend auf die gesamte Region. Das Furunkel heilt deutlich schneller ab.

Eine konzentrierte Anwendung der genannten Maßnahmen macht die chirurgische Öffnung auch bei großen Furunkeln oft überflüssig und lässt den Abszessbereich in den meisten Fällen narbenlos abheilen.

 

©  Margret Rupprecht

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