Eierstockentzündung

Vor allem für junge Frauen mit Kinderwunsch ist die Diagnose Eierstockentzündung eine große Belastung und mit vielen Ängsten verbunden. Wird eine einmalig auftretende Infektion rasch behandelt, muss die Fruchtbarkeit in der Zukunft nicht unbedingt herabgesetzt sein. Kritischer sind unbehandelte, verschleppte, chronifizierte oder wiederkehrende Eierstockentzündungen. Deshalb muss bereits beim leisesten Verdacht sofort ein Arzt oder eine Klinik aufgesucht werden.

Was umgangssprachlich als Eierstockentzündung (Adnexitis) bezeichnet wird, ist meist vor allem eine Entzündung der Eileiter (Salpingitis). Diese beginnen an der Gebärmutter, sind etwa 8 – 12 cm lang und sehr beweglich. An ihrem Ende in der Nähe des Eierstocks öffnen sie sich trichterförmig. Sie sind nicht direkt mit dem Eierstock verbunden, sondern münden in die freie Bauchhöhle hinein. Die Eileiter bewegen sich wellenförmig und können damit das Ei, welches aus dem Eierstock abgegeben wird, ansaugen und aufnehmen. Die organische Trennung von Eierstock und Eileitern ist der Grund, warum aus der Gebärmutter aufsteigende Infektionen meist „nur“ eine Eileiterentzündung auslösen. Ein Überspringen der Erreger auf den Eierstock ist ein eher seltenes Ereignis. Wenn es vorkommt, legt sich die Infektion um die äußere Hülle des Eierstocks.

Ursachen und Symptome einer Eileiterentzündung

Akute Eileiterentzündungen entstehen meist durch Erreger, die während der Menstruation, durch Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Partner, nach operativen Eingriffen oder durch zu lange Liegedauer einer Spirale von der Gebärmutter in die Eileiter hoch wandern. Meist handelt es sich um Gonokokken oder Chlamydien. Chronische Eileiterentzündungen haben oft chronische Störungen in der Bakterienflora des Dickdarms als Ursache.

Die betroffenen Patientinnen klagen über heftige Unterbauchschmerzen, die meist an beiden Seiten auftreten und bis in die Leistengegend ausstrahlen. Manchmal ziehen die Schmerzen bis in den Oberschenkel oder in den Rücken hinein. Die Temperatur ist leicht erhöht; in schweren Fällen kommt es zu hohem Fieber. Bei der manuellen Untersuchung durch den Gynäkologen ist die Region im Bereich der Eierstöcke sehr schmerzempfindlich. Oft besteht in der darüber liegenden Bauchmuskulatur eine Abwehrspannung. Um ein Überspringen der Infektion auf die Eierstöcke oder in die freie Bauchhöhle zu verhindern, stülpt sich das trichterförmige Ende der Eileiter nach innen und kann dann verkleben. Die Eileiterschleimhaut reagiert auf die Erreger mit Entzündung und Schwellung. Das schützt zwar den restlichen Organismus vor einem Ausbreiten der Infektion, kann aber der Eileiterfunktion schaden, da sich in der Folge dauerhafte Verklebungen und Vernarbungen bilden können. Die Eileiter sind dann nicht mehr durchlässig, so dass weder Spermien hoch wandern können noch ein befruchtungsfähiges Ei seinen Weg in die Gebärmutter findet. Unfruchtbarkeit ist die am meisten gefürchtete Komplikation von Eileiter- oder Eierstockentzündungen. Auch Eileiterschwangerschaften können danach häufiger vorkommen, wenn das befruchtete Ei an Verwachsungen innerhalb der Eileiter hängen bleibt und nicht in die Gebärmutter weiterwandern kann. Bei unklaren Schmerzen im Unterbauch ist deshalb immer und in jedem Fall sofort ein Arztbesuch notwendig, vor allem, wenn die Periodenblutung ausgeblieben ist und wenn gleichzeitig mit den Schmerzen auch Fieber auftritt. Dasselbe gilt für das Auftreten von ungewöhnlichem oder verstärktem Ausfluss und Scheideninfektionen. Je früher eine Eileiterentzündung behandelt wird, desto größer sind die Chancen, dass Komplikationen wie Eierstockentzündung, Bauchfellentzündung und Unfruchtbarkeit verhindert werden.

