Borreliose

„Wenn man beim Stich der Biene oder des Schicksals nicht stille hält, so reißt der Stachel ab und bleibt zurück“, schreibt der Dichter Jean Paul und liefert damit einen wertvollen Gedanken für die Antwort auf die Frage, warum viele Menschen, die von Zecken mit Borrelien infiziert werden, nicht an Borreliose erkranken. Und warum die Krankheit bei manchen Patienten von selbst ausheilt, während sie bei anderen über Jahrzehnte die Gesundheit untergräbt. „Die Lyme-Borreliose hat die Lues als Chamäleon der Medizin abgelöst“ schrieb vor einiger Zeit ein Dozent der Universität Frankfurt. Warum die Krankheit bei manchen Menschen extrem therapieresistent verläuft und bei anderen rasch und folgenlos abklingt, ist eine Frage, die von der Schulmedizin letztlich nicht beantwortet werden kann. Sie hängt zutiefst mit der physischen und psychischen Verfassung des betroffenen Patienten zusammen und mit der Frage, ob er belastende Konflikte – bewusst oder unbewusst – mit sich herumträgt. Borrelien sind Bakterien aus der Familie der Spirochäten. Sie haben eine schraubenförmige Gestalt mit relativ breiten, unregelmäßigen Windungen. Auf der Symbolebene gibt es durchaus Verbindungen zu dieser spezifischen Bakterienform. Menschen, die unter Borreliose leiden, stecken oft in einem Konflikt, in dem sie sich seit Jahren im Kreis drehen. In ihnen arbeitet ein bestimmtes Thema, das sie oftmals nicht ins Bewusstsein dringen lassen können oder es nicht anzusprechen wagen und folglich auch nicht gelöst bekommen. Der Stechapparat einer Zecke wird dann sozusagen zum Stachel des Schicksals und zur Aufforderung, innezuhalten und sich zu fragen, wie man für sich persönlich aus dem „Teufelskreis“ von inneren und äußeren Belastungsfaktoren ausbrechen kann, die insbesondere bei hartnäckigen Formen von chronischer Borreliose das Gesundwerden blockieren.

Borreliose – eine bakterielle Infektionskrankheit

Borreliose, auch Lyme-Borreliose genannt, ist hinsichtlich ihrer Diagnostizierbarkeit eine relativ neue Krankheit: Sie wurde in den 1970er Jahren im Ort Lyme im US-Bundesstaat Connecticut erstmals beobachtet. Ihr Erreger, Borrelia burgdorferi, erhielt seinen Namen vom Schweizer Bakteriologen Willy Burgdorfer, der das Bakterium 1981 in den USA entdeckte und beschrieb. Die Krankheit wird durch Zecken (Ixodes ricinus) übertragen.

Borrelia burgdorferi ist dem Syphilis-Erreger Treponema pallidum verwandt. Wie dieses breiten sich Borrelien nach der Infektion über den Blutkreislauf im gesamten Organismus aus. Sie können jedes Organ befallen, ferner Nervensystem, Gelenke und Bindegewebe, was der Borreliose die Bezeichnung „multisystemische Krankheit“ eingebracht hat. Nicht nur der Mensch, auch alle anderen Säugetiere und Vögel können von Borrelien infiziert werden. Dennoch ist kein Grund zur Panik angesagt, auch wenn die Krankheit von den Medien häufig dramatisiert wird. Vor allem in Endemiegebieten, in denen der Durchseuchungsgrad der Zecken sehr hoch ist. Ganz so schnell infiziert man sich aber doch nicht, nicht jede Infektion führt zur Erkrankung und viele Borreliosen heilen auch ohne Therapie folgenlos aus.

In Norddeutschland beträgt die Durchseuchung der Zecken mit Borrelia burgdorferi etwa 6 bis 10 %, während sie im süd- und mitteldeutschen Raum bei 20 bis 30 %, in einzelnen Regionen bei 50 % liegt. Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts führt nur einer von dreihundert Zeckenbissen zur Borreliose. Und nur einer von zehn Betroffenen, die von einer infizierten Zecke gebissen werden, erkrankt auch daran. Zecken benötigen für die Übertragung der Borrelien auf den Menschen zwischen 6 und 48 Stunden. Je früher das Tier – am besten mit einer speziellen Zeckenpinzette – entfernt wird, desto geringer ist das Risiko, an Borreliose zu erkranken, selbst wenn die Zecke infiziert war.

