Allergie

„Wer den Feind umarmt, macht ihn bewegungsunfähig“, sagt ein Sprichwort. In gewisser Hinsicht gilt dieser Satz auch für das Krankheitsbild Allergie: Eine Allergie ist eine von körperfremden, aber an sich harmlosen Substanzen ausgelöste Antikörperbildung mit nachfolgendem Entzündungs-, also Konfliktprozess. Bei der Allergie wird etwas zum Feind (Allergen) erklärt, das an sich keiner ist: Hausstaubmilben, Blütenpollen, Katzenhaare und ähnliches. Jede Allergie ist Ausdruck einer nicht gelungenen Integration von an sich normalen Substanzen. Schulmedizinische Allergietherapien zielen meist darauf ab, die auslösenden Stoffe zu meiden. Das ist in der Praxis oft nur schwer durchführbar und kann bei Mehrfachallergien zu massiven Beeinträchtigungen der Lebensqualität führen. Ein anderer Ansatz ist möglicherweise effektiver: Wer ein zunehmendes Verständnis dafür entwickeln kann, warum er auf manche Substanzen allergisch reagiert und welche tiefere Bedeutung hinter seinen spezifischen allergischen Reaktionen steht, kann den Konflikt dort lösen, wo er wirklich besteht: in der eigenen Psyche. Wenn es gelingt, das, was man innerseelisch bekämpft, auf die Bewusstseinsebene zu holen und emotional zu integrieren, braucht man auch im Außen nicht mehr auf so vieles aggressiv zu reagieren. Die Indikatorfunktion der Allergie kann sich dann manchmal erübrigen.

Was ist eine Allergie?

Das Krankheitsbild Allergie wird häufig als „Überempfindlichkeitsreaktion“ bezeichnet. Wörtlich übersetzt heißt es nichts anderes als „Reaktion auf Fremdstoffe“. Diese Fremdstoffe, sog. Allergene, sind eigentlich unschädliche Substanzen, auf die jedoch ein bestimmtes Individuum überempfindlich, d. h. mit einer Entzündung reagiert. Das Immunsystem schützt den Menschen vor Krankheitserregern und toxischen Substanzen. Auch harmlose Stoffe werden vom Immunsystem eliminiert – nur merkt man meist nichts davon, weil dies unterhalb der Wahrnehmungsschwelle abläuft. Klassische Allergene, deren Elimination aus dem Körper beim gesunden Menschen völlig symptomlos verläuft, sind pflanzliche Stoffe (Beispiel: Gräserpollen), tierische Substanzen (Beispiel: Bienengift, Hundehaare, Kuhmilcheiweiß), Metalle (Beispiel: Nickel in Modeschmuck) oder chemische Substanzen (Beispiel: Lebensmittelzusatzstoffe). In den letzten Jahrzehnten haben sich Allergien mehr und mehr gehäuft. Als Ursache wird die ständig steigende Belastung durch Fremdstoffe in der Umwelt diskutiert, der steigende Konsum von Genussmitteln und industriell vorgefertigter Nahrung sowie eine übertriebene Hygiene: Stadtkinder leiden 15mal häufiger an Allergien als Kinder, die auf einem Bauernhof groß werden. Letztere kommen schon in sehr jungen Jahren reichlich mit Pflanzen und Tieren in Kontakt, so dass ihr Immunsystem intensiver trainiert wird.

Allergien treten auch häufig in Familien auf, die sehr gesundheitsbewusst sind. Das Bemühen um ein besonders gesundes Leben lässt manchmal übertriebene Feindbilder entstehen. Auch wenn eine biologische Vollwertkost jeder anderen Ernährung vorzuziehen ist, muss auch mal ein Besuch bei Mac Donalds sein dürfen. Wenn Eltern in Sachen Gesundheit allzu ideologisch sind, übernehmen ihre Kinder die elterlichen „Überempfindlichkeiten“ und reagieren schnell allergisch auf harmloseste Substanzen. Für die Prophylaxe einer Allergie ist es wichtig, sich angst- und vorurteilsfrei dem Leben in seiner ganzen Fülle aussetzen zu können. Natürlich soll man seine individuellen Vorlieben suchen – aber deshalb braucht man das, was nicht dazu gehört, noch lange nicht zum „Feind“ zu erklären.

Woran merke ich, dass ich eine Allergie habe?

Die Symptomatik einer Allergie richtet sich nach ihrer Art und ihrem Typ.
Die Allergieart wird vor allem vom Aufnahmemechanismus bestimmt, z. B.