Seelische Aspekte von Eierstock- und Eileiterentzündung

Adnexe (Anhangsgebilde) lautet der medizinische Begriff für die Funktionseinheit Eileiter und Eierstock. Sie sind zusammen mit der Gebärmutter die weiblichsten Organe der Frau. Eine Entzündung in diesem Bereich ist ein hitziger Kampf, in dem sich diese zentralen Geschlechtsorgane gegen die Übergriffe von Angreifern (Erregern) wehren müssen – und damit ein heftiger Konflikt an einer sehr weiblichen Stelle im Körper, der sich aufgrund seiner Lokalisation zu einem Kampf um die Themen Fruchtbarkeit und Kreativität entwickelt. Eine Eileiterentzündung kann in diesem Sinne als Ausdruck einer Problematik oder Unerfülltheit in diesen Bereichen gesehen werden. Es kann hilfreich sein, dem Thema Weiblichkeit, Muttersein und anderen Formen fruchtbarer Kreativität mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Hier spielt die Frage nach einem bewussten oder unbewussten Kinderwunsch, aber auch nach einem in Wahrheit nicht vorhandenen oder abgewehrten Kinderwunsch ebenso hinein wie die Frage nach den Möglichkeiten, auf geistige oder künstlerische Weise „kreativ“ zu werden, wenn die körperliche Fruchtbarkeit nicht mehr möglich ist. Letztlich geht es um weibliche Schöpferkraft. Auch die Geschöpfe eigener Arbeit können eine Art „Kinder“ sein. Wenn die Kraft einer Frau ohne Blockierungen in kreative Prozesse fließen kann, bekommt ihr Bedürfnis „fruchtbar“ zu sein, jene Aufmerksamkeit, deren Fehlen, psychosomatisch gesehen, möglicherweise eine Mitursache der Erkrankung gewesen ist.

Was der Arzt bei Eileiter- und Eierstockentzündungen tun kann

Eileiter- und Eierstockentzündungen brauchen immer eine sofortige fachärztliche Behandlung durch den Gynäkologen. Bei den akuten Formen ist strenge Bettruhe erforderlich, meist auch eine intensive Antibiotika-Therapie. Bei Fieber wird die Patientin ins Krankenhaus eingewiesen; meist dauert der stationäre Aufenthalt eine Woche bis zehn Tage. Jetzt darf nichts verschleppt werden; Wärme, Bettruhe und Antibiotika sind sehr wichtig, um Spätkomplikationen vorzubeugen. Um Eileiterfunktion und Fruchtbarkeit zu erhalten, muss alles getan werden, um den entzündlichen Prozess auf den Eileiterschleimhäuten zu hemmen. Gelegentlich kommt auch Cortison zum Einsatz. Oft ist gleichzeitig auch die Scheide entzündet und muss lokal saniert werden. Eine regelmäßige Darmentleerung ist ebenfalls wichtig. Werden diese Maßnahmen schnell und konsequent durchgeführt, können viele Patientinnen später trotz einer durchgemachten Eileiterentzündung problemlos schwanger werden.

Was Sie selbst bei Eileiter- und Eierstockentzündungen tun können

Begleitend und unterstützend zur ärztlichen Therapie kann man folgende Mittel und Maßnahmen empfehlen: Leidet die Patientin unter Verstopfung, kann sie durch den Einsatz von Lactulose den trägen Darm wieder in Gang bringen. Akut hilft auch der Einsatz eines Miniklistiers. Eine leichte und regelmäßige Darmentleerung ist deshalb wichtig, weil sie den Bereich des kleinen Beckens entlastet und entgiftet.