Borreliose wird nicht direkt von Mensch zu Mensch übertragen. Die betroffenen Patienten sind für andere nicht ansteckend, auch nicht über sexuelle Übertragungswege. Wenn jedoch eine schwangere Frau an Borreliose erkrankt, kann die Infektion zu einer Totgeburt führen oder das ungeborene Kind schädigen.

Krankheitsbild mit schwer zu fassender Symptomatik

Eine Borrelieninfektion kann völlig unkompliziert verlaufen, aber auch über Jahrzehnte zu immer wieder aufflackernden Krankheitsschüben führen, welche die Gesundheit des betroffenen Patienten chronisch untergraben. Hier kommt der Satz des Münchner Arztes und Hygieneforschers Max von Pettenkofer ins Spiel: „Der Erreger ist nichts, das Milieu ist alles.“ Zu seiner Zeit entdeckten Kollegen wie Rudolf Virchow das Bakterium und stellten die These auf, dass Erreger die eigentliche Krankheitsursache seien. Pettenkofer war anderer Meinung. Er glaubte, dass die gesundheitliche Verfassung des Wirtsorganismus, also das geschwächte Milieu des Patienten, Voraussetzung dafür sei, dass ein Mensch überhaupt krank wird und, wenn ja, wie stark er an der Infektion erkrankt. Als Beweis schluckte Pettenkofer, ein kräftiger, gesunder Mann, einige lebende Cholerabakterien. Sie lösten bei ihm lediglich einen kurzdauernden, unkomplizierten Durchfall aus, der sich rasch wieder legte. Vom Vollbild der klassischen Cholera-Erkrankung blieb Pettenkofer verschont, denn sein physisches und psychisches Milieu war robust genug, um mit den Keimen im Vorfeld fertig zu werden.

Auch im Fall der Borreliose ist das dargebotene Milieu, also die gesundheitliche Verfassung des Wirtsorganismus, entscheidend für Ausbruch, Schwere und Chronifizierungsneigung der Krankheit. Borreliose verläuft in drei Stadien. Je geschwächter das Milieu, desto eher entwickelt sich die Krankheit bis zum Stadium III und desto therapieresistenter bleibt sie.

Stadium I

Nach einer Inkubationszeit von etwa 5 – 29 Tagen kommt es auf der Haut zu einem klassischen Ausschlag, der zunächst nur handtellergroß ist, dann aber an Umfang zunimmt: die sog. Wanderröte, Erythema migrans. Sie bildet sich manchmal ohne Behandlung zurück, kann aber auch monatelang bestehen. Ihr Verschwinden ist kein Beweis dafür, dass die Borreliose ausgeheilt ist, da die Erreger im Organismus gestreut haben können. Die Wanderröte nimmt ihren Anfang bei der Einstichstelle der Zecke und breitet sich von dort mehr oder weniger kreisförmig aus, denn die Borrelien wandern vom Insektenstich aus zunächst nur in der Haut ringförmig nach außen (2 cm/Tag). Das Erythema migrans gilt als eindeutiges Symptom für Borreliose. Wenn ein oder zwei Wochen nach einem Zeckenstich diese charakteristische Rötung um die Einstichstelle herum auftritt, ist das eine sichere Indikation für die antibiotische Therapie. Aber Achtung! Die Wanderröte fehlt etwa bei der Hälfte aller Borreliosen! Wenn sie nicht auftritt, ist das noch lange kein Beweis, dass es nicht zur Infektion gekommen ist. Auch darf sie nicht mit der ein bis zwei Zentimeter großen, normalen Rötung an der Einstichstelle verwechselt werden, die als Folge des Zeckenbisses meist stark juckt und in der Regel nach einer Woche wieder verschwindet.

Im ersten Stadium einer Borreliose kann es bereits zu Allgemeinsymptomen wie Schwäche, Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen und Fieber kommen.

Auch wenn unter naturheilkundlichen Aspekten das Thema Antibiotika oft und zu Recht kritisch gesehen wird: Bei Patienten mit Borreliose sind Antibiotika ein Muß! Je früher sie gegeben werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, die Krankheit vollständig auszuheilen. Borrelien vermehren sich im Körper langsam, sind vom Immunsystem geschwächter Patienten aber nur mühsam in Griff zu bekommen. Wird die Krankheit lange nicht erkannt und gelangt bis zum Stadium III, kann sie auch mit Antibiotika kaum noch geheilt werden. Dann haben sich die Borrelien im Gehirn festgesetzt, wohin Antibiotika nicht reichen, da sie die sog. Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden können. Vom Gehirn aus gelangen immer wieder Keime in den Stoffwechsel. Dort lassen sie sich antibiotisch behandeln, was die Symptomatik kurzfristig bessert. Das „Nest“ im Gehirn bleibt aber bestehen. In Zeiten von Stress und Immunschwäche flackert die Borreliose wieder auf und führt zu bleibenden Organschäden. Hat der „Teufelskreis“ jener spiraligen Bakterien einmal das Steuerungszentrum des Patienten, das Gehirn, erfasst, ist es höchste Zeit, eine konsequente psychische und physische Terrainsanierung durchzuführen (s. u.).

