Beinödeme

Nicht nur an heißen Sommertagen haben viele Menschen das Gefühl, dass ihre Füße im Tagesverlauf anschwellen und sie am Abend im wahrsten Sinne des Wortes „der Schuh drückt“. Vor allem Frauen wissen davon ein Lied zu singen. Wenn man abends noch einmal ausgehen möchte, sind die Füße manchmal so dick, dass an einen eleganten Gang in Pumps nicht mehr zu denken ist. Doch mit einigen einfachen Anwendungen und dem Einsatz entwässernder Heilpflanzen lassen sich die unangenehmen Schwellungen spürbar reduzieren.

Wie Beinödeme entstehen

Wasseransammlungen im Gewebe entstehen, wenn das Blut nicht in ausreichendem Maße zum Herzen zurück transportiert wird. Für diesen Rücktransport stehen mehrere Mechanismen zur Verfügung, die im Normalfall gut funktionieren: Da ist zum einen die Sogwirkung des Herzens. Immer, wenn das Organ sich zusammenzieht und neues Blut in die Arterien pumpt, saugt es aus den zuführenden Venen Blut in seine Kammern ein. Diese Sogwirkung ist nicht unerheblich und reicht im wahrsten Sinne des Wortes bis in die Zehenspitzen. Daneben wird der Rückfluss des Blutes aus den Beinen auch durch die sogenannte „Muskelpumpe“ gefördert: Das Zusammenziehen der Unterschenkel- und Oberschenkelmuskulatur übt einen Druck auf die Beinvenen aus, wodurch das in ihnen enthaltene Blut Richtung Herz zurück gepumpt wird. Dass es nicht immer wieder nach unten sackt, verhindern die Venenklappen. Diese haben eine Ventilfunktion. Wenn das Blut zum Herzen zurückströmt, schmiegt sich die Haut der Klappen an die Venenwände an. Droht das Blut jedoch zurück zu fließen, öffnen sich die Klappen und machen die Vene dicht, so dass ein Rückfluss nach unten verhindert wird.

Mit zunehmendem Alter oder bei vorhandener Venenschwäche kann die Funktion der Venenklappen nachlassen. Das Blut staut sich in den Beinen und seine wässrigen Anteile treten aus den kleinen Blutgefäßen heraus und ins Gewebe hinein. Der Raum zwischen den Zellen füllt sich mit wässriger Flüssigkeit, die eigentlich von den Venen aufgenommen und zum Herzen zurückgeführt werden müsste.

Wasseransammlungen in den unteren Extremitäten können sich auch bei Menschen bilden, deren Gefäßsystem gesund ist. Dies geschieht vor allem in den Sommermonaten. Durch Hitze erweitern sich die Blutgefäße, und zwar insbesondere die Venen. Das Blut staut sich in die Beine zurück und Wasser tritt aus den Gefäßen in die Gewebsspalten ein.

Abzugrenzen von diesen durch Sommerhitze oder konstitutionelle Faktoren bedingten generellen Ödemen, die sich vor allem in den Beinen abspielen, sind lokale postoperative und posttraumatische Lymphödeme, z. B. bei Sportverletzungen wie Zerrungen, Prellungen, Sehnenverletzungen, Knochenbrüchen, Verrenkungen und Quetschungen. Neben notwendigen schulmedizinischen Maßnahmen wirken hier regelmäßige Einreibungen mit einer guten Lymphsalbe beschleunigend auf den Heilungsverlauf und das Abschwellen der umgebenden Gewebe. Eine weitere Sonderform sind generalisierte Ödeme als Folge von Herzinsuffizienz. Wenn die Kraft des Herzmuskels nachlässt, verringert sich auch die Sogwirkung des Organs auf die Venengefäße. Die Behandlung der Herzinsuffizienz und ihrer Folgebeschwerden geschieht durch den Hausarzt oder den Kardiologen.

Psychosomatik von Beinödemen

Wenn Patienten unter Venenschwäche und Beinödemen leiden, obwohl ihre Nieren und ihr Herz gesund sind, kann eine Auseinandersetzung mit möglichen psychosomatischen Ursachen weiterhelfen. Hier gibt die Bildsprache der Beschwerden wertvolle Hinweise: Ödeme spielen sich im Bereich des Bindegewebes ab. Dieses gibt Muskeln und Organen ihren Halt; es sorgt dafür, dass der Organismus sozusagen „in geordneten Strukturen“ existiert. Venenbeschwerden und Wasseransammlungen im Gewebe sind ein Hinweis, dass diese Ordnung ein Stück weit verloren gegangen ist: Vom Herzen ausgesandte Vitalität und Lebensenergie – das Blut – besitzt dann die Tendenz, nicht in ausreichendem Maße zurückzukommen. Dahinter kann ein Lebensmuster von zu viel Selbstaufopferung und enttäuschten Erwartungen stehen. Man gibt viel von sich her, bekommt aber zu wenig zurück. Das führt auf Dauer zu Erschöpfung und zu einem Mangel an seelischem Halt, an innerer Spannung und psychischer Elastizität. Dann kann die Frage weiterhelfen: Was fehlt mir? Welche seelischen Bedürfnisse werden zu wenig beachtet?

Wer hier in Bewegung kommt, Entwicklungen zulässt, Aktivitäten entwickelt und gleichzeitig darauf achtet, nicht zum Opfer zu werden, kann viel seelische und damit wieder auch gewebliche Spannkraft zurückgewinnen.

