Colitis ulcerosa

Geht ein Mann mit rezidivierenden Durchfällen zum Arzt und lässt eine Darmspiegelung vornehmen. Die Diagnose lautet: Colitis ulcerosa. Sagt der Arzt: „Na, Gott sei Dank ist es kein Morbus Crohn!“

Der Witz mag auf Betroffene makaber klingen, trotzdem enthält die Aussage des Arztes ein Körnchen Wahrheit: Denn Colitis ulcerosa ist – unter anderem – mit einer Darmsanierung weitaus besser zu behandeln als Morbus Crohn und reagiert auf naturheilkundliche Maßnahmen häufig sehr gut.

Was ist Colitis ulcerosa?

Übersetzt man den lateinischen Krankheitsbegriff ins Deutsche, müsste man ihn als „geschwürige Dickdarmentzündung“ bezeichnen: Es handelt sich um eine chronische, mit kleinen Geschwüren einhergehende Entzündung der Dickdarmschleimhaut. Die Entzündung entwickelt sich kontinuierlich und geht vom Enddarm aus. Auf die Frage, warum ein Mensch an Colitis ulcerosa erkrankt, hat die Schulmedizin bis heute keine Antwort. Die Ursache ist unbekannt; vermutet werden Autoimmunprozesse. Zwar hat man eine familiäre Häufung von Colitis ulcerosa beobachtet, was auf eine genetische Veranlagung schließen lässt, doch welche Immunreaktionen ursächlich für das Entstehen der Krankheit verantwortlich sind, stellt die wissenschaftliche Forschung noch immer vor ein Rätsel. Erfahrungsmedizin und Naturheilkunde wissen hingegen schon lange um den engen Zusammenhang zwischen Colitis ulcerosa und einer gestörten Darmflora infolge jahrelanger Fehlernährung. Colitis ulcerosa-Patienten profitieren daher immer von einer hypoallergenen orthomolekularen Darmsanierung (Wichtige Infos zum Thema Darmgesundheit und zu der Frage, wie man eine Darmsanierung richtig durchführt unter https://goo.gl/hCnzxp ).

Eine Colitis ulcerosa beginnt im Enddarm und steigt von unten nach oben in den Dickdarm auf. Erfasst sie nur den linken, absteigenden Teil des Dickdarms, spricht man von Linksseitencolitis. Hat sie sich über den gesamten, also auch den querverlaufenden und aufsteigenden Dickdarm ausgebreitet, handelt es sich um eine sog. Pancolitis. Colitis ulcerosa steigt nicht in den Dünndarm auf, sondern bleibt auf das Dickdarmgebiet beschränkt.

Symptome einer Colitis ulcerosa

Eine Colitis ulcerosa kann schwere Krankheitssymptome auslösen, darunter Fieber, völliger Appetitmangel und ein starker Gewichtsverlust. Außerhalb des Magen-Darm-Traktes können sich im Laufe der Jahre Hautekzeme, Gelenkentzündungen, Leberentzündungen und – als Folge des chronischen Gallensäureverlusts – auch Gallensteine entwickeln. Wenn es zu Fistelbildungen zwischen Dickdarm und Blase kommt, sind Harnwegsinfekte nicht selten.

Der Beginn einer Colitis ulcerosa ist oft schleichend und geht mit Durchfall und blutig-schleimigem Stuhl einher, er kann aber auch akut oder subakut verlaufen. Eine leichte Colitis, bei der nur der Enddarm befallen ist, ist durch häufige, kleinvolumige und schmerzhafte Stuhlentleerungen mit Schleim- und Blutbeimengungen gekennzeichnet. Hat sich die Entzündung weiter in den Dickdarm hinein ausgedehnt, zeigt sich das an stärkeren wässrig-schleimig-blutigen Durchfällen und einer Stuhlfrequenz von bis zu dreißig Darmentleerungen pro Tag. Nach dem Stuhlgang bessern sich die Beschwerden.

Bei der fulminant toxischen Verlaufsform sind die Durchfälle stark blutig und schleimig; der Patient entwickelt hohes Fieber und ein septisches Krankheitsbild, trocknet aus, sein Bauch ist angeschwollen und äußerst druckschmerzhaft. Bekommen Patient und Behandler die Krankheit in diesem Stadium nicht in Griff, entwickelt sich das sog. Toxische Megakolon, eine starke Ausdehnung des Dickdarms mit hoher Gefahr des Durchbrechens von Darminhalt in die freie Bauchhöhle, bei dem es jederzeit zu einem septischen Schock und starken Darmblutungen kommen kann.

Prognose einer Colitis ulcerosa

Colitis ulcerosa ist eine rätselhafte Erkrankung, deren Verlauf nicht vorhersehbar ist – weder in eine günstige noch in eine ungünstige Richtung. Kürzere, aber auch sehr lange symptomfreie Zeiten sind ebenso möglich wie ein fulminanter Verlauf oder Übergänge in chronische Formen. In schweren Fällen ist der Patient nur durch eine Proktokolektomie zu retten, also eine operative Entfernung von Enddarm, aufsteigendem, querverlaufendem und absteigendem Dickdarm. In den meisten Fällen ist die Krankheit jedoch mit Ernährungsumstellung und naturheilkundlichen Maßnahmen so gut zu behandeln, dass sie für den Patienten beherrschbar bleibt und er immer besser lernt, mit sich selbst und mit seiner Colitis auf eine Weise umzugehen, dass die beschwerdefreien Intervalle sich verlängern und akute Schübe nicht allzu schwere Verläufe zeigen.