  • Inhalationsallergie: Einatmen von Allergenen in Staubform, z. B. Gräserpollen oder Hausstaubmilbenkot.
  • Nahrungsmittelallergie: Zufuhr von Allergenen durch Nahrungsaufnahme, z. B. Kuhmilch, Erdbeeren, Schweinefleisch, Lebensmittelzusatzstoffe.
  • Arzneimittelallergie: Ausgelöst durch Medikamenteneinnahme, besonders häufig bei Penicillin.
  • Insektengiftallergie: Tritt vor allem nach Bienen- oder Wespenstichen auf.
  • Parasiten- oder Mikrobenallergie: Findet sich bei Befall durch Würmer, Hefepilze im Darm und andere Parasiten bzw. Erreger, die sich längerfristiger im Körper einnisten können, vor allem im Verdauungstrakt.
  • Kontaktallergie: Allergische Reaktionen auf Schmuckmetalle, Kosmetika usw.

Neben der Unterscheidung nach Aufnahmemechanismen gibt es eine weitere nach der Art des Typs. Allergie ist noch lange nicht Allergie. Es gibt Formen, bei denen eine Reaktion sofort auftritt, und Formen, bei denen sich die Reaktionen erst nach mehreren Tagen bemerkbar machen. Im Wesentlichen unterscheidet man vier Typen, die isoliert oder auch als Mischform auftreten können:

  • Typ I (Soforttyp): Diese Form der Allergie wird durch sog. IgE-Antikörper vermittelt. Diese binden sich an bestimmte Zellen des Immunsystems (Mastzellen) und lösen die Freisetzung von Substanzen aus, z. B. Histamin, die eine Entzündung in Gang setzen. Ein typisches Beispiel ist der Heuschnupfen.
  • Typ II (Zytotoxischer Typ): Der Körper bildet Antikörper gegen Antigene, die auf der Oberfläche von körpereigenen Zellen oder Geweben liegen. Die ersten Reaktionen zeigen sich nach wenigen Minuten bis Stunden. Sie betreffen nur ein bestimmtes Organ oder Gewebe. Typische Beispiele sind Autoimmunerkrankungen oder die Zerstörung roter Blutkörperchen nach einer Bluttransfusion mit der falschen Blutgruppe.
  • Typ III (Immunkomplex-Typ): Hier bilden sich Immunkomplexe aus frei löslichen Antigenen und aus Antikörpern. Diese Komplexe können sich an Organen oder Geweben ablagern und dort allergische Reaktionen hervorrufen. Chronische, nicht ausheilende Infektionen, werden auf diese Weise aufrechterhalten. Die Allergie vom Typ III ist auch eine häufige Komplikation bei Autoimmunerkrankungen.
  • Typ IV (Spättyp): Sie wird nicht durch Antikörper, sondern durch T-Lymphozyten, eine Gruppe weißer Blutkörperchen, vermittelt. Die Aktivierung von T-Lymphozyten aktiviert weitere Abwehrzellen. Ein bekanntes Beispiel sind Kontaktallergien der Haut. Die Reaktion tritt verzögert auf, d. h. frühestens zwölf Stunden nach Berührung mit der auslösenden allergischen Substanz. Manchmal zeigen sich die ersten Symptome aber auch erst nach mehreren Tagen. Diese Form der Allergie wird daher auch als „Überempfindlichkeitsreaktion vom verzögerten Typ“ bezeichnet.

Die individuellen Symptome richten sich nach Art und Typ der Allergie. Sie dauern meist so lange an, wie die auslösenden Stoffe im Körper sind. In der Regel reagieren Haut und Schleimhäute. Sie zeigen die typischen Symptome einer Entzündung: Schwellung, Rötung und Sekretion. Je nach Lokalisation heißt das: Niesen, Schnupfen, gerötete Augen, Atemnot, Erbrechen, Durchfall; an der Haut: Nesselsucht und andere ekzemartige Ausschläge. Wenn sich das Allergen über den Blutweg im ganzen Körper ausbreitet, können auch Herz und Kreislauf reagieren. Blutdruckabfall und Herzrasen sind die Folge. In schweren, wenn auch äußerst seltenen Fällen der Typ I-Allergie, dem sog. anaphylaktischen Schock, kann der Blutdruckabfall so heftig sein, dass es innerhalb weniger Minuten zum Tod kommt.