Stadium II

Etwa drei Monate nach dem Zeckenbiss haben sich die Erreger bei einer unerkannten und nicht behandelten Borreliose im ganzen Körper ausgebreitet.

Im Stadium II treten in stärkerem Maße unspezifische Allgemeinsymptome auf, die leicht zur Verwechslung mit einem harmlosen grippalen Infekt führen können. Typisch sind Erschöpfung, Kopf- und Muskelschmerzen, Gelenkentzündungen, Fieber und Lymphknotenschwellungen. Auch Schweißausbrüche, Sehstörungen oder Störungen des Tastsinns kommen vor.

In 10 % der Fälle entwickelt sich eine sog. Neuroborreliose. Hier befällt die Krankheit das Gehirn und Nervensystem. Typisch für die Neuroborreliose sind Hirnhaut- und Nervenwurzelentzündungen. Dabei kann ein einzelner Nerv betroffen sein und zur Lähmung führen oder das Nervensystem des Herzens, was Herzrhythmusstörungen nach sich zieht. Auch Herzentzündungen werden in Stadium II beobachtet.

Stadium III

Wird die Krankheit auch im zweiten Stadium nicht erkannt und behandelt, kann sie bei entsprechend geschwächten Patienten in das Stadium der Spätmanifestation übergehen. Die chronische Borreliose ist durch ständiges Wiederkehren charakterisiert. Zwischen den akuten Schüben können zwar Monate und Jahre völliger Symptomfreiheit liegen, doch sobald der Patient durch Belastungen oder Krankheiten geschwächt ist, flackert die Borreliose wieder auf. Typische Symptome des Spätstadiums sind Hirn- und Hirnhautentzündungen, Nervenschmerzen, chronische Erkrankungen der Sinnesorgane, Gelenke und Muskeln, Gefäßentzündungen, Herzkrankheiten und eine unerträgliche Müdigkeit und Erschöpfung, die sich auch durch Schlaf kaum bessert.

Ursachen einer Borreliose

Warum erkrankt ein Mensch an Borreliose? Den Stich einer infizierten Zecke dafür als Ursache zu nennen, greift wohl ein wenig zu kurz. Immerhin werden nicht wenige Menschen von Zecken mit Borrelien infiziert, ohne zu erkranken.

Die tiefere Ursache für die Erkrankung liegt in einer Schwächung des Stoffwechselmilieus und in schweren akuten oder chronischen Belastungen seelischer Natur. Nehmen sie überhand, kann das Immunsystem nicht mehr die notwendige Kraft aufbringen, um die Infektion nachhaltig zu bekämpfen.

Schwächende Faktoren gibt es viele. Dazu zählen Übersäuerung durch regelmäßigen Überkonsum von Fleisch und Alkohol, Fehlernährung mit zu viel Produkten aus Weißmehl oder weißem Zucker, Vitaminmangel durch nicht ausreichende Ernährung mit frischem Obst und Gemüse, mangelnde Entgiftung des Körpers als Folge einer chronisch unzureichenden Trinkmenge, Schlafmangel, psychischer Stress in Familie oder Beruf und so weiter. Wo im individuellen Fall die Defizite liegen, kann letztlich nur der betroffene Patient selbst erspüren. Auf jeden Fall ist Borreliose ein ernster Hinweis, dass Körper und Seele deutlich mehr Aufmerksamkeit und Pflege benötigen, als es in der Vergangenheit der Fall war.

Und das lohnt sich. Denn so hartnäckig eine Borreliose ist: Sie kann auch selbstlimitierend verlaufen und ohne Behandlung ausheilen.