Psychosomatische Aspekte bei Colitis ulcerosa

Über seine Durchfälle verliert der Colitis-ulcerosa-Patient ständig ein Übermaß an Wasser, Salzen und Blut. In der Unterwelt des Dickdarms tobt ein Krieg, der mit schweren Verlusten einhergeht: da reißt sich einer den Arsch auf, ist ein Schleimscheißer und bringt unbewusste Blutopfer im Sinne einer Opferung der eigenen Vitalität. Ständig hat man Schiss, ist wund wie ein Babypopo und braucht oft Windeln ähnlich wie ein Kleinkind.

Hinter einer Colitis ulcerosa steht häufig ein Autoritätskonflikt, z. B. eine als streng und kontrollierend erlebte Mutter, die Unterwerfung fordert und einem Kind nicht den Raum gibt, seine Vitalität zu entfalten und eigene, von der Mutter unabhängige Wege zu gehen. Oft ist das Verhältnis zur Mutter noch im Erwachsenenalter sehr eng bis symbiotisch. Ängste vor Einsamkeit und Selbstverantwortung verhindern die längst überfällige Abnabelung und lassen den Betroffenen resignieren. Am Ende stehen Selbstaufgabe, Hoffnungslosigkeit und faule Kompromisse, um die Mutter oder auch andere Autoritätspersonen zufrieden zu stellen. Man hat schlichtweg Schiss, einen eigenen Weg zu gehen, dabei auch Konfrontationen zu wagen und diese durchzukämpfen.

Wenn Patienten sich ihre Abhängigkeit bewusst machen und die Enge in manchen Beziehungen erkennen, ist schon viel gewonnen – ganz im Sinne des Sprichworts Wer wagt, gewinnt. Jetzt geht es darum, „Ich“ sagen zu lernen und herauszufinden, was man selber eigentlich will. Es wird Konflikte kosten, die neu entdeckten eigenen Interessen durchzusetzen, aber das ist eine wichtige Voraussetzung, um seelisch gesund und lebendig zu sein – und es zu bleiben. Möglicherweise muss man sich aus der Beziehung zu manchen Familienmitgliedern herauslösen und sie durch „Wahlverwandtschaften“ ersetzen. Der Weg aus der Colitis ulcerosa ist immer ein Emanzipationsprozess und ein Prozess der Selbstfindung. Dieser geht nicht ohne Konflikte, ist aber schon mehr als die halbe Therapie.

Manche Colitis-Patienten haben schmerzliche Verlusterlebnisse erfahren wie den Tod eines nahen Angehörigen oder eine Scheidung, konnten diesen Verlust aber nicht durch Trauer verarbeiten. Sobald dieses gelingt, vielleicht mit Hilfe einer Psychotherapie, bessern sich auch die körperlichen Symptome.

Praktische Tipps bei einer entzündlichen Darmerkrankung

Komplexhomöopathie

Zur Reduzierung der Entzündungsneigung im Dickdarm empfiehlt sich der Einsatz eines homöpathischen Komplexmittels, am besten mit den arzneilich wirksamen Bestandteilen Chamomilla recutita, Daphne mezereum, Hydrastis canadensis und Marsdenia condurango. Alle vier homöopathischen Einzelmittel haben sich seit langem zur Behandlung von Entzündungen im Magen-Darm-Trakt bewährt. Gemeinsam in einem Präparat entwickeln sie wertvolle Synergieeffekte und eine tiefe und nachhaltige antientzündliche Wirkung.

Ernährungsumstellung und Darmsanierung

Allgemeingültige Ernährungsregeln für Colitis-Patienten gibt es nicht. Jeder Betroffene probiert am besten selber aus, was ihm bekommt und was nicht. Die schubfreien Intervalle lassen sich allerdings manchmal verlängern, wenn Patienten sich an folgende Ernährungsregeln halten:

  • die Nahrung sollte biologisch-dynamisch angebaut, frisch und nach Möglichkeit selbst zubereitet sein. Industriell vorgefertigte Lebensmittel sind konsequent zu meiden, Kantinenessen ebenfalls.
  • Vorsicht mit Salat. Gemüse und ggf. auch Obst leicht andünsten.
  • Stark blähendes Gemüse meiden
  • kein weißer Zucker, kein weißes Mehl (und alle Produkte, die diese Zutaten enthalten, meiden): Nudeln, Reis und Backwaren nur als Vollkornprodukte essen, allerdings in fein ausgemahlener Form (kein Vollkornbrot mit Schrot oder ganzen Körnern). Weißer Zucker und weißes Mehl fördern im Dickdarm die Entstehung von Pilzen und verstärken damit die Entzündungsneigung auf der Darmschleimhaut.
  • Kaffee, Cola und Limonaden meiden. Sie enthalten zu viel Zucker und schleimhautschädigende E-Zusatzstoffe. Bekömmlichere Getränke sind Wasser, grüner und schwarzer Tee, Kräutertees und ungezuckerte, nicht allzu saure Obstsäfte.
  • Vorsicht bei Milch und Milchprodukten, im Zweifelsfall meiden. Joghurt wird allerdings oft besser vertragen als Milch und (alte) Käsesorten.
  • kein Schweinefleisch (auch keine Wurst, keinen Schinken, keinen Speck). Geflügel- und Rindfleisch aus artgerechter Tierhaltung werden – in kleinen Mengen – in der Regel vertragen.
  • histaminarme Kost bevorzugen. Histamin ist besonders reich enthalten in Rotwein, Salami, Wurst und Konserven, vor allem Fischkonserven.
  • keine tierischen Fette verwenden, stattdessen nur kaltgepresste Bio-Pflanzenöle. Zum Braten sollte Kokosfett verwendet werden.
  • keine Lebensmittel mit E-Zusatzstoffen verzehren, eingeschweißte und in Plastik verpackte Lebensmittel ebenfalls meiden (Weichmacher!), Gemüse- und Obstkonserven nicht in Blechdosen, sondern in Gläsern kaufen.
  • In Ruhe essen und jeden Bissen extrem gut kauen! Je optimaler die enzymatische Verarbeitung der Nahrung im oberen Verdauungstrakt abläuft, desto weniger belastet der Speisebrei die Schleimhäute im unteren.
  • Säurebildende Lebensmittel meiden, basenbildende bevorzugen. Das heißt konkret: Kaffee, Alkohol, zucker- und weißmehlhaltige Produkte aus dem Speiseplan streichen oder zumindest stark reduzieren. Stattdessen viel Kartoffeln, Obst, Gemüse und Vollkornprodukte aus Bio-Anbau essen.
  • Trennkost bevorzugen, also schwerpunktmäßig kohlenhydratreiche und schwerpunktmäßig eiweißreiche Lebensmittel möglichst nicht gleichzeitig essen. Also Fleisch/Fisch plus Gemüse essen oder Kartoffeln/Nudeln/Reis plus Gemüse – aber kein Fleisch/Fisch und Kartoffeln/Nudeln/Reis in einer Mahlzeit zusammen verzehren.

Wie schon eingangs erwähnt, reagieren viele Patienten mit Colitis ulcerosa gut auf Probiotika. Ein besonders schonender Einstieg ist täglich eine Tasse Bio-Naturjoghurt zum Frühstück – sofern er vertragen wird. Parallel dazu empfehlen sich wiederholte Kuren mit Präparaten aus lebenden und vermehrungsfähigen „guten“ Darmbakterien, am besten in hypoallergener Form. 

Nahrungsergänzungen

Entzündliche Darmerkrankungen können sich reduzieren, wenn sich Betroffene täglich mit folgenden Nahrungsergänzungen versorgen:

  • 3000 IE Vitamin A
  • 800 mg Vitamin E
  • jeweils 50 mg Vitamin B1, B2, B6 (sie unterstützen die Heilung der Darmwand)
  • 0,4 mg Folsäure
  • 50 Mikrogramm Vitamin B12
  • 50 – 100 mg Zink
  • 25 – 30 g niedermolekulares Protein, in Wasser aufgelöst (dafür den Verzehr von Fleisch, Milch, Eiern und Meeresfrüchten reduzieren).
  • 2,5 – 3 g EPA Omega-3-Fettsäuren in Form von Fischölkapseln. Sie können den Umfang und die Heftigkeit der Entzündungen vermindern.

Pflanzenheilkunde

Unterstützend kann man Heilpflanzen einnehmen wie Kamille und Hamamelis, die beide entzündungswidrig und schleimhautstärkend wirken. Es empfiehlt sich eine Einnahme dieser Pflanzen als Tee oder als Urtinktur.

Auch sog. Muzilaginosa wie Malvenblüte und Leinsamen, deren Schleimstoffe sich schützend über die Darmschleimhäute legen, können die Schleimhaut widerstandsfähiger gegen Entzündungen machen.

Bei chronischen Beschwerden sind gerbstoff- und bitterstoffhaltige Heilpflanzen empfehlenswert, z. B. Tormentillwurzel, Eichenrinde oder Kalmus. Zur Reduzierung von häufigen Blutbeimengungen auf dem Stuhl setzt man arzneiliche Zubereitungen aus Wasserpfeffer und Gänsefingerkraut ein.

Alle genannten Heilpflanzen sind in Apotheken in mehreren Zubereitungsformen erhältlich.

Mit Komplexhomöopathie, konsequenter Ernährungsumstellung, ausgewählten Nahrungsergänzungen und Heilpflanzen lässt sich eine Colitis ulcerosa in vielen Fällen sehr positiv beeinflussen.

© Margret Rupprecht

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