Wenn Sie immer wieder unter Entzündungen von Haut und/oder Schleimhaut leiden, ohne dass gleichzeitig die typischen Anzeichen eines grippalen Infekts vorhanden sind, wie z. B. Gliederschmerzen oder Abgeschlagenheitsgefühl, oder wenn Sie beobachten, dass Ihre Beschwerden immer zur selben Jahreszeit auftauchen bzw. immer nach dem Genuss oder Kontakt mit einem bestimmten Nahrungsmittel oder einer bestimmten Substanz, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass es sich um eine Allergie handelt. In solchen Fällen ist es ratsam, für die genaue Diagnose einen Kinderarzt, Hausarzt, Hautarzt bzw. Facharzt für Allergologie aufzusuchen.

Der Weg zur Diagnose

Die Diagnose einer Allergie ist möglich, aber nicht einfach. Es beginnt schon damit, dass die Vielfalt der möglichen allergieauslösenden Substanzen schier unübersehbar ist. Man kann theoretisch auf alles allergisch reagieren. Allerdings gibt es Substanzen, gegen die sehr viele Menschen eine Allergie entwickeln, z. B. Gräserpollen, Kuhmilcheiweiß oder Tierhaare. Je genauer sich ein Allergiker beobachtet, desto leichter lassen sich seine individuellen Allergene entdecken.

Die Schulmedizin hat verschiedene Verfahren entwickelt, um festzustellen, auf welche Stoffe ein Mensch allergisch reagiert. Blutuntersuchungen im Labor können nachweisen, gegen welche Substanzen aus der Umwelt ein Mensch Antikörper und andere Abwehrzellen entwickelt. Bei sog. Provokationsuntersuchungen wird die Haut, Schleimhaut oder Lunge (Inhalation) ganz gezielt mit möglichen allergieauslösenden Stoffen in Kontakt gebracht. Es gibt eine ganze Reihe Hauttests, bei denen man anhand von Rötungen ziemlich genau sehen kann, auf welche Substanzen das Immunsystem eine Allergie entwickelt hat.

Die Diagnosestellung wird erleichtert, wenn ein Allergiker ein sog. Allergietagebuch führt und darin notiert, welche Speisen oder Medikamente er zu sich genommen hat bzw. zu welchen besonderen Substanzen es Kontakt gab. Ein penibel geführtes Allergietagebuch unterstützt das Eingrenzen von unwahrscheinlichen bzw. wahrscheinlichen Allergieauslösern.

Mögliche Ursachen

Warum ein Mensch an einer Allergie erkrankt, hat meist „idiopathische“ Ursachen. Das Wort leitet sich aus dem Griechischen ab (idios – eigen, pathos – Krankheit) und bedeutet eigentlich: Man weiß es nicht! Dafür gibt es umso mehr Hypothesen:

  • Genetische Veranlagung: Wenn ein oder beide Eltern Allergiker sind, besteht für das Kind ein erhöhtes Allergierisiko.
  • Übertriebene Hygiene: Besonders im ersten Lebensjahr ist der Kontakt mit bestimmten Bakterien wichtig, um das Immunsystem zu trainieren. Das schützt im späteren Leben vor dem Ausbruch von Allergien.
  • Mangelnder Parasitenbefall: Kinder, die an Wurmerkrankungen litten, sind später weniger anfällig für Allergien.
  • Umweltverschmutzung: Manche Pollen heften sich an Dieselpartikel und verkehrsbedingten Feinstaub an. Solche Komplexe unterstützen das Entstehen von Inhalationsallergien.
  • Impfungen: Die Überforderung des kindlichen Immunsystems durch zu frühe bzw. Mehrfachimfungen kann das Entstehen von Allergien begünstigen.
  • Auch Veränderungen in der Darmflora durch Antibiotika oder Probiotika sowie veränderte Eß- und Lebensgewohnheiten (Rauchen, Stress, kleinere Familiengrößen, industriell vorgefertigte Nahrung, Mikrowelle …) sind eine Belastung für das Immunsystem und fördern die Allergieentstehung.

Dennoch bleibt die Frage unbeantwortet, warum viele Menschen, die nicht zu den o. g. Risikogruppen zählen, an einer Allergie erkranken, andere hingegen, die durchaus unter diese Gruppen fallen, trotz eines erhöhten Risikos nicht zum Allergiker werden.