Schwierige Diagnose einer Borreliose

Eine Borreliose ist laborchemisch nur schwer zu diagnostizieren. Antikörpertests geben lediglich Auskunft darüber, ob ein Erregerkontakt stattgefunden hat oder nicht. Sie können aber nichts darüber aussagen, in welchem Stadium sich die Krankheit befindet oder ob sie vielleicht schon ausgeheilt ist. So lässt sich auch nicht überprüfen, ob ein gegebenes Antibiotikum wirksam war oder nicht.

Da in den ersten Wochen nach dem Zeckenbiss noch keine Antikörper gegen Borrelienantigene gebildet werden, ist ein Antikörpertest im Stadium I der Erkrankung nicht unbedingt aussagekräftig. Die „diagnostische Lücke“ zwischen dem Zeitpunkt der Infektion und der ersten Antikörperbildung ist bei Borreliose sehr groß. Eindeutige Symptome wie die Wanderröte sind daher wertvolle Hinweise und berechtigen zur sofortigen Antibiotikagabe.

In späteren Stadien ist der Antikörpertest aussagekräftiger, wobei es immer noch in einem von drei Fällen zu falsch negativen Ergebnissen kommen kann.

Seit einigen Jahren gibt es den LTT – Lymphozytentransformationstest, der Borrelien-spezifische T-Zellen im Blut nachweisen und den Verdacht auf eine aktive Borreliose zuverlässiger bestätigen kann.

Auch der PCR-Nachweis (Polymerase Chain Reaction) ist hochspezifisch, wobei auch hier ein negatives Ergebnis eine aktive Borreliose nicht ausschließt.

Die Symptomatik einer Borreliose ist derjenigen anderer Krankheitsbilder und Infektionen nicht unähnlich. Dazu gehören vor allem die multiple Sklerose, ferner aktivierte Arthrosen, Fibromyalgie, rheumatoide Arthritis und andere Gelenkentzündungen.

Was der Arzt bei Borreliose tun kann

Wenn Sie keine Zeckenpinzette in Ihrer Hausapotheke haben, sollten Sie sofort zur nächsten Apotheke bzw. zum Arzt gehen, um sich das Tier fachmännisch entfernen zu lassen. Dazu ist am besten eine spezielle Zeckenpinzette bzw. Zeckenzange geeignet. Je früher die Zecke aus der Haut herausgezogen wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, mit Borrelien infiziert zu werden.

Im Stadium I der Erkrankung verordnet der Arzt in der Regel für ein bis zwei Wochen spezielle Antibiotika. Befindet sich die Borreliose schon im Stadium II oder III, wird hochdosiert Penicillin oder Ceftriaxon gegeben.

Zu Beginn einer Borreliose-Infektion ist für den Arzt noch nicht absehbar, ob der betroffene Patient die Krankheit aus eigener Kraft überwinden kann oder nicht. Es ist zwar im Bereich des Möglichen, dass die Infektion selbstlimitierend verläuft und ein Antibiotikum dann nicht nötig gewesen wäre, es kann aber auch sein, dass sich die Borreliose zum Stadium II oder III weiterentwickelt. Angesichts der schweren Spätschäden wäre es unverantwortlich, auf Antibiotika zu verzichten. Die Borreliose ist ein klassisches Beispiel dafür, dass Antibiotika, auch wenn sie oftmals zu schnell und zu leichtfertig verschrieben werden, wertvolle und unverzichtbare Arzneimittel sind, die dem betroffenen Patienten schwere Spätschäden ersparen können.

Was Sie selbst bei einer Borreliose tun können

Die beste Borreliosetherapie beginnt bei der Vorbeugung. Tragen Sie bei Waldspaziergängen oder Gartenarbeit lange helle Hosen und hohes Schuhwerk (Strümpfe über die Hosenbeine ziehen). Zecken lassen sich nicht von Bäumen fallen, sondern sitzen auf hohen Grashalmen. Hohes Gras ist ein sehr beliebter Aufenthaltsort der kleinen Blutsauger und sollte vor allem in Endemiegebieten nicht mit nackten Beinen durchwandert werden.

Repellentien (Zeckenschutzmittel) können das Risiko von Zeckenstichen verringern. Sie bieten allerdings nur einen begrenzten Schutz, da ihre Wirkung nach vier bis sechs Stunden nachlässt.

Gegen Borreliose gibt es keine Impfmöglichkeit. Diese steht bisher nur gegen das ebenfalls von Zecken übertragene FSME-Virus zur Verfügung, das die Frühsommer-Meningoenzephalitis auslöst.