Praktische Tipps bei Beinödemen

Melilotus officinalis (Steinklee)

Überall wo Stauungszustände zu beobachten sind kann Melilotus, z. B. als Urtinktur, seine erweichende und auflösende Kraft entfalten. Das gilt besonders für die chronische Venenschwäche: Schweregefühl in den Beinen, Krampfadern, nächtliche Wadenkrämpfe, Thrombusbildungen, Venenentzündungen, Hämorrhoiden und Ödeme gehören zu den bewährten Einsatzgebieten von Melilotus officinalis. Verantwortlich für die stark entstauende Wirkung ist der Inhaltsstoff Cumarin; er verflüssigt das Blut. Seine Derivate sind in zahlreichen Medikamenten zur Blutverdünnung und zur Behandlung von Embolien enthalten.

Carduus marianus (Mariendistel)

In der Naturheilkunde gibt es eine Grundregel: Keine Venentherapie ohne eine Therapie der Leber! Denn Leberschwäche führt zu Stauungszuständen in der Pfortader, was zu Wasseransammlungen in der unteren Körperhälfte, speziell im Bauchraum führen kann. Mariendistel ist eine vorzügliche Heilpflanze zur Regeneration der Leberzellen, zur Normalisierung des Leberstoffwechsels und zur Reduzierung des Pfortaderstaus. Auch hier empfiehlt sich der Einsatz als Urtinktur.

Solidago virgaurea (Goldrute)

Während Carduus marianus die Pfortader entstaut und die Regeneration des Leberfunktionsgewebes anregt, fördert Solidago die Ausleitung von Wasser über die Nieren und die Regeneration des Nierenfunktionsgewebes. Solidago besitzt entwässernde und entschlackende Eigenschaften. Man verwendet Goldrutenpräparate zur Anregung der Nierentätigkeit und zum Abbau von Wasseransammlungen.

Auch Präparate aus Ruscus aculeatus (Stechender Mäusedorn) und Aesculus hippocastanum (Rosskastanie) reduzieren über eine Tonisierung der Gefäßwände das Austreten von Wasser in den Zwischenzellraum, führen zu einem Abschwellen der Beine und einer Minderung des Druckgefühls.

Arzneiliche Zubereitungen aus den genannten Pflanzen – als Tee oder Urtinktur – sind in Apotheken rezeptfrei erhältlich. Man kann auch zwei Pflanzen miteinander kombinieren: gute Ergebnisse lassen sich beispielsweise mit Melilotus und Solidago erzielen.

Beinödeme: Bewegung entstaut!

Wenn es heiß ist und das Blut in den Beinen versackt, ist es hilfreich, mechanische Gegenmaßnahmen für den Rücktransport zu ergreifen. Am leichtesten geht das über die Anregung der Muskelpumpe. Je mehr die Betroffenen auf Trab bleiben und herumlaufen, desto besser. Wenn die Beinmuskulatur ordentlich zu arbeiten hat, fördert das den Rückfluss des Blutes zum Herzen ganz erheblich.

Wer einen sitzenden Beruf hat, kann sich über den Tag verteilt einige Pausen nehmen für aktivierende Übungen wie Kniebeugen oder das Abwechseln zwischen Zehen- und Fersenstand, z. B. fünfzig Mal. Die Wadenmuskulatur wird dabei stark beansprucht und übt einen kräftigen Massagereiz auf die Unterschenkelvenen aus. Patienten, die an Krampfadern und Beinödemen leiden, sollten beim Sitzen ihre Beine nicht übereinander schlagen. Wesentlich angenehmer und förderlicher für den venösen Rückfluss ist ein kleiner Fußhocker, den man sich unter den Schreibtisch stellt. Damit lassen sich die Füße etwas höher lagern. Die Auswirkungen der Schwerkraft auf das Gefäßsystem und damit auch die Schwellungsneigung werden spürbar reduziert.

Beinödeme: Kälte gibt Spannkraft

Bei Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen. Die Venenwand bekommt eine größere Spannung. Das Blut kann nicht mehr so leicht zurücksacken, sondern wird aufgrund des engeren Gefäßlumens rascher zum Herzen zurückgeführt. Zum Erreichen dieses straffenden Effekts haben sich Kneipp´sche Anwendungen bewährt:

  • Man stellt sich bis zum Knie ins kalte Wasser. Ein bis zwei Minuten Dauer sind völlig ausreichend.
  • Nach dem morgendlichen Duschen werden die Beine abwechselnd warm und kalt abgeduscht. Dies fördert die allgemeine Straffung der Venenwände. Wer seinen Beinen regelmäßig eine Wechseldusche angedeihen lässt, wird auf die Dauer im Sommer erheblich weniger unter Schwellungen leiden.
  • Wer nach einem anstrengenden Arbeitsalltag unter geschwollenen Beinen leidet, füllt die Badewanne etwa 20 cm mit möglichst kaltem Wasser und setzt sich für einige Minuten hinein. Dies stimuliert die Blutzirkulation in den Beinen und übt als positiven Nebeneffekt – gerade bei Frauen – einen kräftigenden Reiz auf den Unterleib aus, durch den in vielen Fällen auch das Zyklusgeschehen günstig beeinflusst wird. Nach dem Kaltbad reibt man Beine und Unterleib mit einem möglichst rauen Handtuch kräftig trocken.

Kaltwasseranwendungen führen zwar im Anschluss zu einer stärkeren Durchblutung, sorgen aber vor allem dafür, dass gestautes Gewebewasser schneller abtransportiert wird und sich über eine Zirkulationsverbesserung erneute Stauungszustände nicht mehr so schnell aufbauen können.

© Margret Rupprecht

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