Von einer sehr mechanistisch und einseitig somatisch orientierten Medizin wird den psychosomatischen Ursachen einer Allergieentstehung immer noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Allergien sind letztlich körpersprachlicher Ausdruck eines Konfliktes zwischen zu hoher Aggression und zu hoher Sensibilität, Ausdruck eines überzogenen Feindbildes, das sich gegen Freunde (z. B. Lebensmittel) und nicht nur gegen Feinde (z. B. Viren) richtet. Betroffene kommen ein gutes Stück weiter, wenn sie sich von der Frage herausfordern lassen, auf welche Menschen oder Lebensumstände sie in den Tiefen ihrer Seele allergisch reagieren und wo sie im Außen – statt auf der Ebene des Immunsystems – offensiv werden sollten. (siehe unten: Die Bedeutung der Krankheit).

Was der Arzt tun kann

Bei der Allergie Typ I wird häufig eine Hypo- bzw. Desensibilisierung durchgeführt. Dies ist nur möglich, wenn man das auslösende Allergen kennt. Dem Allergiker wird das Allergen über mehrere Jahre in sehr geringer, aber allmählich steigender Dosierung gespritzt. Auf diese Weise soll sich das Immunsystem langsam an die Substanz gewöhnen. Desensibilisierungen sind eine langwierige Prozedur. Sie sind allerdings nicht in jedem Fall von Erfolg gekrönt.

Bei schweren Allergieformen, wenn das Allergen nicht bekannt ist oder nicht gemieden werden kann, verordnet der Arzt Antihistaminika oder auch Kortison. Antihistaminika wirken dem Auslöser der allergischen Entzündung, dem Histamin, entgegen, indem sie es blockieren. So lassen sich Symptome wie Juckreiz, Hautausschlag oder Schwellungen unterdrücken. Die Wirkung tritt in der Regel schnell ein. Antihistaminika sind aber nicht ganz frei von Nebenwirkungen. Sie können Müdigkeit, Sehstörungen, Mundtrockenheit und Übelkeit hervorrufen.

Auch Kortison ist eine entzündungshemmende Substanz. Es ist ein Hormon, das vom Körper selbst produziert wird. Als Medikament gegeben, blockiert es die Entstehung der Allergiesymptome. Kortison ist ein Notfallmedikament, das nach Möglichkeit keine Dauerlösung sein sollte. Über Jahre eingenommen kann es Osteoporose, Bluthochdruck und Gewichtszunahme nach sich ziehen. Die Haut wird durch eine Langzeit-Kortisontherapie pergamentartig dünn. Bei Diabetikern kann sich der Blutzuckerspiegel verschlechtern.

Die vom Arzt gegebenen Medikamente sind als Erste-Hilfe-Medikation in Notfällen berechtigt. Sie stellen jedoch keine kausale Therapie dar. Die wirkliche „Lösung“ für die Frage, warum ein Mensch überschießend auf harmlose Substanzen reagiert, muss anderswo gesucht werden.

Was Sie selbst tun können

Die wirksamste „Erste Hilfe“ in der Allergiebehandlung ist das Erkennen und Vermeiden des auslösenden Allergens, die sog. Expositionsprophylaxe. Doch dieses Vorgehen löst das Problem letztlich nicht an der Wurzel.

Einer Allergieentstehung kann man vorbeugen, zumindest in einem gewissen Rahmen.
Wenn ein Elternteil oder sogar beide Allergiker sind und deshalb befürchten, dass ihr Kind ebenfalls eine Allergie entwickelt, sollten Sie folgendes beachten:

  • Stillen Sie Ihr Kind möglichst bis zum sechsten Monat, ggf. auch länger.
  • Stadtkinder erkranken um ein Vielfaches häufiger an Allergien als Landkinder. Überbehüten Sie Ihre Kinder nicht, sondern lassen Sie sie laufen! Es gibt kein besseres Immuntraining als reichlicher Aufenthalt an der frischen Luft, Spielen im Matsch und der Umgang mit Tieren. Am Abgeschlecktwerden durch eine feuchte Hundeschnauze ist noch kein Kind gestorben, im Gegenteil! Wenn Sie in der Stadt wohnen, machen Sie mit Ihren Kindern Urlaub auf dem Bauernhof. Nicht nur wegen des Immuntrainings, sondern weil es für Kinder wichtig ist zu erleben, dass Milch aus einer Kuh und nicht aus einer Tüte kommt und Eier von Hühnern gelegt werden und nicht in einer Pappschachtel wachsen.
  • Bevorzugen Sie eine basenbildende Vollwertkost aus dem Bioladen, aber machen Sie kein Drama daraus, wenn Ihr Kind eine Tüte konventioneller Gummibärchen geschenkt bekommt und diese auch noch mit Begeisterung verzehrt….
  • Bleiben Sie „locker“! Wenn Kinder beobachten können, dass ihre Eltern einerseits ein gutes Wertesystem entwickelt haben und andererseits dennoch – oder gerade deshalb – spielerisch und locker mit dem Leben umgehen können, entwickeln sie keine unnötigen „Feindbilder“ – und auch keine Allergien.