Falls Sie sich viel im Freien aufhalten, gerne im Wald spazieren gehen oder einen großen Garten haben, sollten Sie sich eine spezielle Zeckenpinzette zulegen. Mit diesem Werkzeug packt man die Zecke möglichst nahe an ihrem Stechapparat und zieht sie aus der Haut heraus. Man sollte das Tier dabei nicht drehen, sondern nur ganz leicht rütteln. Noch wichtiger ist es, den Bauch oder Kopf der Zecke nicht zu quetschen, um keine Borrelien über den noch feststeckenden Stechapparat in die Blutbahn zu pressen. Bitte auch kein Öl oder Klebstoff auf die Zecke träufeln! Das Tier wird dadurch veranlasst, seinen möglicherweise schon erregerhaltigen Speichel in den Wirt zu erbrechen. Das erhöht die Infektionsgefahr.

Wer gerade keine Zeckenpinzette zur Hand hat, kann einen Faden um den Zeckenkörper legen, damit eine Schlinge bilden und das Tier ganz vorsichtig herausziehen. Anschließend die Einstichstelle mit einem Wunddesinfektionsmittel oder Alkohol desinfizieren. Da die Borrelien im Zeckendarm sitzen, ist es ungefährlich, wenn beim Herausziehen der Stechapparat in der Haut stecken bleibt.

Er wird einige Tage später abgestoßen wie ein Holzsplitter.
Mittlerweile gibt es etliche Selbsthilfegruppen, über die Betroffene Adressen von Ärzten erhalten können, die sich auf die Behandlung von Borreliose spezialisiert haben.

Bei chronischen Formen von Borreliose ist eine tiefenpsychologisch orientierte Begleitbehandlung ratsam. Sie hilft dem Patienten, den psychosomatischen Hintergründen, die seine Krankheit aufrechterhalten, auf die Spur zu kommen. Das kann zu einschneidenden Veränderungen im privaten und beruflichen Leben führen, die oftmals längst überfällig, aber gerade deshalb notwendig und heilsam sind. Der Ausbruch aus dem Teufelkreis Borreliose gelingt manchmal nur durch eine konsequente Annäherung und Verarbeitung verdrängter Seeleninhalte. Das braucht Zeit und eine fundierte psychotherapeutische Begleitung. Aber es ist auch ein Weg, der sich lohnt.

In den vergangenen Jahren haben Heilpflanzenforscher herausgefunden, allen voran der Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl, dass die wilde Karde (Dipsacus fullonium) das Ausheilen einer Borreliose gut unterstützen kann – vor allem, wenn man sie mit einigen anderen immunstärkenden Pflanzen kombiniert. Bewährt hat sich folgendes Schema (parallel zur oder nach der ärztlich verordneten Antibiotikatherapie):

Echinacea-Urtinktur (Sonnenhut) für zwei Wochen, anschließend

Absinthium-Urtinktur (Wermut) für drei Wochen, dann

Geranium robertianum-Urtinktur (Storchenschnabel) für drei Wochen, zuletzt

Dipsacus fullonium-Urtinktur (Wilde Karde) für drei bis sechs Wochen.

Die genaue Tropfenzahl pro Tag richtet sich individuell nach der Schwere des Krankheitsbildes und der Konstitution des Patienten. Sie sollte optimalerweise mit einem Apotheker, Arzt für Naturheilverfahren oder Heilpraktiker abgestimmt werden.

Ernährung bei Borreliose

Die Nahrungs- und Nährstoffempfehlungen bei Borreliose sind denjenigen bei allgemeinen Infektionskrankheiten ähnlich. Das Immunsystem braucht viel vitalstoffreiche Kost, am besten in Form von reichlich Obst und Gemüse aus biologisch-dynamischem Anbau. Besonders wertvoll sind rote Beete und Karotten, da sie reichlich immunstärkende Karotinoide enthalten. Wertvoll für die Infektbekämpfung sind auch Knoblauch, Bärlauch, Lauch und Zwiebel. Ihr ätherisches Öl enthält schwefelhaltige Verbindungen, die eine bakterienhemmende Wirkung besitzen und die Aktivität der Killerzellen erhöhen. Gemüse sollte möglichst unverarbeitet, also roh oder nur leicht gegart, genossen werden. Zu langes Kochen zerstört die Vitamine. Ein mäßiger Konsum von Fisch, Eiern, leichtverdaulichen Milchprodukten (Joghurt, Frischkäse) oder ein wenig Fleisch aus artgerechter Tierhaltung sorgt für die Versorgung mit B-Vitaminen. Raffinierte Zuckerarten und gesättigte Fette tierischen Ursprungs schwächen die Immunabwehr; ähnliches gilt für Kaffee und Alkohol. Genügend Schlaf, Bewegung und Entspannung sind ebenfalls wichtige Voraussetzungen für ein leistungsfähiges Immunsystem und können der Abwehr helfen, die Borreliose endgültig zu überwinden. Stress, Ängste und Depressionen schwächen die Resistenz, positive Gefühlserlebnisse und Gemeinschaftserlebnisse stärken sie.