Bei Operationen oder Ultraschalluntersuchungen findet man im Bauch immer wieder freie Flüssigkeit. Sie bildet sich als Folge einer akut oder chronisch gereizten Darmschleimhaut, nicht nur als Folge von dauernder Verstopfung, sondern auch durch ein Zuviel an industriell verarbeiteter und ein Zuwenig an naturbelassener Nahrung sowie durch eine Fehlbesiedelung der Bakterienflora im Dickdarm. Der Darm gibt dann eine Flüssigkeit ab, die sich unten in der freien Bauchhöhle – im Bereich zwischen Harnblase und Darmausgang – ansammelt. Wenn dieser Flüssigkeitsspiegel über die Eileiteröffnung hochsteigt, nehmen deren offene Trichter die Flüssigkeit auf und leiten sie über Gebärmutter und Scheide nach außen. Die Ursache für chronischen Scheidenausfluss ist bei vielen Frauen nicht primär gynäkologisch, sondern liegt schlichtweg in einer chronischen Darmreizung infolge von Fehlernährung und Entgleisungen der Darmflora. Die im kleinen Becken sich ansammelnde Flüssigkeit besitzt meist einen basischen pH-Wert. Wenn sie aber über Eileiter, Gebärmutter und Scheide nach außen fließt, stört sie den pH-Wert des ursprünglich sauren Scheidenmilieus. Dieses Milieu verliert dann seine natürliche Abwehrfunktion gegenüber aufsteigenden Keimen, die nun nicht mehr von der sauren Scheidenflora inaktiviert werden können, sondern durch die Gebärmutter bis in die Eileiter und über deren trichterförmig offenes Ende bis zu den Eierstöcken und in die Bauchhöhle einwandern können.

Neben der Therapie beim Gynäkologien ist deshalb eine Sanierung der Dickdarmflora und eine Sanierung der Scheidenflora, möglichst mit hypoallergenen orthomolekularen Präparaten, sehr wichtig, um den Flüssigkeitsspiegel im kleinen Becken zu reduzieren und gleichzeitig die Abwehrkraft der Vaginalschleimhaut zu stärken. Eine Ernährungsumstellung auf ballaststoffreiche biologische Vollwertkost verbessert Darmaktivität und Darmflora und ist langfristig der beste Schutz auch gegen Erkrankungen der Eileiter und der Eierstöcke.

Eine akute Entzündung wird mit stundenweiser Eis-Anwendung auf der Gegend über den entzündeten Eileitern behandelt. Die Abheilungsphase kann man unterstützen mit feuchtwarmen Wickeln, Fangopackungen, Heizdecke und Wärmeflasche. Moorbäder tun der Patientin auch nach abgeklungener Erkrankung gut und beugen dem Wiederkehren der Entzündung vor. Auch Sitzbäder mit Moor oder Heublumen (temperaturansteigend von 35 bis 41 Grad Celsius, bis zum Schweißausbruch und mit anschließender Bettruhe) wirkend beruhigend und stabilisierend auf Schleimhautentzündungen im kleinen Becken.

Die Homöopathie hat bei rechtsseitigen Eileiter- und Eierstockentzündung gute Erfahrungen gemacht mit Apis D4, bei linksseitigen Beschwerden mit Lachesis D12, drei mal täglich 5 Globuli.

Aus der Schüßler´schen Biochemie haben sich folgende Präparate bewährt: Ferrum phosphoricum D12 an den ersten zwei, drei Tagen, stündlich 1 Tablette. Bei akuter Eileiterentzündung mit Fieber statt Ferrum phosphoricum Kalium phosphoricum D6, stündlich 1 Tablette. Ab dem vierten Tag der Akutphase sowie bei subakuten Entzündungen kann Kalium chloratum D6 eine Verbesserung bringen (ein bis zwei Wochen Einnahmedauer). Das Abschlussmittel nach der akuten Phase zum Ausheilen der Entzündung ist Kalium sulfuricum D6 (jeweils 3 x täglich 2 Tabletten über zwei bis drei Wochen).

 

©  Margret Rupprecht

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