Wenn eine Allergie erst im Erwachsenenalter auftritt, sollte man den Zähnen erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Chronische Zahnwurzelentzündungen, Knochenentzündungen im Ober- und Unterkiefer (die nicht unbedingt Schmerzen bereiten müssen), Amalgam und andere unverträgliche Substanzen der Zahnbehandlung, aber auch chronische Mandel- und Nebenhöhlenentzündungen können einen Fokus (Herd) darstellen, der das Lymphsystem über Monate und Jahre belastet. Es kommt zur sog. Reizaddition: Der Lymphabfluss im betroffenen Gebiet ist chronisch belastet. Ein Störfeld entsteht. Die vom Herd ausgesandten toxischen Substanzen können den Organismus sensibilisieren und ihrerseits zu Allergenen werden, die eine allergische Reaktion nach sich ziehen. Das vegetative System ermüdet und das Immunsystem auch. Eine Allergie ist immer auch Zeichen eines energetisch geschwächten Systems im Sinne einer nicht mehr zu kompensierenden Reizaddition. Heilung wäre dann eine Art Reizsubtraktion und umfasst Maßnahmen wie: Zahnsanierung, Umstellung der Ernährung auf basenbildende, vitaminreiche Vollwertkost, mehr Schlaf und Entspannung, Psychotherapie und Verbesserung des psychischen Reaktionsverhaltens usw.

Wer eine wirklich kausale Therapie seiner allergischen Beschwerden wünscht, kann dieses Ziel oft mit einer naturheilkundlichen Behandlung erreichen. Bewährt haben sich Eigenblutbehandlungen, Akupunktur und Homöopathie, die vom Heilpraktiker oder vom Arzt für Naturheilverfahren durchgeführt werden: Es gibt eine Art homöopathischer Desensibilisierung: Dem Patienten wird dabei während eines akuten Allergieschubs etwas Blut entnommen, aus dem in einem Speziallabor ein homöopathisches Medikament hergestellt wird. Dieses wird nach einem bestimmten Therapieplan in aufsteigender Potenz gespritzt. Der Vorteil: Das eigene Blut enthält die allergieauslösenden Substanzen. Reinjiziert in homöopathischer Potenzierung regt es den Organismus an, diese Substanzen nach und nach tolerieren zu lernen. Die arzneiliche Weiterverarbeitung von Eigenblut zum Antiallergikum ist die individuellste und deshalb oft auch eine wirkungsvolle Allergietherapie. Sie wirkt manchmal gerade auch in jenen Fällen, in denen die auslösenden Allergene nicht bekannt sind.

Ernährung bei Allergie

Es gibt Nahrungsmittel und Nahrungsmittelinhaltsstoffe, die als „natürliche Antihistaminika“ wirken, d. h. allergische Symptome reduzieren können. Zu ihnen gehören die Nährstoffe Vitamin C, Vitamin B3, Pantothensäure, der Vitamin-B-Komplex allgemein, Kalzium, Magnesium und Gamma-Linolensäure. Eine frische, basenbildende Vollwertkost mit reichlich Obst und Gemüse ist daher in jedem Fall eine gute Allergietherapie.

Unter den Lebensmitteln sind die häufigsten Allergieauslöser: Eier, Erdnüsse, Fisch und Schalentiere, Milchprodukte, Tomaten, Weizen, Mais, Zitrusfrüchte, Lebensmittelzusatzstoffe und Geschmacksverstärker. Besonders Konservierungsstoffe auf Sulfitbasis, die sich häufig in Frischprodukten, Dörrobst, Fertigsalaten, Kartoffelprodukten und Wein finden, können zum Auslöser einer Nahrungsmittelallergie werden. Schokolade, schwarzer Tee, Kaffee und Alkohol werden von Allergikern ebenfalls schlecht vertragen, auch wenn sie keine Allergene im eigentlichen Sinne sind.