Wer an Borreliose erkrankt ist, sollte mit dem Rauchen aufhören, da Nikotin die Funktion der weißen Blutkörperchen beeinträchtigt.

Immunstärkend wirken die Vitamine A, C, E, B-Komplex und der Mineralstoff Zink. Bei Borreliose hat sich die hochdosierte Substitution dieser Substanzen bewährt. Dabei sollte unbedingt auf Qualität geachtet werden. Hypoallergene Produkte sind verträglicher, wirksamer und haben eine höhere Bioverfügbarkeit als Billigpräparate.

Reichliches Trinken von Wasser entgiftet den Körper. Der Prozess lässt sich unterstützen, wenn die Flüssigkeitsaufnahme mit einigen Tröpfchen einer Taraxacum-Urtinktur (Löwenzahn) und Solidago-Urtinktur (Goldrute) kombiniert wird.

Die Bedeutung der Krankheit “Borreliose”

Louis Pasteur, französischer Chemiker und Mikrobiologe im 19. Jahrhundert, kam hinsichtlich der tieferen Ursache von Infektionskrankheiten zu ähnlichen Ergebnissen wie Pettenkofer. Er schrieb: „Wie oft kommt es doch vor, dass die Konditionen des Patienten – seine Schwäche, sein Seelenzustand – eine allzu ungenügende Barriere gegen die Invasion der unendlich kleinen (Bakterien) darstellen.“ Auch für ihn waren psychologische Aspekte mitentscheidend, ob und wie stark ein Mensch an einer Infektion erkrankt.

Zu den psychosomatischen Faktoren einer akuten oder chronifizierten Infektion gehören häufig schwere Störungen im zwischenmenschlichen Bereich und in der Familienstruktur oder ein hohes Ich-Ideal, das durch innere oder äußere Faktoren zusammengebrochen ist. Auch Menschen mit gehemmten Aggressionen oder mangelndem Durchsetzungsvermögen reagieren häufig mit Abwehrschwäche ebenso wie Personen, die in symbiotischen und dann plötzlich auseinander brechenden Abhängigkeitsbeziehungen leben. Andere Stressfaktoren sind schwere Aufregungen, Angstzustände, lange unterdrückte Wut, massive Einschnitte in Beruf oder Familienstand (Stellenwechsel, Heirat, Trennung), Selbstunsicherheit, verdrängte neurotische Konflikte oder ein labiles Selbstwert- und Lebensgefühl.

So gesehen wird Heilung zu einer Aufgabe, die weit mehr bedeutet als nur die Symptomfreiheit im Rahmen der Infektion. Sie umfasst ein vertieftes Bewusstsein vom eigenen Selbst, die Erarbeitung eines gesunden Selbstbewusstseins, eines angemessenen Durchsetzungsvermögens und einer größeren emotionalen Selbständigkeit. Dazu gehören das Aussprechen unerwünschter Gefühle und das Entwickeln einer größeren persönlichen Klarheit hinsichtlich eigener Ziele und Werte. Der Weg zu einer gesunden Abwehrkraft ist ein Weg zum eigenen Selbst. Dieser Weg fordert die Auseinandersetzung mit Themen, die einem zuvor auf (und an) die Nerven gingen, und die Konfrontation mit vielem, was man sich lieber ersparen wollte. Wer diesen Weg auf sich nimmt, kann nicht nur gesund werden, sondern wird sich zu einem reiferen, bewussteren und vor allem selbst-bewussteren Menschen entwickeln – und das ist mindestens ein so erstrebenswertes Ziel wie die Überwindung der Borreliose.

Borrelien haben eine spiralförmige Gestalt. In der Symbolik steht die Spirale seit vorgeschichtlicher Zeit für Themen wie zyklische Entwicklung, Wiederkehr und Erneuerung. So gesehen kann die hartnäckige Infektionskrankheit auch als Aufforderung verstanden werden, sich auf einen langen Weg zu machen: den Weg zu sich selbst.

© Margret Rupprecht

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