Was ein Allergiepatient verträgt und was nicht, kann nur individuell und durch Ausprobieren festgestellt werden. Als Daumenregel gilt sicherlich: Frischkost ist jedem industriell vorgefertigten Lebensmittel vorzuziehen. 

Zum Thema Allergieprophylaxe bei Kindern: Es hat sich bewährt, mit potenziell allergenen Nahrungsmitteln schon im Alter von fünf/sechs Monaten zu beginnen. Diese Lebensmittel sollten Kinder dann immer wieder zu sich nehmen, denn der regelmäßige Verzehr führt zu einer immunologischen Toleranz, die dann meist das ganze Leben lang anhält. Ob Eier, Fisch, Nüsse oder Weizenbrot: “Von allem ein bißchen und bunt durch die Küche” rät Sibylle Koletzko, Ernährungsexpertin am Hauner´schen Kinderspital der Universität München. Mit einer Ausnahme: Kuhmilch. Diese enthält zu viel schwer verträgliches Eiweiß, zu wenig Eisen und zu viel Phosphor. Ansonsten praktiziert man bei der Kinderernährung heute eher Konfrontation statt Kontaktvermeidung. Kleine Kinder müssen neue Nahrungsmittel etwa acht bis zwölf Mal vorgesetzt bekommen, bis sie ihnen doch noch schmecken. Es braucht also ein bißchen Geduld und Hartnäckigkeit seitens der Eltern, um Kinder an die unterschiedlichen Geschmacksnuancen einer breiten Lebensmittelauswahl zu gewöhnen.

Die Bedeutung der Krankheit

Eine Allergie kann verstanden werden als eine auf die Körperebene übertragene Form von Überreaktion, „Hochrüstung“ und übertriebener Abwehr. Dahinter kann sich nach Meinung des psychosomatischen Arztes Dr. Ruediger Dahlke eine starke und dem Betroffenen nicht bewusste Form der Aggression verbergen. Allergien bei Kleinkindern können, aber müssen nicht Ausdruck einer Abwehr gegen ein Überbehütetwerden durch die Mutter sein. Die Kinder überängstlicher Mütter entwickeln häufiger eine Allergie als diejenigen von Frauen, die ihren Kindern einen größeren Raum zum Experimentieren lassen.

Bei Erwachsenen kann das Allergen, auf das man reagiert, einen Hinweis auf die tiefere seelische Problematik geben. Allergien gegen Tierhaare können eine Angst vor der animalischen Seite des Lebens ausdrücken. Pollenallergie kein ein Ausdruck von Angst vor Fruchtbarkeit, Sexualität und Triebhaftigkeit sein. Eine Allergie gegen Hausstaubmilbenkot kann die Abwehr des Unsauberen und Unreinen zum Ausdruck bringen.

Auch hier gilt der Satz „Wer den Feind umarmt, macht ihn bewegungsunfähig.“ Nach diesem Prinzip funktionieren auch Desensibilisierungs- und Eigenbluttherapien. Es ist in erster Linie die Konfrontation mit dem Abgewehrten, was Heilung bringen kann. Wem es gelingt, die Themen, die er innerpsychisch ablehnt, zu leben und zu integrieren, erübrigt seinem Körper die Indikatorfunktion für seine unbewusste und über´s Ziel hinausschießende Abwehr. Menschen, die keine Berührungsängste bei Schmutz haben, werden in den seltensten Fällen an einer Hausstaubmilbenallergie erkranken.

Allergie ist auch eine Krankheit der Defensive. Das wird spätestens bei der Expositionsprophylaxe, dem gezielten Vermeiden bestimmter Allergene, mehr als deutlich. Der Lebens“kampf“ wird nicht mehr dort ausgetragen, wo er stattfinden sollte, nämlich im Bereich von Aufgaben, Herausforderungen und zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern gegen Lebensmittel und harmlose Stäubchen geführt. Wer es lernt, sein Leben wieder zu wagen, es offensiver in die Hand zu nehmen, aggressionsbereiter zu sein, verlagert den Kampf von innen nach außen, vom Immunsystem ins wirkliche Leben – wo er hingehört. Die Indikatorfunktion der Allergie kann sich dann erübrigen.

Familien-, paar- oder individualtherapeutische Begleitung kann die Aufarbeitung der psychosomatischen Hintergründe einer Allergie wirkungsvoll unterstützen.

 

© Margret Rupprecht

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